Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU) wartet am 20.03.2014 in Jerusalem auf den israelischen Staatspräsidenten.
Ministerpräsident Haseloff besuchte schon 2014 Israel. (Archiv) Bildrechte: dpa

Staatsbesuch Ministerpräsident Haseloff reist nach Israel

Ministerpräsident Reiner Haseloff reist zu einem sechstägigen Besuch nach Israel. Er will in Tel Aviv für das Bauhausjubiläum 2019 werben, in Jerusalem die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem besuchen und bereits bestehende Kontakte zu israelischen Politikern, Unternehmern und Kulturschaffenden vertiefen – und das alles in politisch angespannten Tagen im Nahen Osten.

von Stephan Schulz und Johannes Batzdorf, MDR SACHSEN-ANHALT

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU) wartet am 20.03.2014 in Jerusalem auf den israelischen Staatspräsidenten.
Ministerpräsident Haseloff besuchte schon 2014 Israel. (Archiv) Bildrechte: dpa

Ministerpräsident Reiner Haseloff war schon öfter in Israel. Der CDU-Politiker pflegt seit Jahren intensive Kontakte zu dortigen Politikern, Unternehmern und Kulturschaffenden. So ist er beispielsweise mit dem deutsch-israelischen Schriftsteller Chaim Noll, dessen Vater das Buch "Die Abenteuer des Werner Holt" geschrieben hat – einst Pflichtlektüre in den Schulen der DDR – befreundet. Er will ihn während seiner sechstätigen Israelreise in der der Wüstenstadt Be'er Scheva kurz besuchen.

Am Montag, wenn die USA ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen, fährt Haseloff zunächst jedoch in die Hafenstadt Haifa. Er will dem Rektor der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Prof. Jens Strackeljan, politisch zur Seite stehen, wenn dieser am Technion, der Technischen Universität Israels, eine wichtige Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Die beiden Universitäten wollen gemeinsam Roboterarme entwickeln, mit deren Hilfe minimalinvasive Tumoroperationen möglich werden sollen, und zwar an Patienten, die während der OP in einem Kernspintomographen liegen.

Auf israelischer Seite wird Prof. Alon Wolf, ein weltweit anerkannter Wissenschaftler, zum Entwicklerteam gehören. Auf deutscher Seite ist Prof. Georg Rose beteiligt, der auf dem Magdeburger Forschungscampus STIMULATE erfolgreich im Bereich der Medizintechnik forscht. Für ihn ist die bevorstehende Zusammenarbeit mit den Israelis etwas Besonderes: "Die Kooperation ist ein Beleg dafür, dass wir mit unseren Forschungsleistungen in Magdeburg international sichtbar geworden sind."

Interesse für die israelische Start-Up-Szene

Wissenschaftler, Marketingexperten, Kulturschaffende, IT-Unternehmer – sie alle begleiten Ministerpräsident Haseloff nach Israel. Die Gruppe besteht aus rund 20 Personen. Die IT-Unternehmer interessieren sich vor allem für die israelische Start-Up-Szene.

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU, l), steht am 20.03.2014 bei Beersheva in der Tzin Wüste neben dem deutsch-israelischen Schriftsteller Chaim Noll.
Von dem Besuch in Be’er Scheva erhofft sich Haseloff Impulse für die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt. (Archiv) Bildrechte: dpa

Die kreativsten Köpfe dieser Szene arbeiten fernab der Küstenmetropole Tel Aviv in einer Hightech-Fabrik in Be'er Scheva, mitten in der Wüste. Sie beschäftigen sich mit digitalen Sicherheitslösungen, die weltweit gefragt sind. Deshalb haben in Be'er Scheva auch Global Player wie Google, Pay Pal, Dell und sogar die Deutsche Telekom Entwicklerzentren eingerichtet.

"Ich glaube, dass wir von Israel viel lernen können", sagt Haseloff mit Blick auf die dortige Unternehmerkultur. "Das Land besitzt kaum eigene Rohstoffe und hat es trotzdem geschafft, eine hochmoderne Volkswirtschaft zu werden."

In den Worten des Ministerpräsidenten schwingt die Sehnsucht mit, dass junge Gründer aus Sachsen-Anhalt es den Israelis gleich tun und ländliche Regionen wie die Altmark beleben mögen – mit klugen Ideen und kreativen Projekten. Die Start-up-Szene in Israel könnte da nach Ansicht von Haseloff ein wichtiger Impulsgeber sein.

