Qualitätsoffensive von Bund und Land Neues Kita-Gesetz: Eltern profitieren

Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne hat ihre Pläne für mehr Qualität in den Kitas vorgestellt. Der Bund überweist im Rahmen einer Qualitätsoffensive bis 2022 fast 140 Millionen Euro. Am Dienstag gab das Kabinett seine Zustimmung für einen Vertrag, den Sachsen-Anhalt mit dem Bund Ende August abschließen will.

Vom neuen Kita-Gesetz der Bundesregierung profitieren auch Eltern in Sachsen-Anhalt. Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hat am Dienstag ihre Pläne vorgestellt, wie Sachsen-Anhalt die zugesagten 140 Millionen Euro vom Bund bis 2022 ausgeben will. Demnach müssen Eltern von Kindern in Kita, Krippe und Hort nur noch den Beitrag für das älteste Kind leisten. Familien mit Anspruch auf Wohngeld und Kinderzuschlag werden ab August komplett von Kita-Gebühren befreit. Außerdem müssen angehende Erzieherinnen und Erzieher mit dem neuen Schuljahr kein Schulgeld mehr zahlen. Durch das Geld sollen Ausbildungsplätze an Fachschulen finanziert werden.

Um all das zu realisieren, will Sachsen-Anhalt Ende August seinen Vertrag mit dem Bund zur Verwendung des Geldes aus dem neuen Kita-Gesetz abschließen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) wird dazu nach Magdeburg kommen. Das Geld soll fließen, wenn alle Bundesländer Vereinbarungen mit dem Bund geschlossen haben.

Eltern sollen entlastet werden

Petra Grimm Benne
Sozialministerin Petra Grimm Benne Bildrechte: IMAGO

Grimm-Benne kündigte im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT an, das Geld für eine weitere Entlastung der Eltern von Geschwisterkindern und eine Fachkräfteoffensive im Erzieherbereich zu verwenden. Ab 1. Januar 2020 müssen Eltern demnach nur noch für das älteste Hortkind zahlen. Das heißt, dass Familien mit mehreren Kindern in Krippe, Kita und Hort nur noch für das älteste Kind – also den Hortbeitrag - bezahlen müssen. Bislang gilt die Regelung für kostenlose Geschwisterkinder nur für Krippe und Kita, für Geschwister im Hort muss zusätzlich gezahlt werden. Grimm-Benne: "Das, denke ich, ist ein enormer Schritt, den wir ohne die Bundes-Mittel nicht hätten gehen können."

Außerdem soll die Ausbildung von Erzieherinnen attraktiver und moderner werden. Auszubildende an Schulen in freier Trägerschaft sollen künftig kein Schulgeld mehr bezahlen müssen. Grimm-Benne kündigte an, dass dies zum 1. August 2019 geschieht. Bis zum Ende des Ausbildungsjahres 2022 soll das Schulgeld für Azubis entfallen. Bisher ist nur der Besuch an Schulen in öffentlicher Trägerschaft kostenfrei.

Außerdem sollen bis zum Jahr 2022 200 zusätzliche Erzieherinnen im dualen System ausgebildet werden- zusätzlich zu 120 Erzieherinnen, die durch finanzielle Unterstützung des Bundes dual ausgebildet werden können. Zur Ausbildungsvergütung machte Grimm-Benne keine genauen Angaben. Die SPD-Politikerin verwies auf Zahlungen, die es bei einem Start als kommunaler Verwaltungswirt gibt. "Da würde sich das entsprechend annähern." Die Vergütung sei attraktiv, so Grimm-Benne. "Wir geraten nicht ins Hintertreffen."

Ausgebildete Erzieherinnen sollen bleiben

Zwar würden jedes Jahr 1.000 Erzieher in Sachsen-Anhalt ihre Ausbildung abschließen, viele würden aber von anderen Bundesländern abgeworben, erklärte die Sozialministerin. Deswegen wolle Sachsen-Anhalt in die duale Ausbildung gehen und setze auf einen "Klebeeffekt", dass also die Fachkräfte nicht weggingen. Nachwuchs werde für qualitätsgerechte frühkindliche Bildung dringend gebraucht, da viele Erzieher in den Ruhestand gingen.

Es ist ein ähnlicher Markt wie bei den Pflegekräften, und es ist ein ähnlicher Markt wie bei den Lehrern: Wir müssen einfach was tun, damit wir die Erzieherinnen auch hier im Land halten.

Petra Grimm-Benne (SPD), Sozialministerin

Grimm-Benne kündigte an, dass die Ausbildung rückwirkend zum 1. August 2019 schulgeldfrei gestellt wird. Zwar würden jedes Jahr 1.000 Erzieher ihre Erziehung abschließen, doch viele würden auch abgeworben.

Quelle: MDR/fw;dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 16. Juli 2019 | 13:00 Uhr

Mehr aus Sachsen-Anhalt