Junge Alternative unter Druck Landes-AfD hält bislang zu ihrem Nachwuchs

Die AfD im Bund erwägt, ihrer Jugendorganisation den Status abzuerkennen – das wäre ein gravierender Schritt. In drei Bundesländern wird die JA vom Verfassungsschutz beobachtet. In Sachsen-Anhalt hält der Vorstand bisher an seinem Nachwuchs fest. Doch Irritationen gibt es um deren Landes-Chef Jan Wenzel Schmidt. Ihm wird neuerdings die Teilnahme an Sitzungen im AfD-Landesvorstand versagt. Die Gründe bleiben unklar. Wie radikal ist die Junge Alternative in Sachsen-Anhalt?

Blick auf eine Parteitagssitzung
Die Alternative für Deutschland erwägt auf Bundesebene, die eigene Jugendorganisation auszuschließen. Die gerät damit bundesweit unter Druck. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei der AfD könnte es passieren, dass die Jugendorganisation Junge Alternative – kurz JA – ausgeschlossen wird. Denn Teile der Parteiführung finden offenbar die eigene Jugendorganisation zu radikal. Oder geht es darum, nicht insgesamt zu einem Fall für den Verfassungsschutz zu werden? Die Sorge könnte groß sein. Denn: In Teilen Deutschlands wird die JA tatsächlich vom Verfassungsschutz beobachtet, nämlich in Baden-Württemberg, Bremen und Niedersachsen. In Sachsen-Anhalt ist das nicht der Fall.

Jan Wenzel Schmidt ist Chef der Jungen Alternative im Land. Er sagt, er ordne sich keinem Flügel zu, positoniere sich nicht. Schmidt: "Ich bin ganz klar der Meinung: So wie das Programm unserer Landespartei ist, ist es auch richtig und daran orientiere ich mich."

Doch Jan Wenzel-Schmidt war es auch, der 2016 bei einer Kundgebung der Identitären Bewegung in Wernigerode dabei war, auch am Mikrofon. Das Problem dabei: Die Identitäre Bewegung gilt als rechtsextrem und ist mittlerweile ein Fall für den Verfassungsschutzbericht. In Sachsen-Anhalt soll die Gruppe 50 Mitglieder haben.

Verfassungsschutz über Identitäre Bewegung "Anders als z.B. die NPD oder die Neonaziszene orientiert sie sich nicht am historischen Nationalsozialismus. Sie steht vielmehr für einen 'modernen' Rechtsextremismus, der mit den Themen Anti-Islam, Anti-Asyl und Anti-Establishment versucht, in breite gesellschaftliche Kreise zu wirken." Verfassungsschutzbericht Sachsen-Anhalt 2017

Die Bundes-AfD hat ein Kontaktverbot zur Identitären Bewegung beschlossen, was vielen bei der Jungen Alternative nicht sonderlich gefällt. Jan Wenzel Schmidt sagt von sich, so ein Auftritt bei der Identitären Bewegung, wie es ihn 2016 noch gegeben hat, finde jetzt nicht mehr statt.

Der Vorsitzende der Jungen Alternative in Sachsen-Anhalt, Jan Wenzel Schmidt
Jan Wenzel Schmidt, Chef der Jungen Alternativen in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schmidt: "Ich muss mich daran halten, es ist ein Beschluss. Der wurde von der Mehrheit unserer Mitglieder getroffen." Das werde konsequent im Landesverband umgesetzt.

Doch hält die AfD-Jugend wirklich Abstand zu Verfassungsfeinden? Die Parteiführung in Berlin hat offenbar Zweifel daran – weswegen die Frage, dem eigenen Nachwuchs den Status als offizielle Jugendorganisation abzuerkennen, in den Raum gestellt wurde. Zum Hintergrund: Die JA ist für die AfD das, was die Jusos für die Sozialdemokraten und die Junge Union für die CDU sind. So ein Schritt wäre also gravierend.

Sollte der AfD-Bundesvorstand soweit gehen, hätte das auch Folgen für den JA-Vorsitzenden in Sachsen-Anhalt, Jan Wenzel Schmidt, und seine 150 JA-Mitglieder im Land. Der AfD-Landeschef, Martin Reichardt, gibt dem Nachwuchs Rückendeckung. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Gerade die JA in Sachsen-Anhalt halte ich in dieser Hinsicht für vorbildlich."

