Zwei Polizisten stehen in einer Einkaufsstraße.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik liefert Aussagen über die Arbeit der Polizei. Allumfassende Aussagen über die Kriminalität in Deutschland lassen sich mit ihr aber nicht treffen. Bildrechte: MDR/Manuel Mohr/Photo by Markus Spiske on Unsplash

Fünf Fragen und Antworten Was die Kriminalstatistik aussagt – und was nicht

Am Dienstag wurde die neue Kriminalstatistik für Deutschland veröffentlicht. Aber was sagt sie überhaupt aus? Und woran erkenne ich, welchen Zahlen ich trauen kann? MDR SACHSEN-ANHALT-Datenjournalist Manuel Mohr beantwortet deshalb die wichtigsten Fragen rund um Statistiken.

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

von Manuel Mohr, MDR SACHSEN-ANHALT

Zwei Polizisten stehen in einer Einkaufsstraße.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik liefert Aussagen über die Arbeit der Polizei. Allumfassende Aussagen über die Kriminalität in Deutschland lassen sich mit ihr aber nicht treffen. Bildrechte: MDR/Manuel Mohr/Photo by Markus Spiske on Unsplash

1.) Was sagt die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) aus?

Die PKS listet die Straftaten auf, die der Polizei bekannt geworden sind und nach Bearbeitung an die Staatsanwaltschaft übergeben wurden. In der Kriminologie wird dieser Ausschnitt aller Verbrechen als Hellfeld bezeichnet. Neben der Art und Anzahl der erfassten Straftaten werden auch Angaben zu Tatverdächtigen, Tatort, Opfern und Aufklärungsergebnissen veröffentlicht.

Jedoch werden nicht alle Straften in der PKS erfasst. Es fehlen beispielsweise politisch motivierte Delikte – dazu zählen auch Terrorangriffe. Diese werden gesondert erfasst. Zudem sind in der Statistik auch die meisten Verkehrsstraftaten sowie Finanz- und Steuerdelikte nicht aufgeführt.

Die PKS ist damit kein exaktes, vollständiges Abbild der tatsächlichen Kriminalität, sondern vielmehr eine mehr oder weniger genaue Annäherung an die Realität.

2.) Was sagt die Polizeiliche Kriminalstatistik nicht aus?

Keine Aussage kann die PKS über das sogenannte Dunkelfeld von Straftaten treffen – also Straftaten, die nicht von der Polizei entdeckt oder bei ihr angezeigt werden. Einer Dunkelfeldstudie des LKA Niedersachsen zufolge wird in einigen Deliktsbereichen – beispielsweise bei Sexualdelikten oder Betrug – die Mehrzahl der Straftaten nicht bei der Polizei angezeigt. In diesen Bereichen zeigt die PKS also nur einen kleinen Ausschnitt der Realität.

Darüber hinaus müssen steigende Fallzahlen in der Hellfeld-Statistik nicht bedeuten, dass Deutschland unsicherer wird. Es kann auch sein, dass die Polizei verstärkt ermittelt oder Bürger bestimmte Straftaten öfter anzeigen als früher.

3.) Woran erkenne ich, ob eine Statistik seriös und aussagekräftig ist?

Eine seriöse Statistik erkennt man vor allem an ihrer Transparenz. Auf einen Blick sollte erkennbar sein, wer die Daten erhoben hat und ob der Anbieter kommerzielle oder politische Interessen verfolgt, die an der Neutralität der Statistik zweifeln lassen.

Wie aussagekräftig eine Statistik ist, lässt sich am ehesten dann sagen, wenn ihre Methodik für jedermann zugänglich und überprüfbar ist: Idealerweise ist bei jeder Statistik komplett nachvollziehbar, unter welchen Voraussetzungen, in welchem Zeitraum und nach welchen Kriterien die Daten erhoben wurden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Vergleichbarkeit von Statistiken. Oftmals verändert sich im Laufe der Jahre die Erhebungsmethode. Bei der Polizeilichen Kriminalstatistik kann es beispielsweise vorkommen, dass sich die Definition für ein Delikt ändert. Dann sind die Daten nur bis zum Zeitpunkt der Änderung vergleichbar.

