Briefwahl
Briefwahl ist in Sachsen-Anhalt im Trend. Bildrechte: MDR/Franz Alken

Europa- und Kommunalwahl Neuer Trend: Warum Briefwähler in Magdeburg Schlange stehen

Großes Interesse an Briefwahlen in Sachsen-Anhalt: Für die anstehenden Europa- und Kommunalwahlen haben sich ungewöhnlich viele für die Briefwahl entschieden. In der Briefwahlstelle Magdeburg ist mit langen Wartezeiten zu rechnen.

Maria Hendrischke
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von Maria Hendrischke, MDR SACHSEN-ANHALT

Briefwahl
Briefwahl ist in Sachsen-Anhalt im Trend. Bildrechte: MDR/Franz Alken

Schlange stehen vor der Briefwahlstelle in Magdeburg: Bis in den Flur im Gebäude nahe des Rathauses stehen Magdeburger an, um am Montagvormittag ihre Stimme für die Kommunal- und Europawahl abzugeben. Und nach dem Anstehen im Flur geht das Warten noch weiter: Alle müssen eine Wartenummer ziehen, bevor sie an einem Schalter schließlich ihre Wahlunterlagen erhalten. Noch vor Ort können sie dann ihre Kreuze setzen und die Wahlzettel abgeben.

Allein bis zur Mittagspause haben am Montag bereits etwa 200 Personen in Magdeburg vorgezogen per Brief gewählt. Magdeburgs Wahlamtsleiter Tim Hoppe sagt MDR SACHSEN-ANHALT, dass insgesamt schon etwa 22.000 Magdeburger bis Montag per Briefwahl gewählt hätten. Zur letzten Kommunal- und Europawahl vor fünf Jahren waren lediglich 17.500 Briefwahlunterlagen ausgegeben worden.

Tatsächlich ist es so, dass wir diesen Trend, der sich seit Jahren schon abzeichnet, fortsetzen: dass immer mehr Leute die Briefwahlunterlagen beantragen.

Tim Hoppe, Wahlamtsleiter Magdeburg

Lange Wartezeiten an Vormittagen

Briefwahl Magdeburg
Tim Hoppe, Leiter des Wahlamts Magdeburg und stellvertretender Gemeindewahlleiter Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Hoppe sagt, dass vor allem an Vormittagen in der Briefwahlstelle viel Betrieb herrsche. Am Nachmittag sei es ein bisschen ruhiger. "Normalerweise haben wir keine Wartezeiten in der Briefwahlstelle, aber zur Europa- und Kommunalwahl haben wir sie tatsächlich", sagt er. "Insgesamt beobachten wir, dass es doch sehr viele Leute sind." Grund für die längeren Wartezeiten sei, dass es sich nicht nur um eine, sondern um zwei Wahlen handele: die Kommunal- und die Europawahl.

Allein am Montag gegen 11 Uhr sind etwa 50 Personen in der Briefwahlstelle. Es herrscht ein Kommen und Gehen. Vor der Wartenummernausgabe hat sich eine kurze Schlange gebildet, mehrere Personen sitzen zudem im Warteraum, bis ihre Nummer aufgerufen wird. Im Wahlraum haben 12 Schalter geöffnet, an denen die Unterlagen ausgegeben werden. Eine Wahlhelferin neben der Nummernausgabe wirbt dafür, sich die Unterlagen postalisch zuschicken zu lassen, um Warten zu vermeiden. Die Wartezeit vor Ort betrage zwischen 30 und 45 Minuten, sagt sie.

Gründe für Briefwahl: Urlaub, Reise, weniger Stress

Eine Frau wollte sich in der Briefwahlstelle die Wahlliste schon vorab ansehen – schließlich sei diese sehr lang. Eine andere wählt immer per Briefwahl: "Ich finde das besser, da kann man in Ruhe noch einmal nachdenken", sagt sie. Es sei stressfreier. Eine Studentin ist selbst Wahlhelferin in ihrer Heimatstadt Wolfsburg und wählt darum in Magdeburg vorab. Eine Rentnerin wiederum reist am Wochenende an die Ostsee, eine andere zu ihren Kindern nach Berlin.

Briefwahl Magdeburg
Viele Magdeburger haben sich für eine Briefwahl entschieden. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Ein Briefwähler hat seine Unterlagen eigentlich schon Ende April postalisch beantragt. Er wollte sie auch mit der Post wieder zurückschicken. Er sei Kameraassistent, daher könne es vorkommen, dass er am Wahlsonntag arbeiten müsse. Aber: Seine Briefwahlunterlagen seien bisher nicht bei ihm angekommen. In der Briefwahlstelle will er sich nun nach dem Stand der Dinge erkundigen.

Chance zum Mitbestimmen nutzen

Briefwahl Magdeburg
Kartons mit Briefwahlunterlagen stapeln sich in der Briefwahlstelle Magdeburg. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Allen vor Ort befragten Briefwählern ist es wichtig, wählen zu gehen. Sie wollen ihre Chance nutzen, mitzubestimmen. Mehrere betonen außerdem, dass es ihnen dieses Mal besonders wichtig sei, zu wählen. Ein Mann will auf Europaebene den Einfluss der neuen Nationalisten stoppen. "Ich wäre sowieso zur Wahl gegangen, aber ich finde es wichtig, dass möglichst viele Leute zur Wahl gehen, denen die Idee Europa auch am Herzen liegt", sagt er. Eine Seniorin sagt ebenfalls, dass ihr Wählen wichtig ist. Warum? "Die Angst vor den Rechten, die da so im Anrücken sind. Je mehr Leute sich hier für die anderen Parteien entscheiden, desto besser ist es", erklärt sie.

