Premiere für #keineausreden Cornelia Lüddemann – "Morgenmuffel", der nicht "labern" will

Das fehlende Vertrauen in Politik, die Grünen und ihre Zusammenarbeit mit CDU und SPD, die Bildungspolitik – das und noch einiges mehr stand am Mittwochabend im Gespräch mit Cornelia Lüddemann auf der Agenda. Sie war erster Gast bei #keineausreden, dem neuen Interviewformat von MDR SACHSEN-ANHALT. Ein Überblick.

von Luca Deutschländer, MDR SACHSEN-ANHALT

Das war unser Gast

Cornelia Lüddemann, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag von Sachsen-Anhalt. 50 Jahre alt. Aus Dessau-Roßlau. Seit 1992 Mitglied der Grünen.

Und: Bekennender Morgenmuffel, wie die Politikerin in #keineausreden bekannte. Ihre Mitarbeiter wüssten ganz genau, dass sie morgens erst einmal eine Weile benötige, um in die Gänge zu kommen. Ein Interview am frühen Morgen? Nicht ganz einfach, sagte Lüddemann. Da müsse sie sich dann doch erst einmal eine Weile vorbereiten.

Im Steckbrief Das ist Cornelia Lüddemann

Steckbrief von Cornelia Lüddemann
Bildrechte: MDR/Max Schörm, Florian Leue
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Steckbrief von Cornelia Lüddemann
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Darum ging es bei #keineausreden

Um ganz verschiedene Themen. Um Migration und Flüchtlinge. Um Lehrermangel. Und um Braunkohle. Die Themenpalette war nicht zuletzt wegen der Fragen unserer Online-Nutzer breit gefächert.

Eines der Themen: der Vertrauensverlust vieler Menschen in Politik. Dass das Team von #keineausreden darüber mit Cornelia Lüddemann diskutiert, war am Mittwoch von den Lesern des MDR SACHSEN-ANHALT-Morgentickers entschieden worden – und zwar in einem Voting.

Balkendiagramm mit der Auswertung des Votings für #keineausreden
Im Morgenticker hatten die meisten Nutzer dafür gestimmt, mit Lüddemann über den Vertrauensverlust in Politik zu diskutieren. Bildrechte: MDR/Lars Weise

Gesagt, getan. Lüddemann: "Ich versuche, sehr transparent zu sein." So veröffentliche sie auf ihrer Facebookseite zum Beispiel einen exemplarischen Tagesablauf, lege ihre Meinung offen, mache ihren Alltag als Politikerin öffentlich. Man sehe auf ihrer Facebookseite ganz deutlich, wie viele Stunden sie im Dienste der Wähler unterwegs sei. Sie halte das Einkommen von Politikern vor dem Hintergrund der Arbeitsbelastung für gerechtfertigt, sagte Lüddemann auf die Frage von Hans-Jürgen Anders.

Cornelia Lüddemann
Cornelia Lüddemann im Interview Bildrechte: MDR

Der Nutzer hatte wissen wollen, ob das Einkommen nach der "bisherigen geleisteten Tätigkeit" gerechtfertigt sei. Beim Vertrauensverlust nicht ganz unwichtig – das Stichwort Hans-Georg Maaßen und das Verhalten der Bundesregierung: "Völlig unverständlich", findet Lüddemann.

Und zum Thema Migration und dem Vorwurf einer Nutzerin, Flüchtlinge würden für begangene Straftaten milder bestraft als Einheimische, sagte die Grünen-Fraktionschefin: Das sei inhaltlich schlicht falsch.

Das Zitat des Interviews

Ich glaube nicht, dass Deutschland mit der Integration überfordert ist.

Cornelia Lüddemann

Das ist Cornelia Lüddemann wichtig

Cornelia Lüddemann sitzt auf einer Couch aus Paletten im Newsroom des Landesfunkhauses in Magdeburg. Neben ihr sitzen eine Moderatorin und ein Moderator.
Zu Besuch in der ersten Folge von #keineausreden war am Mittwoch Cornelia Lüddemann (rechts). Ihre Gastgeber: Isabell Hartung und Jochen Müller aus dem MDR SACHSEN-ANHALT-Team. Bildrechte: MDR

Diskutieren mit Menschen, die Menschenhass verbreiten?! Geht gar nicht, findet Cornelia Lüddemann. Sie sei eine Politikerin, die gern und viel mit Menschen ins Gespräch komme. Irgendwo aber gibt es eine Grenze, machte die Fraktionschefin deutlich. Wenn die Diskussionsgrundlage fehle – Lüddemann nannte als Beispiel Thügida-Chef Köckert, der in Köthen von einem "Rassenkrieg gegen das deutsche Volk" gesprochen hatte –, dann mache eine Diskussion schlicht keinen Sinn. Der Antwort vorausgegangen war eine Frage des Nutzers "Kritischer Bürger": Der hatte in Richtung von Cornelia Lüddemann gesagt, die Grünen sprächen vom Hass rechter Gruppen – trügen aber dazu bei, dass der Hass linker Gruppen in die Öffentlichkeit getragen werde.

