Tretroller
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#mdrklärt E-Scooter: Die wichtigsten Fragen und Antworten

E-Scooter könnten bald auch Sachsen-Anhalts Städte erobern. Sauberere Luft und weniger Staus – das erhoffen sich Befürworter. Doch es gibt auch Kritik. MDR SACHSEN-ANHALT beantwortet die wichtigsten Fragen.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Tretroller
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Was ist ein E-Scooter?

Ein E-Scooter ist ein Tretroller, der von einem Elektromotor angetrieben wird – bei dem man also gar nicht treten muss. Der Fahrer bewegt sich darauf in der Regel stehend fort. Manche Modelle sind zusammenklappbar.

Die Energie für den Motor kommt aus dem Akku, der regelmäßig aufgeladen werden muss. Das ist an jeder normalen Steckdose möglich. Je nach Modell dauert das Aufladen etwa zwei bis fünf Stunden. Die Reichweiten liegen bei guten Modellen bei circa 30 Kilometern pro Akkuladung.

Die Geschwindigkeit der E-Scooter variiert. Einige Modelle können bis zu 40 Kilometer pro Stunde schnell fahren, andere schaffen nur zwölf Kilometer pro Stunde.

E-Scooter verfügen für gewöhnlich über eine elektrische Bremse am Vorderrad sowie eine mechanische Rücktrittsbremse.

Das Gewicht der E-Scooter inklusive Akku überschreitet in der Regel nicht die 20-Kilogramm-Grenze. Die leichtesten Modelle wiegen weniger als zehn Kilogramm, mit zwölf bis 15 Kilogramm sollte man allerdings rechnen.

Der E-Scooter wird fälschlicherweise oft als E-Roller bezeichnet. Bei diesem handelt es sich allerdings um einen weit leistungsstärkeren Elektromotorroller – die elektrische Variante des klassischen Motorrollers.

Was spricht für E-Scooter?

Verkehrsforscher sehen in E-Scootern einen weiteren Baustein auf dem Weg zum Verkehr der Zukunft. Befürworter betonen vor allem auch den positiven Effekt für die Umwelt. Der Verkehr könne so effizienter werden.

Die elektrischen Tretroller sind besonders für kurze Strecken in Innenstädten geeignet. Wer nicht zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren will oder kann, kann zum E-Scooter greifen – und auf das Auto verzichten.

Genau wie E-Bikes oder E-Autos bewegen sich die E-Scooter nahezu geräuschlos fort. Das senkt den Lärmpegel in den Städten.

Außerdem erhoffen sich gerade große Städte eine Entlastung der Verkehrssituation und der Parkplatznot.

Was spricht gegen E-Scooter?

Kritiker befürchten viele Unfälle durch die Straßenzulassung von E-Scootern. Eine Studie aus den USA ergab laut dem Spiegel, dass fast die Hälfte aller Unfälle mit E-Scootern mit schweren Kopfverletzungen enden.

Vor allem die zunächst geplante Freigabe der Gehwege für E-Scooter mit einem Höchsttempo von zwölf Kilometer pro Stunde stieß in Deutschland auf Gegenwehr. Die elektrischen Tretroller sind wesentlich schneller als Fußgänger und könnten gerade für Rentner oder Behinderte ein Sicherheitsrisiko darstellen. Weil sie kaum Geräusche beim Fahren von sich geben, überhören Fußgänger die kleinen Flitzer außerdem leicht.

Kritisiert wird zudem, dass das Fahrradwegenetz vielerorts noch nicht gut genug ausgebaut sei. Viele befürchten Chaos, wenn künftig auch noch E-Scooter dort fahren sollen.

Manche Gegner sehen außerdem die Gefahr der Bequemlichkeit. Lässt es ihre Gesundheit zu, könnten E-Scooter-Nutzer schließlich genau so gut mit dem Fahrrad fahren – und würden sich wesentlich mehr bewegen.

Wann und wie erhalten E-Scooter die Straßenzulassung?

Am 17. Mai entscheidet der Bundesrat über die von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vorgelegte Verordnung von "Elektrokleinstfahrzeugen". Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel begrüßt die Zulassungspläne: "Dadurch wird ein Rechtsrahmen für diese neue und umweltfreundliche Mobilitätsform geschaffen", so der CDU-Politiker.

Maximal 20 Kilometer pro Stunde sollen die E-Scooter schnell sein dürfen. Diese Modelle sollen die Radwege mitbenutzen dürfen, sind diese nicht vorhanden, sollen sie auf die Straße ausweichen. Das Mindestalter der Fahrer soll bei 14 Jahren liegen.

