Masken als Corona-Schutz Haseloff: Keine Maskenpflicht für Sachsen-Anhalt

Eine Maskenpflicht zum Schutz vor dem Coronavirus, wie es die Stadt Jena einführt, ist in Sachsen-Anhalt derzeit kein Thema. Ministerpräsident Haseloff hält ein solche Verpflichtung für nicht realisierbar. Die Kunsthochschule Burg in Halle entwickelt unterdessen Mundschutz-Prototypen aus dem 3D-Drucker.

Eine Frau mit einem Mundschutz in der Stadt
Eine Mundschutzpflicht nach Jenas Vorbild soll in Sachsen-Anhalt nicht kommen. Bildrechte: imago images / Bernd Friedel

In Sachsen-Anhalt soll es im Kampf gegen das Coronavirus vorerst keine Mundschutz-Pflicht geben. Das sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff auf einer Pressekonferenz am Dienstag.

Hintergrund ist eine Debatte über Sinn und Unsinn einer solchen Maskenpflicht, nachdem die Stadt Jena und der Landkreis Nordhausen in Thüringen angekündigt hatten, das Tragen von Schutzmasken zur Pflicht zu machen. Wie eine Sprecherin des Kreises Nordhausen dem MDR sagte, wird eine neue Allgemeinverfügung nach dem Vorbild Jenas vorbereitet. Dort ist ab kommender Woche Pflicht, einen Mund- und Nasenschutz in Verkaufsstellen, im öffentlichen Nahverkehr und in Gebäuden mit Publikumsverkehr zu tragen. Statt Schutzmasken seien auch Tücher oder Schals möglich, solange sie Mund und Nasen verdecken.

Maskenpflicht laut Haseloff nicht realisierbar

Eine Mundschutzpflicht im öffentlichen Raum lässt sich Ministerpräsident Haseloff zufolge nur bei vorhandenen, materiellen Voraussetzungen anordnen. Ein solcher Mundschutz sei zwar eine Möglichkeit, sich und andere zu schützen, was auch viele nutzten. Der Staat könne dies aber nur anordnen, wenn es die entsprechenden Ressourcen gebe, so Haseloff. Dies sei derzeit nicht der Fall.

Sachsen-Anhalt konzentriert sich den Angaben zufolge zunächst darauf, medizinisches und Pflegepersonal und andere, die mit Infizierten in Kontakt kommen könnten, mit den wenigen vorhandenen Schutzmasken auszustatten. Haseloff kündigte dazu an, dass inzwischen 100.000 Atemschutzmasken aus China auf dem Weg nach Sachsen-Anhalt seien. Die Lieferung sei durch persönliche Kontakte zustande gekommen.

Zudem schenkt der Zellstoff-Hersteller Mercer aus Stendal dem Land 22.000 Masken. Die Lieferungen seien für Krankenhäuser, Arztpraxen und Pflegeheime gedacht.

#MDRklärt Pro/Contra Mundschutz

Pro/Contra Mundschutz
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Masken schützen andere vor dem Virus.
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Die meisten Masken schützen nicht den Träger. So kann ein falsches Gefühl von Sicherheit entstehen.
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Je mehr Menschen Masken tragen, desto mehr Menschen sind geschützt
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Mundschutzmasken sind Mangelware und werden von Medizinern benötigt.
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 31. März 2020 | 14:00 Uhr

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Abstandhalten ist wirkungsvoller

Haseloff betonte aber auch, dass das Tragen eines Mundschutzes gut zum Schutz anderer sei. Selbsthergestellte Mundschutze seien auch eine Alternative.

Ähnlich hatte sich zuvor Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand geäußert. Er lehnte eine Mundschutzpflicht für die Stadt ab, sprach jedoch eine Empfehlung zum Tragen einer Maske aus. Seiner Ansicht nach ist Abstandhalten aber wirkungsvoller, um sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen.

Masken können Infektionsherd werden

Kritik an den Schutzmasken kommt unter anderem vom Landesapothekerverband. Sachsen-Anhalt. Vorstandsmitglied Gert Fiedler sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Masken könnten zum Infektionsherd werden, wenn sie nicht abgekocht oder weggeworfen würden. Ein Einmal-Taschentuch würde man nach dem Niesen oder Husten wegwerfen. Bei einer Maske atme man das ausgestoßene Sekret wieder ein.

Auch das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass selbstgebastelte Mund- und Nasenschutz zum Schutz anderer Menschen hilfreich sind, sie aber von den Profi-Masken zu unterschieden sind. Es hänge vom Material ab. Den Angaben zufolge halte ein selbstgebauter Schutz Tröpfchen zurück. Deshalb sei er für den Schutz von anderen von Relevanz. Die virenabhaltenden Profi-Masken, die im medizinischen Bereich eingesetzt würden, können auch die Träger selbst vor Infektionen schützen.

Giebichenstein entwickelt Mundschutz aus 3D-Drucker

Um für mehr Nachschub bei den Mundschutzmasken zu sorgen, werden unterdessen an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle Mundschutzmasken aus dem 3D-Drucker entwickelt. Wie die Hochschule am Dienstag mitteilte, sollen sie nach der Abnahme durch den Katastrophenschutz kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Als Material dient Thermoplast. Derzeit können 20 Stück pro Tag gedruckt werden. Die Zahl soll steigen.

Quelle: MDR,dpa,epd/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 01. April 2020 | 08:30 Uhr

13 Kommentare

Rotti vor 8 Wochen

Eine gute und weise Entscheidung unseres Ministerpräsidenten.
Die Masken sollen dort zum Einsatz kommen, wo sie auch wirklich benötigt werden.
Zum anderen kann ich verstehen, dass sich Experten Sorge darüber machen, dass mit der "Zwangsmaskierung" gleichzeitig neue Infektionsherde entstehen. So ist es gut, wenn alle aufeinander aufpassen und sich an die Hygiene - Vorschriften halten.
Übrigens finde ich es richtig, dass die Restriktionen mit sichtlich Augenmerk daherkommen. Und es ist für mich ein Beleg des funktionierenden demokratischen Rechtsstaates, dass die Grundrechte nicht verletzt werden, siehe Ungarn.

Ossi 65 vor 8 Wochen

Alles was nach der Wende von der NVA übrig war wurde von der Bundesrepublik an das Ausland entweder Verschenkt, oder Verkauft. Aber es ist auch viel von der NVA Abhanden gekommen, wer weiß wohin. Aber mal ehrlich, würde jemand mit diesen Vollschutzmasken draußen rumlaufen? Ich glaube nicht.

Ossi 65 vor 8 Wochen

In der Bundesrepublik gibt es keine Vorsorge, weil Vorsorge Geld Kostet. Das gleiche im Gesundheitssystem, da gibt es auch fast keine Vorsorge, oder nur ab einem bestimmten Alter oder wer Risikopatient ist, oder man Bezahlt es selbst.

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