Ebenfalls wichtig für die 50-Jährige: Sie will keine "typische Politikerin" sein. "Ich habe es früher gehasst, wenn Politiker lange vor sich hinreden und am Ende doch nichts gesagt haben." Um den heißen Brei herum "labern", das sei nichts für sie. Dass das bei ihr anders sei, zeige ja schon ihre Laufbahn. Lüddemann ist erst seit 2011 Landtagsabgeordnete und damit Berufspolitikerin.

Fünf Fragen an...

#keineausreden Fünf Fragen an...Cornelia Lüddemann

Fünf Fragen an Cornelia Lüddemann
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Fünf Fragen an Cornelia Lüddemann
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Fünf Fragen an Cornelia Lüddemann
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Fünf Fragen an Cornelia Lüddemann
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Das Fazit des Interviews

Für Cornelia Lüddemann war nach dem fast einstündigen Interview klar: Eigentlich hätte fast jedes der Themen eine eigene Sendung verdient. Und: Viele Themen, die von Nutzern aufgeworfen wurden, habe sie im Vorfeld erwartet. Dennoch waren auch Themen mit dabei, auf die Lüddemann weniger vorbereitet war – zum Beispiel zu fehlendem Wohnraum für Großfamilien. Davon habe sie in Sachsen-Anhalt bislang noch nicht viel gehört, sagte die Politikerin. Eher sei in Gesprächen mit Bürgern der Leerstand vieler Gebäude Thema.

Und wer ist beim nächsten Mal an der Reihe?

Katja Pähle, Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag von Sachsen-Anhalt. Mit ihr sprechen wir bei #keineausreden am Donnerstag, 11. Oktober. Auch dann live bei Facebook und hier auf der Webseite von MDR SACHSEN-ANHALT.

Stellen Sie gern schon jetzt Ihre Fragen an Katja Pähle.

Blaue Grafik mit dem Schriftzug von #keineausreden mit Hinweis auf das Interview mit Katja Pähle
Bildrechte: MDR/Lars Weise
Ein Mann steht vor einer grauen Wand.
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Luca Deutschländer arbeitet seit Anfang 2016 bei MDR SACHSEN-ANHALT – meist in der Online-Redaktion, außerdem für den Hörfunk. Seine Schwerpunkte sind Themen aus Politik und Gesellschaft. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat der gebürtige Hesse bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine in Kassel gearbeitet. Während des Journalistik-Studiums in Magdeburg Praktika bei dpa, Hessischem Rundfunk, Süddeutsche.de und dem Kindermagazin "Dein Spiegel". Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Schleinufer in Magdeburg und der Saaleradweg – besonders rund um Naumburg.

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Selfie von Isabell Hartung
Isabell Hartung, Redakteurin und Chefin vom Dienst bei MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE und MDR um 11
Bei #keineausreden bin ich eine der Moderatorinnen.
Bildrechte: MDR/Isabell Hartung

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 27. September 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2018, 05:51 Uhr

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4 Kommentare

28.09.2018 12:47 Idee gut - Umsetzung fehlgeschlagen 4

Es macht wenig Sinn durch die Lande zuziehen, um das Gespräch zu suchen - wenn man in seiner „Grünen-Meinung“ völlig eingefahren ist. Wer sehen möchte, welcher Tourismus der erfolgreichere ist - bracht nur von Schierke nach Braunlage fahren.

27.09.2018 11:38 Leser 3

Morgenmuffel. Da fällt mir ein, hat sie nicht in der Kita gearbeitet bzw im pädagogischen Bereich? Das war ja für Morgenmuffel Conni gar nicht's und erst recht nicht für die Kinder.

27.09.2018 07:33 böse-zunge 2

Der Titel dieses Beitrags - These oder Fazit?
Sollte das letztere die Meinungs des Autoren vermitteln, Frage: Haben wir die selbe Darbietung verfolgt?
Harztourismus - 'Schierke solle versuchen sich als nachhaltige Tourismusdestination zu präsentieren'
da wurde nicht nachgehakt wie sie sich das in Beispielen vorstellt, wie Sch. das umsetzen sollte?
Braunkohle - noch ein Bsp. für Polit-Vokabular (auskohlen=Abbau bis zur Erschöpfung des Vorkommens) diffuser und nebulöser geht's kaum noch 'man müsse mal in d. Forschung sehen, da gebe es ganz viele Bsp. was aus Kohle noch gemacht werden könnte' - das hat die BRABAG seit den 30ern getan, das wurde in Digedag-Heften der 50er&60er abgedruckt - das ist nicht "neu" und wurde da was nicht genutzt, nenne ich das Politikversagen.
Wohnraum & Sicherheit - was die Frau so alles nicht kennt - da den Besuch ihrer Sprechstunde vorzuschlagen ... Gegenvorschlag: mit nem Kamerateam mal durch die Straßen streifen, nur den Artikeln von VS und MZ folgen.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Danke für Ihre Rückmeldung. Der Titel soll zwei verschiedene Aussagen von Cornelia Lüddemann zusammenfassen, die sie während des Gesprächs gemacht hat.