Die Integrationsbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt, Susi Möbbeck.
Die Integrationsbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt, Susi Möbbeck, hat am Donnerstag den aktuellen Integrationsbericht vorgestellt. Bildrechte: dpa

Integrationsbericht des Landes Integrationsbeauftragte: Wir brauchen mehr Zuwanderung

In Sachsen-Anhalt leben auch nach der Zuwanderungswelle der vergangenen Jahre vergleichsweise wenig Menschen mit Migrationshintergrund. Aus Sicht der Integrationsbeauftragten könnten es mehr sein – etwa für den Arbeitsmarkt oder im Kampf gegen den demografischen Wandel. Den Vorschlag des Bundesinnenministers, landesweit Ankerzentren einzuführen, in denen Geflüchtete während des kompletten Asylverfahrens bleiben sollen, sieht Möbbeck hingegen kritisch.

Die Integrationsbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt, Susi Möbbeck.
Die Integrationsbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt, Susi Möbbeck, hat am Donnerstag den aktuellen Integrationsbericht vorgestellt. Bildrechte: dpa

Die Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Susi Möbbeck (SPD), hat am Donnerstag den Integrationsbericht für die Jahre 2011 bis 2016 vorgestellt. Möbbeck sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die aktuelle Hektik bei der Flüchtlingsthematik sei überzogen. Deutschlandweit hätten 22 Prozent aller Menschen Migrationshintergrund, in Sachsen-Anhalt seien es nur vier Prozent. Sachsen-Anhalt sei damit eher ein migrationsarmes Land.

Daher sollte Sachsen-Anhalt aus ihrer Sicht noch offensiver zum Zuwanderungsland werden. "Wir brauchen mehr Zuwanderung, um die demografischen Probleme in den Griff zu bekommen. Wir stellen fest, dass wir gerade in den letzten Jahren erheblich Zuwanderer aus EU-Mitgliedsstaaten hinzubekommen haben, die auf unserem Arbeitsmarkt Fuß fassen konnten", so Möbbeck bei der Vorstellung des Integrationsberichts des Landes.

Möbbeck: Jetzt Integration angehen

Was ganz wichtig sei, dass Sachsen-Anhalt aus der Phase 2015/2016 raus sei, in der eine große Zahl von Schutzsuchenden aufgenommen, untergebracht und erstversorgt werden musste, erklärte Möbbeck im MDR-Interview. Die Zahl der Neuankommenden sei stark rückläufig: "Wir können uns deswegen mehr auf Aufgaben konzentrieren, die längere Zeit dauern." Das seien Aufgaben der Integration, der gesellschaftlichen Teilhabe und des Zusammenlebens im Land.

"Bei allen Baustellen, die es gibt, ist die allerwichtigste, dass sie am Ende ihren Lebensunterhalt selber verdienen und dann auch der Gesellschaft etwas zurückgeben können", sagte Möbbeck weiter. "Unsere Unternehmen suchen händeringend Auszubildende, junge Leute, die etwas wollen, hochmotiviert sind und die bereit sind, ihre Fähigkeiten einzubringen. Die haben hier alle Chancen." Vorurteilen will Möbbeck mit Zahlen begegnen. Damit könne man auch zeigen, dass die Bilder, die zum Teil in der Öffentlichkeit kursierten, korrigiert werden könnten.

Susi Möbbeck
Susi Möbbeck, Integrationsbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt Bildrechte: IMAGO

Das Wichtige ist, zu sehen, dass es keinesfalls das Motiv der jungen Leute, die hierherkommen, ist, den Rest des Lebens die Sozialhilfe zu nutzen. Sondern sie kommen aus bedrohlichen Lebenssituationen und wollen möglichst schnell auf eigenen Füßen stehen. Viele haben noch ihre Familien in den Ländern.

Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT wies Möbbeck die Forderung nach bunndesweiten Ankerzentren durch den Bundesinnenminister Horst Seehofer zurück. Es sei ihr völlig unklar, worin der Mehrwert eines Ankerzentrums gegenüber der Erstaufnahme in Halberstadt bestehen solle: "In Halberstadt kommen alle Geflüchteten an, werden identifiziert und gehen die ersten Schritte im Asylverfahren bis zur Agentur für Arbeit vor Ort." Es müsse erstmal geklärt werden, worin der zusätzliche Nutzen und was die Ziele eines zusätzlichen Zentrums in Sachsen-Anhalt seien. Sie sei mit ihrer Meinung bei Innenminister Holger Stahlknecht (CDU), der sage, eigentlich habe das Land so etwas in Halberstadt schon weitgehend.