E-Scooter mit einem Höchsttempo von zwölf Kilometer pro Stunde sollen schon von Zwölfjährigen gesteuert werden dürfen. Entgegen der bisherigen Idee erklärte Scheuer am Dienstag jedoch, das Fahren von E-Scootern auf Gehwegen nicht erlauben zu wollen.

Andreas Scheuer auf einem E-Scooter
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E-Scooter sind eine echte zusätzliche Alternative zum Auto, ideal für etwa die letzte Meile von der U-, S-Bahn oder Bushaltestelle nach Hause oder zur Arbeit.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU)

Eine Helmpflicht für die Scooter ist in dem Verordnungsentwurf nicht vorgesehen – genau so wenig wie eine Zulassungspflicht. Allerdings müssen sie versichert sein. Die E-Scooter brauchen eine Lenk- oder Haltestange und zwei Bremsen. Dazu kommen Rückstrahler und eine Klingel.

Viele Fragen sind noch offen. Zum Beispiel: Dürfen die E-Scooter in öffentliche Verkehrsmittel mitgenommen werden – und wenn ja, zu welchen Konditionen? Auch versicherungsrechtliche Fragen und damit solche der Haftung sind noch nicht abschließend geklärt.

Was kostet ein E-Scooter?

Immer mehr Firmen bringen Elektro-Tretroller auf den Markt. Aktuell dürfen diese weitestgehend jedoch ausschließlich auf Privatgrundstücken genutzt werden. Das könnte sich bald ändern – und die Nachfrage damit größer werden.

Premium-Scooter wie der "Metz Moover" kosten um die 2.000 Euro. BMW hat ebenfalls einen Elektro-Tretroller im Angebot: Für den X2City zahlt man 2.400 Euro. Günstigere Modelle starten allerdings bereits bei etwa 400 Euro.

Wie läuft der E-Scooter-Verleih?

Wenn die Tretroller mit Elektromotor in Deutschland bald auf öffentlichen Wegen und Straßen gefahren werden dürfen, ist das auch der Startschuss für einen potenziellen Massenmarkt.

Firmen, die sich auf den Verleih von E-Scootern spezialisiert haben, hoffen auf die Revolution im Straßenverkehr – und wollen damit reich werden. "Tier", "Wind" und "Flash" heißen die drei größten Start-ups dieser Art aus Berlin. "Hive" ist eine Unternehmenstochter von Daimler. Außerdem mischt das schwedische Unternehmen "Voi" mit. Aus den USA wollen "Bird", "Lime" und "Spin" am E-Scooter-Geschäft verdienen.

Thomas Webel
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Dadurch wird ein Rechtsrahmen für diese neue und umweltfreundliche Mobilitätsform geschaffen.

Sachsen-Anhalts VerkehrsministerThomas Webel (CDU) über die neue Verordnung

Das Ausleih-System ist simpel: Eine App zeigt den Standort der E-Scooter an. Der Nutzer wählt den passenden aus und öffnet dessen Verschluss mit einem Klick in der App. Für das Entriegeln ist ein Euro fällig, jede Minute Fahrzeit kostet 15 Cent – so funktioniert das Leihen eines E-Scooters zum Beispiel bei "Tier Mobility".

Erste Testversuche in großen deutschen Städten wie Berlin, München oder Hamburg gab es bereits. Jetzt warten die Verleih-Anbieter für den ganz großen Start ihres Services auf die endgültige Straßenzulassung.

Welche Rolle spielen E-Scooter in anderen Ländern?

In europäischen Großstädten wie Wien, Kopenhagen oder Paris gehören E-Scooter bereits zum Stadtbild. Auch durch US-amerikanische Städte rollen zehntausende Elektro-Tretroller.

In Frankreich sollen die E-Scooter jedoch wieder von den Gehwegen verschwinden, damit "Fußgänger nicht länger gegen Häuserwände gedrückt werden", wie Verkehrsministerin Elisabeth Borne der Tageszeitung "Le Parisien" sagte. Künftig sollen die E-Scooter dort nur noch auf der Straße oder Radwegen unterwegs sein.

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung als Sportredakteur und berichtete hauptsächlich über die besten Fußballklubs Sachsen-Anhalts: den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

George liebte früher seinen Cityroller – da musste er noch selber treten.

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Quelle: MDR/dg,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. Mai 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2019, 15:35 Uhr

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1 Kommentar

08.05.2019 07:05 E-Scooter 1

Gehweg fahren nein danke.
Mir reichen schon die rücksichtslosen Radfahrer die auf den Gehweg fahren und jetzt noch E-Scooter, dann muss ich eines Tages noch fragen, ob ich als Fußgänger noch den Fußweg benutzen darf. Heute sind es3 E-Scooter auf den Fußweg und morgen sind es dann 20 E-Scooter, nein danke.

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