Thomas Plötzsch, Notfallsanitäter beim DRK Merseburg und Kursleiter Selbstverteidigung für Rettungskräfte in Merseburg.
Thomas Pötzsch ist Notfallsanitäter und leitet einen Selbstverteidigungskurs für Rettungskräfte. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Interview mit Notfallsanitäter Angriffe auf Rettungskräfte: "Es ist nicht mehr der Traumjob"

Notfallsanitäter Thomas Pötzsch ist bei Rettungseinsätzen schon mehrfach angegriffen worden. Als Kampfsportler gibt er ehrenamtlich Kollegen Kurse in Deeskalation und Selbstverteidigung. Durch die Angriffe hat sich sein Blick auf seinen Job verändert. Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT erklärt er, was die Lage der Einsatzkräfte aus seiner Sicht verbessern würde.

Thomas Plötzsch, Notfallsanitäter beim DRK Merseburg und Kursleiter Selbstverteidigung für Rettungskräfte in Merseburg.
Thomas Pötzsch ist Notfallsanitäter und leitet einen Selbstverteidigungskurs für Rettungskräfte. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

MDR SACHSEN-ANHALT: Erinnern Sie sich an eine Situation, in der Sie angegriffen wurden?

Thomas Pötzsch: Mehrere. Eine ganz besonders schlimme war, als ich wirklich angefallen wurde. Ich wurde richtig gewürgt. Das kam völlig aus der Kalten, da war ich völlig unvorbereitet. Ich habe es dann irgendwie hingekriegt. Und das zweite schlimme war, dass ein Notarzt, mit dem ich unterwegs war, schlimm angegriffen wurde von einem alkoholisierten Patienten. Da musste ich dann Nothilfe leisten. Das hat dann, glaube ich, sogar in einer Anzeige des Notarztes geendet. Was dann aber auch wieder eingestellt wurde, weil alkoholisierter Patient – naja, das ist das große Problem heutzutage.

Diese Situationen waren die, die mir gesagt haben: Man müsste den Kollegen beibringen, wie man sich verhält.

Warum werden überhaupt Retter angegriffen?

Erklären kann ich es mir vielleicht einfach nur mit der großen Unzufriedenheit vieler Menschen; allgemein, mit allem. Und dann kommt jemand, wo sie es abladen können, als Blitzableiter praktisch. Das geht wahrscheinlich nicht einmal gegen uns als Mensch. Das ist einfach: "Da kommen welche, da können wir es mal ablassen, die sind hilflos. Und die können auch nicht einfach weglaufen." Wir müssen ja dann auch helfen.

Haben solche Angriffe Ihren Blick auf den Job Notfallsanitäter geändert?

Auf jeden Fall. Dieser ganze Umgang mit uns, dieses Respektlose. Anfangs war das für mich ein Traumjob. Gleich zu DDR-Zeiten angefangen und dann immer weiter die Ausbildung gemacht. Das war wirklich ein Traumjob. Inzwischen ist es das nicht mehr. Es werden immer mehr Einsätze und eben auch immer mehr Einsätze, wo man unangenehme Sachen erlebt.

Es ist nicht mehr der Traumjob.

Thomas Pötzsch, Notfallsanitäter DRK-Kreisverband Merseburg Querfurt

Was würden Sie sich wünschen, wie sollte sich die Situation verbessern?

Es müsste endlich mal – wie es ja immer wieder angekündigt ist – den Leuten, die uns angreifen, wirklich etwas passieren. Also die müssten richtig zur Verantwortung gezogen werden. Da wurden ja wohl schon Gesetze geändert. Aber im Endeffekt, in der praktischen Anwendung: gleich Null. Das wäre schon einmal wünschenswert, dass die Politik da etwas tut, um uns wenigstens rechtlich noch besser zu schützen.

Die Fragen stellte Maria Hendrischke.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 10. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2019, 18:00 Uhr

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9 Kommentare

11.01.2019 10:47 Sr.Raul 9

Da muss man drauf kommen, Respekt, @6 (Allez les bleu)! Ein Schwerverletzter benötigt dringend ärztliche Versorgung und "wir" "...zeigen Handflächen und ziehen"uns" mit Bezug aufs StGB selber zurück". Klar doch!

11.01.2019 08:47 Günter Kromme 8

Glasklar, diese Angriffe auf Rettungskräfte, Feuerwehr und Polizei haben dramatisch zugenommen seitdem Merkel das Multikulti als Staatsform für Deutschland wiederentdeckt hat, diesen Quelle der Bereicherung und des Wohlstands für alle. FREUDE!

10.01.2019 14:34 Wolpertinger 7

@10.01.2019 10:33 Theo Clüver
Während des Wartens kann (und muss) man auch gefahrlos die Polizei informieren (sonst § 323c StGB). Die darf und muss sogar eingreifen.