Aus diesem Grund sei das recht lange Warten auch nicht schlimm, sagen die Befragten. Wenn man außer der Reihe wählen gehe, müsse man die Wartezeit in Kauf nehmen, meint eine Frau. Eine andere hat mit der Warteschlange ohnehin gerechnet. Tatsächlich freuen sich einige der Befragten, dass so viele wählen gehen.

So funktioniert die Briefwahl

Jeder der etwa 1,88 Millionen wahlberechtigten Sachsen-Anhalter kann die Briefwahl beantragen. Der Briefwahlantrag befindet sich auf der Rückseite der Wahlbenachrichtigung. Dieser Antrag kann entweder per Post, per Fax oder in Magdeburg auch online gestellt werden. Daraufhin werden die Unterlagen per Post an den Wähler geschickt, der diese wiederum per Post zurückschicken muss. Der Versand ist innerhalb Deutschlands kostenlos. Die Unterlagen können auch persönlich in der Briefwahlstelle abgeben werden. Alternativ können Wahlberechtigte die Unterlagen auch in der Briefwahlstelle abholen – und dort auch direkt wählen.

Wer sich für den Postweg entscheidet, sollte sich beeilen. Denn damit die Stimmen zählen, müssen die Wahlzettel am Wahlsonntag vor 18 Uhr bei der Briefwahlstelle eingegangen sein. Daher sollten die ausgefüllten Wahlzettel am besten bis Donnerstag abgeschickt werden, empfiehlt die Landeswahlleiterin. Aufgrund der Postlaufzeiten wird in Magdeburg beispielsweise das Tool zur Online-Beantragung der Briefwahlunterlagen bereits am Mittwoch um 14 Uhr abgeschaltet.

Um die Frist einzuhalten, können die ausgefüllten Stimmzettel außerdem eigenhändig in einen Briefkasten der Stadt Magdeburg oder den Briefkasten der Briefwahlstelle geworfen werden. Bei der Briefwahlstelle können die ausgefüllten Wahlzettel auch persönlich abgegeben werden – und zwar noch bis Sonntag, 18 Uhr. Um die Uhrzeit schließen auch die regulären Wahllokale.

Eine Kollage zeigt den Magdeburger Dom und ein Smartphone, auf dem eine App zu sehen ist.
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Wahlamtsleiter Hoppe erwartet vor allem am Freitag noch einen großen Ansturm mit langen Wartezeiten. Denn das sei der letzte mögliche Tag, um in der Briefwahlstelle die Stimmzettel zu erhalten. Aktuell empfehle er den Online-Weg. Da seien die Antragszahlen rückläufig. "Da sind Kapazitäten, die derartig sind, dass wir bearbeiten und am gleichen Tag noch das der Post übergeben." Im Optimalfall seien die Briefwahlunterlagen dann am nächsten Tag im Briefkasten des Wählenden.

Mehr Briefwähler auch in Halle und Dessau

Briefwahl Magdeburg
Briefwahlunterlagen können auch direkt bei der Briefwahlstelle in den Briefkasten geworfen werden. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Nicht nur in Magdeburg, sondern auch in Halle und Dessau-Roßlau wurden bereits mehr Briefwähler verzeichnet als bei den Wahlen 2014. Zahlen für ganz Sachsen-Anhalt zum Zwischenstand der Briefwahl-Beteiligung gibt es laut Landeswahlleitung nicht. Da der Briefwahlanteil in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sei, sei auch bei dieser Wahl mit einem weiteren Zuwachs zu rechnen, hieß es. Bei der Europawahl 2014 lag der Anteil der Briefwähler in Sachsen-Anhalt bei 16,4 Prozent.

Maria Hendrischke
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Über die Autorin Maria Hendrischke arbeitet seit Mai 2017 als Online-Redakteurin für MDR SACHSEN-ANHALT - in Halle und in Magdeburg. Ihre Schwerpunkte sind Nachrichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts, Politik sowie Erklärstücke und Datenprojekte. Ihre erste Station in Sachsen-Anhalt war Magdeburg, wo sie ihren Journalistik-Bachelor machte. Darauf folgten Auslandssemester in Auckland und Lissabon sowie ein Masterstudium der Kommunikationsforschung mit Schwerpunkt Politik in Erfurt und Austin, Texas. Nach einem Volontariat in einer Online-Redaktion in Berlin ging es schließlich zurück nach Sachsen-Anhalt, dieses Mal aber in die Landeshauptstadt der Herzen – nach Halle. Ihr Lieblingsort in Sachsen-Anhalt sind die Klausberge an der Saale. Aber der Harz ist auch ein Traum, findet sie.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. Mai 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2019, 17:20 Uhr

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9 Kommentare

23.05.2019 14:14 Gerald 9

Beim Thema Briefwahlen schrillen bei mir gleich wieder die Alarmglocken!

22.05.2019 13:53 Rudimete 8

Ich lebe in Thüringen und habe online die Briefwahlunterlagen für Kommunal und Europawahl angefordert und mir dann reichlich Zeit genommen meine Kreuze zu machen. Dann Wahlbrief zurück ohne Kosten für mich. Ist das in Sachsen-Anhalt nicht möglich? So viele Menschen , die da Schlange stehen um ihre Unterlagen zu holen sind doch nicht ohne Internetzugang.

21.05.2019 16:31 Ureinwohner 7

Tagesschau.de:"Die Zahl der Briefwähler nimmt zu. Der Bundeswahlleiter sieht dies skeptisch. Das Manipulationsrisiko ist größer, wie Fälle von Wahlbetrug zeigen. Dennoch spricht auch einiges für die Briefwahl."
20.05.2019 19:08 XXX oder XDer Wahlfälscher aus Stendal ist doch aufgeflogen und schon verurteilt.

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