Ein Justizbeamter der JVA in Halle
Justizbeamte könnten Fluchtversuche nicht vorhersehen, sagt der Chef der Gewerkschaft Strafvollzug in Sachsen-Anhalt. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Erneute Flucht eines Gefangenen Gewerkschaft: Justizbeamte trifft keine Schuld

Nach der Flucht eines Gefangenen in Dessau sieht der Chef der Gewerkschaft Strafvollzug in Sachsen-Anhalt, Mario Pinkert, keine Schuld bei seinen Kollegen. Er fordert zugleich, beim Strafvollzug nicht zu sparen.

Ein Justizbeamter der JVA in Halle
Justizbeamte könnten Fluchtversuche nicht vorhersehen, sagt der Chef der Gewerkschaft Strafvollzug in Sachsen-Anhalt. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Nach dem am Montag vor dem Landgericht Dessau geflohenen Gefangenen wird weiter gesucht. Dass der Mann fliehen konnte, ist aus Sicht des Chefs der Gewerkschaft Strafvollzug in Sachsen-Anhalt, Mario Pinkert, nicht Schuld der Beamten: Ein Justizvollzugsbeamter könne so etwas nicht voraussehen. "Man steckt nicht im Kopf eines Gefangenen", sagte Pinkert MDR SACHSEN-ANHALT.

Dass der Häftling Werkzeug bei sich hatte und so eine seiner Handschellen gelöst habe, schloss Pinkert aus. Vor Antritt jeder Fahrt gebe es eine Sicherheitskontrolle, sagte er.

Gefangenentransporter zu groß für Tiefgarage des Landgerichts

Das Justizzentrum Anhalt in Dessau-Roßlau
Ein Gefangener ist vor einer Verhandlung am Landgericht Dessau geflohen. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Zugleich wies Pinkert eine Erklärung des Sprechers des Justizministeriums zurück, wonach der Gefangenentransporter wegen Bauarbeiten nicht in der Tiefgarage des Landgerichts habe parken können. Die Wagen im Fuhrpark der Justiz seien zu groß, um in den Keller des Landgerichts zu fahren, sagte Pinkert. "Diese Fahrzeuge passen nicht in die Tiefgarage, unabhängig von Bauarbeiten." Die Wagen müssten immer außerhalb des Landgerichts parken, um Gefangene in das Landgericht zu bringen. Das Land müsse in neue, kleinere Fahrzeuge investieren.

Trotz aller Einsparvorhaben dürfe man nicht an der Sicherheit sparen, sagte Pinkert und richtete sich damit an Finanzminister André Schröder (CDU). Verglichen mit der Polizei werde der Strafvollzug eher stiefmütterlich behandelt. Der Chef der Gewerkschaft Strafvollzug forderte vom Finanzminister, sich die Flucht des Gefangenen in Dessau anzuschauen und Schlüsse daraus zu ziehen. Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) ist laut Pinkert auf der Seite der Beamten.

Flucht aus dem Gefangenentransporter

Der 27 Jahre alte Häftling war am Montag geflüchtet, als er aus der JVA in Burg zu einem Verhandlungstermin am Landgericht Dessau gebracht worden war. Laut Justizministerium war der Mann den Justizvollzugsbeamten entgegen gesprungen, als diese die Tür des Gefangenentransports geöffnet hatten. Es war dem Gefangenen offenbar gelungen, sich aus seiner Handfessel zu befreien. Eine Großfahndung der Polizei blieb bislang ohne Erfolg.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. August 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. August 2018, 12:43 Uhr

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5 Kommentare

08.08.2018 16:26 nasowas 5

Die Schuld ganz von den Beamten zu weisen wäre meiner Ansicht nach auch falsch. Gefangenentransporte werden immer mit mehr als einem Bediensteten gefahren. Wenn also ein Bediensteter die Tür öffnet, bleibt die Frage wo der zweite ist? Müsste er die Situation nicht absichern?
Meines Erachtens ja. Wenn also ein Beamter überrumpelt wird, müsste der zweite sofort eingreifen können!

07.08.2018 18:10 Insider 4

Den Bediensteten die Schuld zu geben wäre falsch. Da stimme ich dem Gewerkschafter zu. Stellt sich aber wieder mal die Frage wie lange wusste man im Ministerium, am LG Dessau und auch um dem Umstand der zu grossen Fahrzeuge und den Bauarbeiten in der Tiefgarage? So lange nichts passiert ist alles gut. Die Bediensteten die tagtäglich mit dem Sicherheitsrisiko umgehen müssen fragt niemand. Selbst wenn nach Lösungen gesucht wird und auch Missstände angesprochen werden, ignoriert man diese bzw. spielt sie herunter. Miteinander reden, auch wenn es um einfachste Probleme geht und sofort reagieren.Manchmal reicht einfacher Verstand und die Logik aus und hat eine grosse Wirkung.

07.08.2018 17:44 Horst Franze 3

Warum werden keine Fußfessel bis zum Verhandlungsraum angelegt