Erste Herbergen schließen Land will Corona-Hilfen für Jugendherbergen prüfen

Jugendherbergen haben geringe finanzielle Spielräume. Die lange Durststrecke durch die Corona-Pandemie können viele nicht stemmen. Erste Herbergen im Land müssen deshalb schließen. Nun will Sachsen-Anhalt Hilfen prüfen.

Ein Wegweiser zur Jugendherberge.
Finanzielle Not bei Jugendherbergen: Es ist Sommer, doch viele Jugendherbergen haben im Vergleich zu gewöhnlichen Jahren sehr wenig Gäste. Bildrechte: dpa

Das Land Sachsen-Anhalt will eine mögliche finanzielle Unterstützung für Jugendherbergen prüfen. Das teilte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Dienstag mit. Bis Ende Juli soll es dazu mehr Details geben. Dann, am 28. Juli, will das Land auch die geltenden Corona-Regeln einer Zwischenprüfung unterziehen.

Zur Frage, ob es Hilfen geben werde oder nicht, erfolge generell eine Abstimmung mit dem Finanzamt und den Staatskanzleien der anderen Länder. Wie Haseloff weiter sagte, geht es darum, dass möglichst alle Jugendherbergen erhalten bleiben sollen. Möglicherweise seien bei einigen aber noch Investitionen nötig, um die Attraktivität zu erhöhen. Die Jugendherbergen, sagte Haseloff, gehörten zu einer von drei Baustellen, für die es noch keine vernünftigen Lösungen gebe. Zu den offenen Fragen gehörten auch Sportveranstaltungen mit größeren Zuschauerzahlen. Außerdem sei die Frage offen, wie die Landesregierung mit Corona-bedingten Entschädigungsforderungen umgehe.

#MDRklärt Deshalb droht Jugendherbergen das Aus

Keine Gäste, keine Rücklagen: Die Jugendherbergen im ganzen Land kämpfen mit den Folgen der Corona-Krise. Ein Grund ist ihre Organisation. Die bringt ihnen eigentlich Vorteile – ist nun aber ein großer Nachteil.

Deshalb droht Jugendherbergen das Aus
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Die meisten Jugendherbergen sind als Vereine organisiert. So haben sie juristische Vorteile und bekommen Fördermittel. Doch das ist ein zweischneidiges Schwert.
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Denn als Verein dürfen sie keine großen Rücklagen bilden.
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Durch Corona fehlen den Jugendherbergen aber alleine in Sachsen-Anhalt bis zu 8 Millionen Euro. Ohne Rücklagen können sie das nicht abfedern.
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Bisher haben ausgelastete Jugendherbergen weniger  ausgelastete Herbergen auf dem Land quersubventioniert. Das schaffen sie jetzt nicht mehr.
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Deshalb wollen Jugendherbergen Unterstützung von Bund und Ländern.
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08. Juli 2020 | 05:00 Uhr

Quelle: MDR/mx
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Prognose: Übernachtungszahl 2020 bricht um zwei Drittel ein

Jede wegbleibende Klasse und Gruppe kommt in der Summe einer Hiobsbotschaft für die Herbergen im Land gleich. Auch für Beatrice Ritter von der Jugendherberge in Magdeburg ist das so. Ritter sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir sind in einer sehr prekären Situation. Normalerweise machen wir im Jahr 36.000 Übernachtungen, haben bisher 22.100 Stornierungen. Das finanzielle Volumen, was uns entgeht, ist dramatisch."

Wir sind in einer sehr prekären Situation. Normalerweise machen wir im Jahr 36.000 Übernachtungen, haben bisher 22.100 Stornierungen. Das finanzielle Volumen, was uns entgeht, ist dramatisch.

Beatrice Ritter von der Jugendherberge in Magdeburg

Der Chef des Jugendherbergsverbandes, Burkhard Fieber, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, im vergangenen Jahr habe es in Sachsen-Anhalt etwa 318.000 Übernachtungen gegeben. Für dieses Jahr geht der Verband von 105.000 Übernachtungen aus. In Umsatzzahlen bedeutet das für den schlimmsten Fall nur vier Millionen Euro Umsatz für 2020, im Jahr 2019 waren es noch zwölf Millionen Euro. Fieber: "Deshalb müssen wir auch leider über Schließungen nachdenken." Der Grund: Quersubventionierungen von ländlichen Jugendherbergen mit geringerer Auslastung seien zurzeit nicht mehr möglich.

Herbergen in Falkenstein, Radis und Quedlinburg müssen schließen

Geschlossen werden müssen demnach die Einrichtungen in Radis, Falkenstein und Quedlinburg. Fieber zeigte sich besonders betroffen von der Schließung in Quedlinburg. Die Einrichtung hätte modernisiert werden sollen. Gemeinnützige Vereine, was Jugendherbergen in der Regel sind, dürfen für Fälle wie diesen Rücklagen bilden. Fieber sagte, das dafür angesparte Geld brauche der Verband nun aber zum eigenen Überleben.

Bei anderen Einrichtungen gebe es Probleme wegen der notwendigen Abstands- und Hygieneregeln zur Eindämmung von Sars-CoV-2. So hätten sechs Einrichtungen noch sanitäre Gemeinschaftsräume. Fieber: "Es ist sehr fraglich, ob das in Corona-Zeiten noch zukunftsfähig ist." Ortsnamen nannte Fieber nicht. Er schloss nicht aus, dass es zu weiteren Schließungen im Land kommen kann.

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Auch in anderen Bundesländern haben die Jugendherbergen Probleme und suchen Hilfe bei den Ländern, darunter in Thüringen; in Sachsen wurde im Juni ein Soforthilfe-Programm gestartet, das auch Jugendherbergen berücksichtigt.

Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08. Juli 2020 | 05:00 Uhr

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