Auf dem Bildschirm eines Laptops ist der Binärcode zu sehen.
Hacker haben private Daten von Politikern in Sachsen-Anhalt ausgespäht und veröffentlicht. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Telefonnummern, Adressen, Chats Auch Politiker in Sachsen-Anhalt vom Hackerangriff betroffen

Der bundesweite Hackerangriff betrifft auch Politiker in Sachsen-Anhalt. Der Großteil der Betroffenen ist empört und kritisiert den Vorfall. Bei den ausgespähten Daten handelt es sich um Telefonnummern, private Adressen und Facebook-Chats, die über Twitter veröffentlicht worden sind.

Auf dem Bildschirm eines Laptops ist der Binärcode zu sehen.
Hacker haben private Daten von Politikern in Sachsen-Anhalt ausgespäht und veröffentlicht. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Bei dem bundesweiten Hackerangriff sind auch zahlreiche Politiker aus Sachsen-Anhalt ausgespäht worden. Nach Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT gehören dazu CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff, SPD-Landeschef Burkhard Lischka, FDP-Landeschef Frank Sitta, Verkehrsminister Thomas Webel sowie die SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby und Katrin Budde.

Bei den veröffentlichten Daten der Politiker handelt es sich zum Beispiel um Telefonnummern, private Adressen und Facebook-Chats.

Betroffene größtenteils empört

Laut Regierungssprecher Matthias Schuppe stellt für Ministerpräsident Reiner Haseloff die Veröffentlichung seiner privaten Telefonnummer kein Problem dar. Die Telefonnummer des Ministerpräsidenten sei vielen Leuten bekannt, sagte Schuppe MDR SACHSEN-ANHALT.

Anders sieht das Katrin Budde. Die SPD-Bundestagsabgeordnete ist über den bundesweiten Hackerangriff empört. Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man müsse über normale Whatsapp-Nachrichten und E-Mails in der heutigen Zeit kommunizieren können, ohne dass diese veröffentlicht würden. Das habe nichts mit Unvorsichtigkeit zu tun. Budde regt gleichzeitig an, den Datenschutz neu zu überdenken. Sie sagte, einerseits müsse man alles Mögliche unterschreiben, was freigegeben werden darf. Parallel dazu habe sich eine Welt entwickelt, auf die man keinen Zugriff habe.

Sachsen-Anhalts SPD-Landeschef Burkhard Lischka äußerte sich nach dem Vorfall wenig verwundert: Wer sich ein wenig die Entwicklungen der letzten Jahre angeguckt habe, die Hackerangriffe auf die Parteien, den Bundestag und einzelne Abgeordnete – der könne nicht wirklich überrascht sein, dass entsprechende Datenabflüsse auch veröffentlicht würden. Das habe man in anderen Ländern erlebt und nun in Deutschland.

Lischka persönlich werde keine Strafanzeige stellen. Er sei sich sicher, dass die Sicherheits- und Ermittlungsbehörden im Augenblick mit Hochdruck ihre Arbeit machten. In der kommenden Woche werde es zu dem Thema eine Sondersitzung des Innenausschusses geben.

"Neuer Schritt in politischer Auseinandersetzung"

Auch die Daten der Landes-Frauenbeauftragten Eva von Angern wurden gehackt. Die Linken-Politikerin kritisierte die Veröffentlichung und sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Politikerinnen und Politiker würden zu Freiwild erklärt. Das sei ein neuer Schritt in der politischen Auseinandersetzung. Sie hoffe sehr, dass sich dagegen nicht nur Politiker wehren, sondern dass sie dabei auch die Gesellschaft an ihrer Seite haben.

Politiker, Künstler und Journalisten betroffen

Jan Böhmermann
Auch Jan Böhmermann gehört zu den Promis, deren Daten gehackt worden sind. Bildrechte: dpa

Der stellvertretenden Sprecherin der Bundesregierung Martina Fietz zufolge, hat das Bundeskanzleramt am späten Donnerstagabend von dem Vorgang erfahren. Verbreitet worden seien die Daten aber bereits vor Weihnachten. Demnach wurden Daten von hunderten Personen gehackt und bei Twitter veröffentlicht – betroffen sind vor allem Politiker, aber auch Journalisten und Künstler. Unter ihnen sind die Moderatoren Jan Böhmermann und Oliver Welke, der Schauspieler Til Schweiger und Musiker wie Sido.

Nach ersten Erkenntnissen seien von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei dem Hackerangriff keine sensiblen Daten veröffentlich worden, so Fietz. Man arbeite jetzt mit Hochdruck an der Aufklärung des Vorgangs. So sei das nationale Cyber-Abwehrzentrum bereits zu einer Krisensitzung zusammengekommen. Wer hinter dem Datendiebstahl steckt, sei noch unklar – ebenso, ob alle Daten echt sind.

AfD-Politiker offenbar nicht ausgespäht

Von dem Hackerangriff sind offenbar alle im Bundestag vertretenen Parteien betroffen – mit Ausnahme der AfD. Das bestätigte der Landeschef und Bundestagsabgeordnete Martin Reichardt MDR SACHSEN-ANHALT am Freitag auf Anfrage. Ihm seien keine Daten gestohlen worden. Auch von anderen Angeordneten sei ihm das nicht bekannt, so Reichardt.

Quelle: MDR/agz,epd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Januar 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Januar 2019, 16:35 Uhr

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12 Kommentare

06.01.2019 15:58 kein Otto 12

Auf T-Online gibt es ein paar konkretere Informationen zu der Art der veröffentlichten Daten. Da sieht man, daß die überwiegende Mehrheit der Politikerdaten Adressen,Mailadressen und Telefonnummern sind. Bei einigen wenigen sind es Dokumente und bei einigen recht umfangreiche Daten. Das läßt den Schluß auf die Politiker zu, die entweder mit ihren Daten nicht sonderlich sorgfältig vorgegangen sind oder die ein unsicheres Online-Angebot zur Sicherung ihrer Handydaten incl. Kontakten, Chatinhalten, Mails, Anrufprotokolle und/oder Fotos verwendet haben. Man kann davon ausgehen. daß die Politiker einer Fraktion gegenseitig ihre Kontaktdaten gespeichert haben, und da niemand was mit der AfD zu tun haben will, sind deren Daten da eben selten (nie?) dabei.
Die Daten zu den Prominenten stammen aus anderen Quellen. Hier wurden Daten zusammen veröffentlicht, die aus verschiedenen Quellen stammen.
Daß direkt Politiker aus Sachsen-Anhalt angegriffen wurden, kann ich bisher nicht nachvollziehen.

05.01.2019 23:56 w_r 11

Ich finde es gut. Die Meisten, die seit Jahren etwas tuen konnten, um so etwas zu verhindern, haben Dieses erfolgreich verdrängt und verschlafen. Und jetzt sind Sie empört und überrascht... lächerlich. Wenn Politik machen würde wozu Sie da ist, nicht Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Abgeordnete, sondern das Lösen von Sorgen und Nöten der Menschen in Ihrem Land, hätte man Ausbilden, Investieren und Vorbeugen können. Und man hätte entsprechende Polizei gehabt, die in dieser Liga mitreden kann. Aber wir sind in Sachsen-Anhalt, mehr ist nicht zu sagen.

05.01.2019 19:54 Herkuleskeule 10

Ganz schön dumm, wenn die traurigen Aushängeschilder unserer zunehmend verblödenden Gesellschaft den digitalen Spiegel vorgehalten bekommen.
Hoffentlich wurden da keine Nacktfotos veröffentlicht, das wäre nicht nur empörend, sondern in einigen Fällen auch gruselig.