Schüler diskutieren über "Fridays for Future" "Jeder kehre vor seiner eigenen Tür – und die Welt ist sauber"

Sie sind die besten Nachwuchs-Redner Sachsen-Anhalts – die 16 Finalisten des Wettbewerbs "Jugend debattiert". Die Schülerinnen und Schüler waren am Freitag im Landesfunkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT in Magdeburg zu Gast. Sie diskutierten in einer Podiumsdiskussion über "Fridays for Future". Das machten die Jugendlichen nicht alleine, sondern mit Stefan Thurmann, dem Pressesprecher des Bildungsministeriums, mit Dietrich Lürs, dem Schulleiter des Domgymnasiums in Magdeburg und mit Johan Schneidewind von "Fridays for Future".

Eine Schülerin sitzt in einem Fernsehstudio. Im Hintergrund sitzen zwei Herren und diskutieren.
Mehr als 30 Minuten diskutierten Schüler und Gäste zusammen über die Klimademonstrationen. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit vier Teilnehmern von "Jugend debattiert". Sie wählten Fragen und Fotos aus und diskutierten mit Redakteur Fabian Frenzel über die Entstehung von Online-Beiträgen bei MDR SACHSEN-ANHALT

Anna aus Magdeburg: Herr Schneidewind, wie sind Sie dazu gekommen, sich für die Fridays-for-Future-Bewegung einzusetzen? Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das so groß zu machen und wie haben Sie ihr Netzwerk aufgebaut?

Johan Schneidewind, "Fridays for Future": Man darf nicht vergessen, dass ich das nicht alleine mache. Ich habe es schon in anderen Interviews gesagt, ich saß Weihnachten da und habe zu meinen Eltern gesagt: 'Dieses Jahr möchte ich einfach was erreichen.' Ich möchte unsere Demokratie, unsere Rechte einfach ausnutzen und möchte vielleicht auch in eine Partei gehen und etwas tun.

Greta Thunberg hat sich vors Parlament gesetzt und die Bewegung ist gestartet. Sie war sozusagen sinnbildlich das Feuerzeug an der Zündschnur. Und jetzt brennt die Zündschnur und ich bin Teil der Zündschnur geworden, das kann ich ganz ehrlich so sagen.

Drei Männer sitzen in einem Fernsehstudio.
Johan Schneidewind, Dietrich Lürs und Stefan Thurman (v.l.n.r.) während der Diskussion Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Und das, was da draußen auf der Straße ist, das ist viel mehr, als man vielleicht in der Pause in der Diskussion mit Schülern hat. Es ist eine Gemeinschaft. Es macht Spaß.

Zu deiner Frage, wie ich dazu gekommen bin: Es hieß, irgendwer organisiert eine Demo. Das waren vier Studenten von unserer Universität. Ich war einfach mal eine halbe Stunde zu früh da, bin mit denen ins Gespräch gekommen, habe meine Interessen vorgetragen. Mir macht das Spaß und wir haben total offene Strukturen. Jeder kann bei uns teilnehmen.

Marius aus Halle: Herr Lürs, an ihrer Schule werden die Teilnahmen an den Friday-for-Future-Demos als Fehlstunden deklariert. Können sie sagen, wie viele Schüler bei Ihnen gerade Fehlstunden sammeln?

Dietrich Lürs, Schulleiter Domgymnasium Magdeburg: Das ist noch überschaubar. Aber ich mache auch nicht den Kontroll-Onkel und zähle akribisch. Das wird am Ende, wenn wir die Buchführung richtig machen, zusammengeführt.

Sind wir mal ganz ehrlich: Wenn das einzelne Stunden sind, ist das auch nicht das Problem. Ein Problem wäre es, wenn jeden Freitag in Größenordnungen gefehlt wird. Die verantwortlichen Lehrer sollen die Stunden festhalten, wie sie das sonst auch machen. Ich habe da noch keine Gesamtübersicht und sehe das recht gelassen.

Stefan Thurmann, Pressesprecher Bildungsministerium: Wir haben natürlich nach den Demonstrationen nachgefragt, in welchen Größenordnungen sind denn Schüler unterwegs gewesen. Und die Dimension ist in der Tat überschaubar. Das hat natürlich damit zu tun, dass die Organisatoren in Magdeburg und Halle die Zeiten durchaus sehr intelligent gewählt haben — gerade nach den ersten Diskussionen darum. Bei der ersten Demonstration hatten wir eine mittlere, zweistellige Zahl von Schülern, die den Behörden gemeldet war. Wir reden hier nicht über tausende Fehlstunden.

Schüler sitzen auf einer Tribüne in einem Fenrsehstudio.
Die Schüler ließen sich nicht abwimmeln und stellten zahlreiche Nachfragen. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Phillipp aus Staßfurt: Herr Thurmann, Bildungsminister Tullner unterstützt Ihren Angaben zufolge die Aktion Fridays-for-Future durchaus. Welche Vorstellungen hat Herr Tullner zum Klimaschutz? Hat er Lösungsvorschläge, die vielleicht auch die Komplikation mit den Fehlstunden mit einbezieht?

