Fragen und Antworten Landtag rügt Enercon – und will für Beschäftigte in Magdeburg kämpfen

Im Landtag ist am Donnerstag über die Zukunft der Enercon-Beschäftigten gesprochen worden. Denn beim Windkraftanlagenbauer in Magdeburg müssen 1.600 Beschäftigte gehen. Im Landtag sorgt das für viel Kritik – die Abgeordneten wollen nun für die Mitarbeiter kämpfen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Eine Collage des Landtages in Sachsen-Anhalt mit dem Schriftzug von Enercon.
Beim Windkraftanlagen-Bauer Enercon kriselt es. Der Landtag ist aber zuversichtlich, den Beschäftigten helfen zu können. Bildrechte: MDR/Collage/IMAGO/Torsten Leukert/Florian Leue

Wie steht der Landtag zu den geplanten Massen-Entlassungen bei Enercon?

Von Linken bis zur AfD – die Meinung der Parlamentarier ist eindeutig. Es sei "pervers", dass Millionen von Menschen freitags für Klimaschutz auf die Straßen gingen, während in Sachsen-Anhalt nach der Solarenergie auch die Windenergie "vor die Hunde gehe", befand der SPD-Abgeordnete Falko Grube. Einen "herben" Schlag für ganz Sachsen-Anhalt nannte Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) die geplanten Massen-Entlassungen bei Enercon. Thomas Lippmann von der Linken sprach von einem Scherbenhaufen, den das Land nun beseitigen müsse.

Und wie stehen die Abgeordneten zu Enercon selbst?

Petra Grimm Benne
Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) Bildrechte: IMAGO

Ganz grundsätzlich: Mit seiner Ankündigung, massiv Stellen abzubauen, hat sich das Unternehmen Enercon bei den Parlamentariern in Sachsen-Anhalt nicht besonders beliebt gemacht. Das zeigen beispielsweise die Worte von CDU-Wirtschaftsexperte Ulrich Thomas. Der erinnerte am Freitag im Landtag daran, dass Enercon seine Milliardengewinne aus besseren Zeiten in aller Regel am Firmenhauptsitz in Aurich versteuert habe – und nicht etwa in Magdeburg. Auch habe das Unternehmen Fördergeld gern angenommen, sich im Gegenzug aber kaum gesellschaftlich in der Region eingebracht. Und überhaupt: Die Schuld für den Stellenabbau nun auf die Bundesregierung zu schieben, ist nach Meinung von Ulrich Thomas zu einfach. "Die Entwicklungen in der Branche waren absehbar", befand Thomas im Landtag.

Die Krise der Windanlagenbauer ist hausgemacht.

Ulrich Thomas CDU-Landtagsabgeordneter

Und auch Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne hatte noch eine Botschaft für Enercon im Gepäck: Dass kein einziger Beschäftigter am Freitag vor dem Landtag protestierte, wertete sie als Zeichen der Angst vieler Beschäftigter. Sie hätten Sorge, ihren Job noch früher zu verlieren – oder doch keinen Sozialplan zu bekommen.

Enercon hatte sich in dieser Woche schwerer Vorwürfe der Gewerkschaft IG Metall ausgesetzt gesehen. Das Unternehmen dementierte, Mitarbeiter unter Druck zu setzen.

Was sind nach Meinung des Landtags die Ursachen für die Enercon-Krise?

Ursachen gibt es nach Meinung der Landtagsabgeordneten eine ganze Menge. Besonders häufig genannt: die schwierigen politischen Bedingungen für die Windenergie. Es sei Enercon nicht gelungen, die deutschen Standorte auf international konkurrenzfähiges Niveau zu bringen, bilanzierte AfD-Fraktionschef Oliver Kirchner.

Diese Stellen streicht Enercon in Magdeburg

  • Rothenseer Rotorblattfertigung: 402 Mitarbeiter
  • Großrotoblattfertigung: 475 Mitarbeiter
  • Generatorenfertigung: 110 Mitarbeiter
  • Zentrale Verwaltung: 40 Mitarbeiter
  • Sowie 600 Leiharbeiter

Was will der Landtag tun, um den Enercon-Mitarbeitern zu helfen?

Darüber hat die Debatte im Landtag am Freitag relativ wenig Aufschluss gegeben. Denn statt konkrete Lösungsvorschläge zu machen, wie den Beschäftigten geholfen werden soll, waren die Abgeordneten hauptsächlich damit beschäftigt, sich gegenseitig die Schuld für die Entwicklung in der Windenergiebranche zuzuschieben.

Darüber hinaus gab es am Freitag allerdings viele Forderungen in Richtung Enercon. Das Unternehmen müsse auch für die Mitarbeiter seiner Tochterfirmen Sozialpläne umsetzen, forderte etwa Falko Grube.

Wie sind die Aussichten für die Beschäftigten?

Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) ist optimistisch, dass viele der betroffenen Enercon-Beschäftigten schnell neue Arbeit finden. Es gebe viele Unternehmen, die händeringend Arbeitskräfte suchten, sagte Grimm-Benne. In ganz Magdeburg seien 7.000 Stellen offen, 1.100 davon in der Industrie. "Wir wollen für jeden Einzelnen eine gute Lösung finden", sagte die Ministerin. Darauf sei auch die Agentur für Arbeit in Magdeburg vorbereitet.

Was passiert als nächstes?

Nun sei erst einmal wichtig, die verbleibenden Stellen bei Enercon in Magdeburg zu sichern, sagte Arbeitsministerin Grimm-Benne. Das Unternehmen hatte zu Beginn der Woche angekündigt, in der Landeshauptstadt künftig hauptsächlich auf Recycling und Repowering zu setzen. Grimm-Benne zufolge bleiben nach dem Stellenabbau rund 2.000 Stellen bei Enercon erhalten, unter anderem im Generatoren- und Gondelbau. Die müssten erhalten werden. Sie werde jeden Schritt bei Enercon begleiten, damit das am Ende auch gelinge.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. November 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2019, 16:04 Uhr

3 Kommentare

Erna vor 1 Wochen

Wer ist denn Schuld am Untergang der PV- und Windindustrie? Die Politik die ein auf Subventionen beruhende eher sozialistische Wirtschaftspolitk betrieben hat. Entweder wird kräftig weiter subventioniert (was Wähler, Stromkunden und Steuerzahler mittlerweile zu viel ist) oder es geht eben den Bach runter. Immerhin drehen sich noch Windräder und es werden neue gebaut. Sobald der privilegierte Einspeisevorrang - der absolut nichts mit Markswirtschaft zu tun hat - abgeschafft wird, ist die Windbranche komplett tot.

Bernd G. vor 1 Wochen

Zur sogenannten Wendezeit wurden im Osten innerhalb weniger Monate mehrere Millionen Menschen arbeitslos, das hat auch niemanden interessiert. In den folgenden 30 Jahren wurden mehr als 3 Millionen gut ausgebildete Fachkräfte für 100% Westgehalt eben in jenen Westen gelockt (man kann auch sagen abgeworben) Warum soll sich die Politik 30 Jahre später darum kümmern?

Bernd L. vor 1 Wochen

Die Firma hat kein in einer Marktwirtschaft konkurrenzfähiges Geschäftsmodell. Das ist die Kernursache.

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