Migranten sehen Kampf gegen Diskriminierung als Hauptaufgabe

Mamad Mohamad vom Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Die größte Baustelle ist das Thema Alltagsrassismus und Diskriminierung. Denn es hat sich in der Gesellschaft enorm eingeschliffen, dass man alles sagen kann und darf, ohne Konsequenzen zu haben." Menschen fühlten sich diskriminiert, wenn Leute keine Wohnung, keinen Arbeitsplatz bekämen, wenn sie schief angeguckt würden. Das werde die nächste Herausforderung sein.

Von einem Ankerzentrum in Sachsen-Anhalt hält auch das LAMSA nicht viel. "Weil die Botschaft, die an die Menschen geht, ist, dass sie eigentlich keine Chance haben, in der Gesellschaft anzukommen", so Mohammad. Das sei das Fatale. Ankerzentren würden Probleme schaffen, weil die Menschen da bleiben müssten, aber keine Möglichkeiten hätten, Angebote wahrzunehmen. Es sei Abschottung, das mache dem LAMSA Sorgen. Man brauche Einwanderung, nicht Abschottung.

Bundesinnenminister Seehofer (CSU) möchte solche Ankerzentren als Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge in ganz Deutschland. Geflüchtete sollen während des kompletten Asylverfahrens in diesen Zentren verbleiben: von der Ankunft über die Entscheidung bis zur möglichen Rückführung.

Quelle: dpa,MDR/ap

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 14. Juni 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2018, 21:17 Uhr

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41 Kommentare

16.06.2018 21:26 FazitderKommentare 41

Wenn man alle bisherigen Kommentare betrachtet, dann ist die politische Führung von SA eine Fehlbesetzung!

16.06.2018 16:58 Dada 40

Was wir brauchen ist eine Abwanderung und keine Zuwanderung. Für was eigentlich der Fachkräftemangel kann es nicht sein denn dann hätten wir eine Vollbeschäftigung. Werte Frau Möbbeck zum einen bauen sie die Wohnungen (Wohnungsmangel), wir haben auch nicht genug Arbeit, es werden zur Zeit wieder sehr viele Arbeitnehmer in den Betrieben entlassen. Und auch sollten sie sich einmal um die Asylanten kümmern die schon da sind. In den Wohngebieten wo diese jetzt wohnen ist es vorbei mit Ruhe und Frieden. Seitdem ist es vorbei mit nächtlicher Ruhe. Durch noch mehr Zuwanderung wird der soziale Frieden in unserem Land langsam aber sicher zerstört, es ist eigentlich nur noch eine Frage der Zeit bis etwas passiert.

16.06.2018 16:05 Kritischer Bürger 39

Die BRD damals war auch am Ende und somit nachfolgend mit Zahlen belegbar:

+...1982/83: Zweite Ölkrise. Die Ölpreisexplosion lässt das Wirtschaftswachstum 1981 auf praktisch Null und 1982 auf etwa minus ein Prozent sinken. Im November 1982 sind mehr als zwei Millionen Menschen arbeitslos.

1990: Die Wiedervereinigung bringt für den Westen einen vorübergehenden Boom und für den Osten einen beispiellosen Stellenabbau....+

Und nun sollen wieder mehr Migranten nach den Osten D kommen. wo sollen diese bei den industriellen Strukturen in Arbeit kommen und vor ALLEM FÜR WELCHES GELD? Den Billiglohn Ost oder den guten Lohn West?
Dieser ogn. Auszug sollte Fr.Möbbeck mal verinnerlichen, bevor sie solche Worte der Erwartungen von sich gibt!
1982 also vor der Wiedervereinigung allein in BRD ZWEI MILLIONEN ARBEITSLOSE. Damals wurde da auch schon das Sozialsystem aus Steuereinnahmen finanziert!!