Thurmann: Wir sind natürlich das Bildungsministerium und nicht das Ministerium für Wirtschaft und Umwelt. Wenn wir uns zu Umweltfragen äußern würden, wäre die Umweltministerin, glaube ich, nicht so erfreut.

Aber nichtsdestotrotz spielt Ökologie im schulischen Kontext immer auch eine Rolle. Herr Tullner fand die Demonstrationen zu Schulzeiten nicht besonders positiv. Er findet aber das Engagement von Kindern und Jugendlichen in allen möglichen Bereichen in jedem Falle unterstützenswert. Wir sind dankbar darüber, dass sich die Entwicklung jetzt dahin dreht, dass wir vor allem über Projekte und Inhalte sprechen und nicht mehr über Schulpflichtverletzungen, weil die immer weniger auftreten. Die Organisatoren, wie zum Beispiel in Magdeburg, sind da kompromissbereit.

Wir schauen uns an, was in den Lehrplänen passiert. Was können wir vor Ort an den Schulen machen? Wie können wir da Projekte unterstützen? Wie können wir mehr Jugendliche für die Projekte begeistern?

Am Ende des Tages sind wir in Sachsen-Anhalt. Wir haben eine Verantwortung für das Land und müssen schauen, was wir in unserem begrenzten Rahmen tun können. Das wollen wir auch gemeinsam mit den Jugendlichen — natürlich nach der Schulzeit.

Lukas aus Aschersleben: Herr Schneidewind, wie engagieren Sie sich eigentlich außerhalb der Demos für den Klimaschutz?

Schneidewind: Das ist eine Frage, man erwartet es vielleicht anders, die ich ziemlich selten gestellt bekomme. Ich habe immer diesen Leitspruch: 'Jeder kehre vor seiner eigenen Tür – und die Welt ist sauber.' So mache ich es auch. Ich fahre seit, ich will jetzt nicht lügen, seit eineinhalb, zwei Jahren kein Bus, keine Bahn und eigentlich auch kein Auto mehr. Ich fahre nur noch mit dem Rad in der Stadt. Bei Regen, bei Wind, bei Schnee, das ganze Jahr über. Magdeburg ist eigentlich so, dass man mit dem Rad alles erreichen kann – bis auf ein paar Radwege, die nicht so toll in Schuss sind.

Aber um mal von dem 'nur Rad fahren' wegzukommen: Das beginnt damit, dass ich in unserem Haushalt gucke: Wie funktionieren da bestimmte Sachen? Das fängt mit den Fenstern an, das geht mit der Mülltrennung weiter.

Drei Schülerinnen und ein Schüler stehen in einem Fernsehstudio.
Laura Werle, Marlene Giese, Anna Baldauf und Moritz Fichtner (v.l.n.r.) Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Artikel – Made by "Jugend debattiert" An diesem Artikel haben in der Entstehung auch vier Teilnehmer von "Jugend debattiert" mitgewirkt. Sie haben die Pressekonferenz schriftlich zusammengefasst, Fotos herausgesucht und den Redakteuren bei der Arbeit über die Schulter geschaut.

Auch einen Fernsehbeitrag haben einige Schüler produziert. Das ist dabei herausgekommen:

Und das ist der Beitrag, der in der Sendung SACHSEN-ANHALT HEUTE lief:

Quelle: MDR/ff

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. April 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. April 2019, 11:22 Uhr

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8 Kommentare

08.04.2019 06:31 Carolus Nappus 8

Ja, Jackblack, die haben wohl nicht vor der eigenen Haustür gefeiert. Und ich bin auch ganz dolle felsenfest davon überzeugt, dass sich kein einiziger jemals hat mit dem Elterntaxi, gar im Disel-SUV zur Schule hat fahren und auch wieder abholen lassen. Die sind alle gelaufen, Fahrad gefahren oder haben den ÖPNV genutzt. Und die werden das auch so bei ihren Kindern machen.

07.04.2019 15:55 wwdd 7

Wenn der neu eingezogene Mieter über mir seinen Müll vom Balkon aus entsorgt, ist es auch vor meiner Haustür wieder dreckig. Es ist eben oft eine Frage der Einstellung, der Erziehung oder des kulturellen Backgrounds.

06.04.2019 18:02 Ureinwohner 6

Eine Dessauer Schülergruppe hat jetzt statt zu demonstrieren, Müll in der Innenstadt aufgesammelt. Die Schüler wollen damit ein zeichen setzen.
06.04.2019 11:47 jackblack 1
JEDER kehre vor der eigenen Tür- und warum musste heute morgen die Stadtwirtschaft die Reste der Abifeier im Stadtpark beseitigen- wie immer -ALLES hohle Phrasen. Ich gebe Ihnen Recht .
Wer erkennt den Unterschied ? Schaulaufen für die Presse ?

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