März 2014: Haseloff in Israel unterwegs

Delegation mit Schutzhelmen und -brillen
Besuch bei ICL: Die Firma produziert in Bitterfeld Flammschutzmittel. Die Grundstoffe dafür werden im Toten Meer abgebaut. ICL plant in Bitterfeld eine Millioneninvestition. Bildrechte: MDR/Sebastian Mantei
Länderfahnen auf einem Tisch
Die deutsche, die israelische und die sachsen-anhaltische Fahne auf einem Tisch - Zeugen künftiger Zusammenarbeit? Bildrechte: MDR/Sebastian Mantei
Menschen auf einer Aussichtsplattform mit Blick ins Land
Delegation aus Sachsen-Anhalt in Palästina, mit Blick auf die Mauer, die Israel von den palästinensischen Autonomiegebieten trennt. Bildrechte: MDR/Kerstin Palzer
MP Haseloff hat das Gästehaus der christlichen Schule Talitha Kumi mit Bischof Munib Younan eingeweiht.
Ministerpräsident Reiner Haseloff war am Sonnabend in den Palästinsergebieten unterwegs. Bei Bethlehem hat er das Gästehaus der christlichen Schule Talitha Kumi mit Bischof Munib Younan eingeweiht. Der Scheck von 500 Euro ist für deutschsprachige Schulbücher gedacht. Bildrechte: MDR/Sebastian Mantei
Ministerpräsident Haseloff im Gespräch mit Jakob Hirsch
Ministerpräsident Haseloff im Gespräch mit dem gebürtigen Halberstädter Jakob Hirsch, der im Vorstand der Aktion Sühnezeichen sitzt. Die Initiative will zwischen Israelis und Deutschen vermitteln. Bildrechte: MDR/Sebastian Mantei
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff besucht die Gedenkstätte Yad Vashem.
Am Freitag besuchte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Dort wird der Millionen Opfer gedacht, die in deutschen Konzentrationslagern ums Leben gekommen sind. Bildrechte: MDR/Kerstin Palzer
Delegation mit Schutzhelmen und -brillen
Besuch bei ICL: Die Firma produziert in Bitterfeld Flammschutzmittel. Die Grundstoffe dafür werden im Toten Meer abgebaut. ICL plant in Bitterfeld eine Millioneninvestition. Bildrechte: MDR/Sebastian Mantei
Ministerpräsident Haseloff und Asher Grinbaum
Ministerpräsident Reiner Haseloff zusammen mit Asher Grinbaum, dem Vizepräsident von ICL Bildrechte: MDR/Sebastian Mantei
Jeep-Corso
Mit diesen Autos fährt die Delegation aus Sachsen-Anhalt durch die palästinensischen Autonomiegebiete. Immer wieder gibt es Kontrollen. Bildrechte: MDR/Kerstin Palzer
Zwei Mädchen sitzen auf einer Mauer
In der Schule "Talitha Kumi" bei Bethlehem lernen christliche und muslimische Schüler friedlich zusammen. Ein Teil der Schüler macht hier das deutsche Abitur. Bildrechte: MDR/Kerstin Palzer
Interview mit Schülern
Interviews mit christlichen Jugendlichen in Palästina. Sie machen hier das deutsche Abitur. Für viele von ihnen ist Deutschland der Wunschstudienort. Bildrechte: MDR/Kerstin Palzer
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff mit Bischof Munib Younan sowie die Freiwillige Marie von Bülow
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff im Gespräch mit Bischof Munib Younan, Präsident des lutherischen Weltbundes und Bischof von Jordanien und dem Heiligen Land sowie die Freiwillige Marie von Bülow. Bildrechte: MDR/Sebastian Mantei
Gruppenbild
Sachsen-Anhalt-Gruppenbild bei Aktion Sühnzeichen: mit Frau Haseloff, Jakob Hirsch, Leonore Kriegel, Ministerpräsident Reiner Haseloff und Sebastian Striegel. Bildrechte: MDR/Sebastian Mantei
Leonore Kriegel aus Möckern
Die 19-jährige Leonore Kriegel aus Möckern ist für ein Jahr bei Aktion Sühnezeichen tätig. Sie betreut deutsche Holocaustüberlebende in Haifa. Bildrechte: MDR/Sebastian Mantei
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff besucht die Gedenkstätte Yad Vashem.
Die Gedenkstätte wurde 1953 gegründet und umfasst unter anderem das Museum zur Geschichte des Holocaust, verschiedene Denkmäler, z.B. für Kinder, und ein Kunstmuseum. Bildrechte: MDR/Kerstin Palzer
Mahnmal in der Holocaus-Gedenkstätte Yad Vashem
Im sogenannten Tal der Kommunen wird an alle jüdischen Gemeinden erinnert, die vor dem Holocaust existierten. Dabei sind auch viele Orte in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: MDR/Kerstin Palzer
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff trägt sich in das Gästebuch von Yad Vashem ein.
Ministerpräsident Haseloff trägt sich im Gästebuch von Yad Vashem ein - Mahnung zur Erinnerung. Bildrechte: MDR/Kerstin Palzer
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Wirtschaftliche Beziehung mit Potential

Wirtschaftlich gesehen haben Beziehungen zu Israel ohnehin noch reichlich Potential. Sachsen-Anhalt exportiert jährlich Kunststoffe, Zuckerrüben und Medikamente im Wert von etwas mehr als 45 Millionen Euro nach Israel, was im Vergleich zu anderen Ländern eher wenig ist. Im Gegenzug liefern israelische Unternehmen Textilien, Kautschuk und andere chemische Erzeugnisse nach Sachsen-Anhalt. Die Importe summierten sich im vergangenen Jahr auf rund 25 Millionen Euro.