Teile des Landesvorstandes gegen Jan Wenzel Schmidt

Doch seltsam ist, dass die Mehrheit des AfD-Landesvorstands gerade erst Anfang der Woche entschieden hat, dass Jugend-Chef Jan Wenzel Schmidt nicht mehr an ihren Sitzungen teilnehmen darf. Hat das mit Angst vor einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz zu tun? Martin Reichardt dazu: "Ich sehe die Verbindung zum Verfassungsschutz hier nicht, weil die JA in Sachsen-Anhalt durch Herrn Schmidt vorbildlich geführt wird." Reichardt sagt, er habe sich in dieser Hinsicht klar positioniert. "Wenn andere der Meinung sind, dass dieses Vorgehen richtig ist, dann kann man auch mich überstimmen."

Vorstandsmitglied Steffen Schroeder teilt zum Rauswurf des Jugend-Chefs nur soviel mit: "Dieser Beschluss des Landesvorstands richtet sich nicht gegen die Junge Alternative Sachsen-Anhalt, sondern nur gegen Herrn Schmidt." Damit bleibt offen was die Mehrheit im Vorstand an Nachwuchs-Chef Jan Wenzel Schmidt genau auszusetzen hat.

Von Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hieß es in dieser Woche zur Frage, ob es Auffälligkeiten der JA in Sachsen-Anhalt gab: "Also solche, sag ich mal, gravierenden Erkenntnisse haben wir derzeit nicht."

Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 01. Dezember 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2018, 14:59 Uhr

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45 Kommentare

04.12.2018 16:36 Generation 55+ 45

AfD und JA sind
1: GUT FÜR REICHE – SCHLECHT FÜR ALLE, DIE WENIGER HABEN!
2: ISLAMHASSER, DIE SELBST KEINE KRITIK VERSTEHEN
3: KLIMAPOLITIK Á LA TRUMP
4: DAS SPIEL MIT DER ANGST
5: RASSISTISCHE ASYLPOLITIK
6: ALTBACKENES FAMILIENBILD
7: ABGRENZUNG STATT EUROPA
8: MEIN RECHTER, RECHTER PLATZ
9: MONEY MAKES THE HATE GO ROUND
10: PROTEST – ABER RICHTIG

FAZIT: WER AUS PROTEST KEINE DER GROSSEN PARTEIEN WÄHLEN MÖCHTE, HAT EINE GROSSE AUSWAHL. RECHTSPOPULISTINNEN SIND DABEI KEINE GUTE ALTERNATIVE

04.12.2018 14:41 Kritischer Bürger 44

Nachgereicht sei: ....Zugewanderte, an alten Traditionen sich haltende und sich orientierende Menschen =ERWEITERN=, egal welcher ethnischen Herkunft,....
dem besseren Verständnis geschuldet. Wenn man etwas löscht muss man auch berichtigen. Das habe ich hiermit getan!

04.12.2018 14:38 Kritischer Bürger 43

@ralf meier 42: Ihre Worte: +... der in Deutschland lebenden türkischstämmigen Bürger meint, die Islam- Gebote ständen über dem Gesetz. Finden sie eine derartige Einstellung durch die Religionsfreiheit gedeckt? ...+
möchte ich auch auf die Humanität, wie das Menscherecht der deutschen Bevölkerung (geschützt durch das GG) durch Zugewanderte, an alten Traditionen sich haltende und sich orientierende Menschen, egal welcher ethnischen Herkunft, so langsam untergraben wird. Die immer wieder aufgeführte Argumentation: ES SIND JA NUR ein ganz kleiner Prozentsatz von Zugewanderten, Asylsuchenden, Migranten etc. gemessen an der Gesamtbevölkerung hier in D sollte nicht ausblenden das auch kleine Gruppen mit entsprechender Überzeugung sehr viel Schaden anrichten können. Allein die Schutzmaßnahmen für Feste hier in D ist sicherlich NICHT übertrieben und lässt ahnen was den Bürgern hier noch bevor stehen wird!