4.) Aus Statistiken liest jeder das heraus, was er herauslesen will. Wie interpretiert man aber richtig?

Urheber einer Statistik können mit größtmöglicher Transparenz eine unbeabsichtigte Fehlinterpretation zumindest minimieren. Wenn auf einen Blick für die Allgemeinheit nachvollziehbar ist, unter welchen Umständen die Daten erhoben wurden und welche Aussagen damit zulässig sind – und welche nicht – hat man seine Pflicht erfüllt.

Vorsätzliche Fehlinterpretation ist ein anderes Thema. Wenn also Daten aus Statistik A und Daten aus Statistik B miteinander verglichen werden, obwohl diese unter völlig verschiedenen Umständen erhoben wurden, dann ist das der klassische Vergleich von Äpfeln und Birnen: ein Vergleich, der unzulässig ist. Werde ich als Statistik-Urheber darauf aufmerksam, tue ich gut daran, diesen Missstand anzuprangern.

5.) Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Stimmt das?

Auch hier ist alles eine Frage der Transparenz. Kommt mir die Quelle der Daten komisch vor, fehlen Angaben zur Erhebungsmethodik oder zur Aktualität der Zahlen, dann sollte man misstrauisch werden. Je mehr ich mir aber sicher bin, dass die Statistik unter seriösen Umständen entstanden ist, umso weniger muss ich den Daten misstrauen.

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

Über den Autor Manuel Mohr arbeitet seit 2017 als Datenjournalist in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Sein Aufgabenschwerpunkt liegt in der Recherche und Analyse von Daten, aus denen Geschichten für Online, Radio und Fernsehen entstehen.

Als gebürtiger Magdeburger liegen seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt natürlich vorwiegend in seiner Heimatstadt – Sudenburg, die Hubbrücke und die Nordtribüne des Heinz-Krügel-Stadions sind da nur einige Beispiele. Gegen eine Wanderung im Harz hat er aber auch nichts einzuwenden.

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Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. April 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2019, 17:11 Uhr

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6 Kommentare

04.04.2019 18:09 Mediator an Medikator (3) 6

Wie kommen sie darauf, dass eine Partei veralten könnte? Parteien passen sich in der Regel dynamisch den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft an. Lediglich die AfD tut doch so, als könne sie mit den Rezepten die vielleicht vor 30 Jahren noch passend waren die Zukunft gestalten. Von daher ist eigentlich die neueste Partei im Spektrum völlig veraltet und tut so als ob die Antworten von Früher für Morgen immer noch passen. Ansonsten haben Sparmaßnahmen im Haushalt ja durchaus immer einen Grund. Nehmen wir einfach solide Haushaltsführung, 20% Arbeitslosigkeit im Osten im Jahr 2005 oder die Billionen die es gekostet hat die DDR Ruinen zu beseitigen und eine moderne Infrastruktur aufzubauen.
Bayern und Baden-Würtemberg steigern schon lange wieder die Ausgaben für die Polizei. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum es dort nicht so viele Kriminelle / Straftaten gibt wie im Osten!

04.04.2019 17:16 WT auf E100 5

Lieber Mediator, auch wenn wir meistens nicht derselben Meinung sind, glauben Sie mir, ich weiss was ich in meinem Kommentar geschrieben habe. Ich bin nur der Überbringer der Information. Es ist leider die Tatsache, dass die Statistik bei der Polizei so geführt wird. Leider! Anhand dieser Statistik wurde in Sachsen-Anhalt jahrelang die Polizei eingeschrumpft. Eine Frage zum Schluss: Wenn wirklich alles so schön ist, wie die Innenministerien es uns verkaufen, warum braucht die Polizei soviel Nachwuchs?

04.04.2019 09:24 REXt 4

Wer hat schon mal von politisch Verantwortlichen, eine selbstkritische Darstellung erlebt, nein, es sind immer positive Nachrichten, Statistiken, um der Bevölkerung darzulegen, was man doch alles macht.
Da werden mit Tricksereien, Zahlenspielen, die gewünschten Botschaften erzeugt. Glaubhafter macht man sich damit nicht!