Herdenschutz 213 Wolfsrisse in diesem Jahr in Sachsen-Anhalt

Von Januar bis Juni 2020 sind fast so viele Nutztiere durch Wolfsangriffe getötet worden, wie im gesamten vorangegangenen Jahr. Das teilte das Wolfskompetenzzentrum in Iden im Landkreis Stendal mit. Der Großteil der gerissenen Tiere waren Schafe. Um Weidetierhalter zu unterstützen, fördert das Land den Herdenschutz zu 100 Prozent.

Ein Wolf in einem herbstlichen Wald
In Sachsen-Anhalt sind derzeit 15 Wolfsrudel nachgwiesen. Bildrechte: colourbox

In Sachsen-Anhalt sind in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 213 Nutztiere durch Wolfsangriffe getötet worden. Im gesamten Jahr 2019 sind 247 Tiere gestorben. Das geht aus Zahlen des Wolfskompetenzzentrums hervor.

Pro Angriff starben statistisch gesehen vier Tiere. Der Großteil der gerissenen Nutztiere waren Schafe, aber auch junge Rinder sind beliebte Beute für den Wolf.

100 Prozent Herdenschutzförderung

Seit 2008 gibt es wieder Wölfe in Sachsen-Anhalt und die Population steigt stetig – und damit auch die Zahl der Nutztierrisse. Im Monitoringjahr 2018/19 konnten in Sachsen-Anhalt 15 Rudel und zwei Paare mit einer Mindestzahl von 104 Tieren nachgewiesen werden. Darunter 49 Welpen und 17 Jährlinge.

Das Verbreitungsgebiet von Wölfen und Wolfsrudel in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt laut Wolfsmonitoring 2018/2019 (nach Bundesamt für Naturschutz, Monitoringberichte der Länder)
Das Verbreitungsgebiet von Wölfen und Wolfsrudel in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt laut Wolfsmonitoring 2018/2019 (nach Bundesamt für Naturschutz, Monitoringberichte der Länder) Bildrechte: Grafik MDR/Max Schörm

Seit der Rückkehr des Raubtiers nach Deutschland um die Jahrtausendwende fragen Tierhalter: Wie lassen sich die Nutzierrisse verhindern? Der Wolf hat in Deutschland den höchsten Schutzstatus und darf nur unter sehr engen Voraussetzungen geschossen werden. Trägt doch der Wolf zu einem funktionierenden Ökosystem bei, wie die Tierschutzorganisation WWF in ihrem Leitfaden "Lernen mit dem Wolf zu leben" betont: "Wölfe bemerken kranke Wildtiere früher und erbeuten sie weit effizienter als Jäger".

Das Land Sachsen-Anhalt zahlt nach Wolfsangriffen den Tierhaltern eine Entschädigung. Im vergangenen Jahr belief sich die Summe auf knapp 20.000 Euro. Für Präventionsmaßnahmen wie elektrische Weidezäune wurden rund 975.000 Euro bewilligt.

Schulungen und Beratungen zu wolfssicheren Zäunen

Swen Keller (l.) von der Interessengemeinschaft Herdenschutz plus Hund und Claudia Dalbert (M., Bündnis 90/Die Grünen), Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt, stehen an einem elektrischen Herdenschutzzaun.
Bessere Förderung und Prävention: Swen Keller (l.) von der Interessengemeinschaft Herdenschutz plus Hund und Umweltministerin Dalbert (M., Bündnis 90/Die Grünen) 26. Juni 2020 im Gespräch. Bildrechte: dpa

Mitte Mai teilte das Umweltministerium mit, dass Weidetierhalter Gelder für den Schutz ihrer Tiere ab sofort beantragen können. Das Land fördere den Herdenschutz zu 100 Prozent. Außerdem werden kostenfreie Schulungen für den Zaunbau und Beratungen für besonders gefährdete Weidetierhalter angeboten.

In Sachsen-Anhalt gibt es nach Angaben des Bauernverbands rund 300 Schäfereibetriebe und knapp 46.000 Mutterschafe.

Diese Beratungen und Schulungen sind, so das Umweltministerium, Voraussetzung für die Förderung. "Weidetierhalter, die entsprechende Kenntnisse zum Zaunbau im Rahmen ihrer beruflichen Ausbildung bereits erworben haben, sind davon ausgenommen. Sie legen einen entsprechenden Qualifikationsnachweis vor", heißt es in der Mitteilung.

Für die Zukunft wurde die Förderung weiterer Maßnahmen angekündigt – beispielsweise laufende Betriebsausgaben für wolfsabweisende Zäune und zertifizierte Herdenschutzhunde. Darunter fallen auch Futter, Steuer, Versicherung, Impfungen.

Förderung von Schutzmaßnahmen, Kontakt und Schulungstermine

Laut Umweltministerium erhalten Tierhalter in Sachsen-Anhalt seit dem Jahr 2013 Fördermittel für den Kauf von mobilen Elektrozäunen und Zubehör. Dazu gehören beispielsweise Weidezaun-​ und Spannungsmessgeräte. Der Fördersatz beträgt seit 2019 100 Prozent. Die Mindesthöhe der Zuwendung liegt bei 500 Euro. Die maximale Förderhöhe liegt bei 30.000 Euro pro Jahr.

Wo gibt es die Förderunterlagen?


Oder über folgenden Kontakt:

Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Anhalt
Kühnauer Straße 161, 06846 Dessau-​Roßlau
Tel.: 0340 6506 0
Fax: +49 340 6506-​601
E- Mail: poststelleDE@alff.mule.sachsen-​anhalt.de

Schulungs- und Beratungstermine

Quelle: MDR,dpa/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. Juli 2020 | 09:00 Uhr

4 Kommentare

aus Elbflorenz vor 4 Wochen

"als es schon Weidezäune gab, aber noch keine Wölfe"
ein Wolf ist quasi ein Neufundländer mit der Agilität eines Rehpinschers, der kommt über ganz andere Hindernisse hinweg als ein Schaf und hat auch einen ganz anderen Antrieb und eine ganz andere Intelligenz

"Und wenn sich dann noch der Wolf die schwächsten Tiere rauspickt"
Wölfe (wie Hunde) fressen, was ihnen vor die Schnauze kommt - die suchen nicht lange nach dem schwächsten Tier, erst recht nicht, wenn für die Räuber alle Beutetiere schwach sind.

"Gehört möglicherweise zum Handwerk"
Auf- und Abbau wie auch Transport von Zäunen ist mehr Arbeit als z. B. das An- und Ausschalten von Computern.

Anni22 vor 4 Wochen

213 Wolfsrisse, bei 46.000 Mutterschafen. Ich finde das nicht so extrem. Das es den Schäfer nicht freut ist mir aber auch klar. Irgendwie muss es aber zusammen gehen.

ElBuffo vor 4 Wochen

Kann mich dunkel an Zeiten erinnern, als es schon Weidezäune gab, aber noch keine Wölfe. Insofern sind doch 100% für die Anschaffungskosten schon prima. Angeschafft und aufgebaut wurden die da sicher auch schon. Gehört möglicherweise zum Handwerk. Und wenn sich dann noch der Wolf die schwächsten Tiere rauspickt und es dafür eine Entschädigung gibt, ist doch alles schick.
Ansonsten wird es schon vorwiegend der Mensch sein, der auf Kosten der Natur lebt.

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