Eine der wenigen Unternehmen mit israelischer Beteiligung in Sachsen-Anhalt ist die IC-IP Bitterfeld GmbH, die u.a. mit der Produktion von Salzsäure, Weichmachern und Flammschutzmitteln einen Jahresumsatz von rund 92 Millionen Euro erzielt. Das Headquarter des Unternehmens befindet sich in Tel Aviv. Ministerpräsident Haseloff will in Tel Aviv die Kontakte zu diesem und anderen Unternehmen auffrischen und Möglichkeiten für weitere Investitionen in Sachsen-Anhalt ausloten. Außerdem wird sich der CDU-Politiker um das Bauhauserbe kümmern.

Handelsbeziehung zwischen Sachsen-Anhalt und Israel
Bildrechte: MDR/Florian Leue

Weltkulturerbe Bauhaus in Tel Aviv

Bauhausarchitektur in Tel Aviv.
Weltkulturerbe: Bauhaus in Tel Aviv Bildrechte: imago/Danita Delimont

In Tel Aviv, direkt am Rothschild Boulevard, einer Prachtstraße mit edlen Boutiquen und gemütlichen Cafés, stehen Häuser mit großen runden Balkonen, die von jüdischen Architekten in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts gebaut wurden. Sie hatten bei Walter Gropius am Bauhaus in Weimar und Dessau studiert und waren nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nach Palästina ausgewandert. In Tel Aviv errichteten sie die sogenannte Weiße Stadt, 4.000 Gebäude im Bauhausstil, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.

Ministerpräsident Haseloff wird auf dem Hügel des Frühlings – so die deutsche Übersetzung von Tel Aviv – gemeinsam mit der Direktorin der Stiftung Bauhaus, Dr. Claudia Perren, an einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema "100 Jahre Bauhaus" teilnehmen.

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), steht am 21.03.2014 in Jerusalem innerhalb der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem im Tal der Gemeinden vor einer Wand mit Namen ehemaligen jüdischen Gemeinden in Deutschland.
Erinnerung an jüdische Gemeinden, die vor dem Holocaust existierten – darunter viele in Sachsen-Anhalt. (Archiv) Bildrechte: dpa

Außerdem werden Vertreter der Investitions- und Marketinggesellschaft mit einer Präsentationsveranstaltung, zu der israelische Tourismusexperten eingeladen sind, für Sachsen-Anhalt als Reiseland werben.

Darüber hinaus wird Ministerpräsident Haseloff die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem besuchen. So gesehen, reist er gleich in dreifacher Mission nach Israel: Er will Wirtschaftskontakte ausbauen, das Bauhauserbe bewahren und die Erinnerung an den Holocaust wachhalten.

Fakten zu Israel Laut dem Zentralen Statistikbüro hat Israel etwa 8,7 Millionen Einwohner. Mit 74,7 Prozent stellen jüdische Einwohner die deutliche Mehrheit. Der Anteil der arabischen Einwohner beträgt 20,8 Prozent; sie sind mehrheitlich Muslime. Etwa zwei Prozent der Israelis sind Christen.

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Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Mai 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2018, 09:57 Uhr

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14 Kommentare

15.05.2018 12:25 Nordharzer 14

Nachdem die Vorgängerregierungen eher den Nachbarn Syrien hofiert haben, weil man sich wirtschaftliche Vorteile erhofft hatte (z.B. beim Autobahnring um Damaskus), ist dieser Besuch längst überfällig. Und er besucht ein Land, dass unabhängig von innenpolitischen Problemen, tatsächlich die einzige Demokratie in der Region ist. Die Diskussionen über die historischen Ansprüche in der Region ähneln der Frage, was eher da war, das Huhn oder das Ei. Israel steht seit seiner Gründung nur feindlichen Staaten in seiner Nähe gegenüber, die ihm das Existenzrecht aberkennen. Gott sei Dank sind sich diese Staaten untereinander spinnefeind, so dass es zu keiner einheitlichen Front gegen Israel kommt. Sollte das so sein, hätte das das Potenzial zu einem neuen Weltkrieg. Die Hoffnung auf dauerhaften Frieden im Nahen Osten habe ich längst aufgegeben, dazu sind die verschiedenen Seiten weiter voneinander entfernt, als Syrien von einer eigenen Marsmission. Da wird auch der Besuch des MP nichts ändern.

14.05.2018 17:29 Gunnar 13

Sehr gut Herr Haseloff, da können sie mal schauen wie man was in die Wüste setzt, ist ja nicht so als hätte das unsere Landesregierung nicht drauf.
Eine Delegation von 20 Personen wer bezahlt den Ausflug eigendlich?

14.05.2018 12:37 Rico 12

Ich gehe mal davon aus, das er auch das Bombenabwerfen der Israelis auf Syrien mit thematisiert!