Hannes Loth (AfD,Sachsen Anhalt)
AfD-Landtagsabgeordneter Hannes Loth hatte die Regierung zuvor kritisiert. Bildrechte: IMAGO

Fall Köthen AfD-Abgeordneter Loth relativiert Kritik

Der AfD-Landtagsabgeordnete Hannes Loth hat seine Kritik an der Landesregierung zu den Ermittlungen im Fall Köthen relativiert. Zuvor hatte er ihr vorgeworfen, dass sie versuche, bei der Tat etwas zu vertuschen. Nach der Pressekonferenz am Mittwoch in Halle räumte er nun das korrekte Verhalten der Ermittlungsbehörden ein. Er kritisierte aber, dass sie mit den Erkenntnissen nicht schon früher an die Öffentlichkeit gegangen seien.

Hannes Loth (AfD,Sachsen Anhalt)
AfD-Landtagsabgeordneter Hannes Loth hatte die Regierung zuvor kritisiert. Bildrechte: IMAGO

Im Fall des toten 22-Jährigen aus Köthen hat der AfD-Landtagsabgeordnete Hannes Loth seine Vorwürfe gegen die Landesregierung relativiert. Nach der Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft in Halle sagte er MDR SACHSEN-ANHALT, die Staatsanwaltschaft habe von Vorerkrankungen gesprochen, die zum Tod geführt hätten. "Aber man muss sich natürlich auch vor Augen halten, dass das Opfer einen Schlag ins Gesicht bekommen hat, wie das ja heute gesagt wurde, und dann umgefallen ist. Und im Gerichtsverfahren wird sich dann klären, ob dieser Schlag ursächlich war für den Herzinfarkt oder nicht."

Er äußerte auch Verständnis dafür, dass die Sprecherin einer Audiodatei, die den Ermittlern zugespielt wurde, vor dem Staatsanwalt oder in einer polizeilichen Vernehmung ihre Aussagen etwas anders formuliert habe. In der Pressekonferenz sei jedoch auch gesagt worden, "dass zwar massiv relativiert wurde, aber Kernaussagen wirklich wichtig sind und Schlüsselfunktion haben", so Loth. Bei der Audio-Datei handelt es sich um eine Sprachnachricht, die über soziale Netzwerke weiter verbreitet wurde und in der ein anderer Tatverlauf geschildert wird, als jener, der bisher öffentlich bekannt ist.

"Der Staatsanwaltschaft sind keine Vorwürfe zu machen"

Grundsätzlich sei er der Meinung, dass sich die Staatsanwaltschaft völlig korrekt verhalte. "Ihr sind keine Vorwürfe zu machen, in keinster Weise." Die Landesregierung hätte jedoch in ihrer Pressekonferenz Anfang der Woche schon auf diese Erkenntnisse eingehen können, die heute die Staatsanwaltschaft und der Gerichtsmediziner dargelegt hätten. "Dann wären sicherlich nicht so vielen Fragen gekommen, und es hätte nicht so viele Unstimmigkeiten bei uns gegeben."

Als er besagte Audiodatei erhalten habe, sei er davon ausgegangen, dass die Polizei diese bereits kenne. Sie sei bis zu dem Zeitpunkt bereits 20.000 Mal aus dem Internet heruntergeladen oder geteilt worden. Er habe sie erst am Dienstag in einer Pressemitteilung verwertet. "Und für mich war klar, dass die Aussage dort schon der Polizei bekannt ist."

Loth sagte, er erwarte, dass die Ermittlungen in der üblichen rechtlichen Arbeitsweise fortgesetzt würden und dass am Ende ein rechtsstaatlicher Prozess zustandekomme, bei dem auch ermittelt werde, was wirklich passiert sei.

Stahlknecht: "Bodenlose Unverschämtheit"

Er hatte zuvor der "Mitteldeutschen Zeitung" gesagt: "Wenn die Landesregierung versucht, der Öffentlichkeit weiszumachen, der Tod des jungen Mannes sei nicht infolge dieser brutalen Attacke erfolgt und sein Herz habe allein aufgrund einer Vorerkrankung versagt, hält sie unsere Bürger offenbar für dumm."

Holger Stahlknecht
Sachsen-Anhalts Innenminister Stahlknecht zeigt sich empört gegenüber den Vorwürfen. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalts Innenminister Stahlknecht reagierte empört auf die Vorwürfe der AfD. Stahlknecht sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Vertuschungsvorwürfe der AfD seien eine bodenlose Unverschämtheit. Die AfD unterstelle renommierten Wissenschaftlern und Rechtsmedizinern, ein vorsätzlich falsches Gutachten zur Todesursache abgegeben zu haben – angestiftet durch die Landesregierung. Das sei einzigartig und habe es so in der deutschen Politik noch nicht gegeben, so Stahlknecht. "Das grenzt an strafrechtlicher Relevanz."

Staatsanwaltschaft weist Vorwürfe zurück

Der 22 Jahre alte Köthener war am Sonnabend nach einem Streit mit zwei Asylbewerbern aus Afghanistan gestorben. Bei der Pressekonferenz am Mittwoch bestätigte der Rechtsmediziner Rüdiger Lessig vom Uniklinikum Halle noch einmal, dass das Opfer an einem Herzinfarkt gestorben sei. "Die Todesursache ist ein Herzinfarkt – das ist mittlerweile auch feingeweblich bestätigt." Wie der Schlag ins Gesicht zu bewerten sei, müsse juristisch untersucht werden und stehe auf einem anderen Blatt.

Die Staatsanwaltschaft verteidigte sich auf der Pressekonferenz gegenüber ihr erhobener Vorwürfe, dass man sich noch nicht zur Authentizität der Audiodatei geäußert habe. Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad sagte: "Es gehört nicht zu den Aufgaben einer Staatsanwaltschaft, Beweisanzeigen vor Abschluss der Ermittlungen isoliert zu bewerten." Das sei "ermittlungsschädlich".

Quelle: MDR/fl

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. September 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2018, 21:44 Uhr

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8 Kommentare

13.09.2018 21:44 Kritischer Bürger 8

IMMER WIEDER DAS GLEICHE! +...Der 22 Jahre alte Köthener war am Sonnabend nach einem Streit mit zwei Asylbewerbern aus Afghanistan gestorben....+

Warum nicht in etwa wie nachfolgend?
=Bei einem Schlichtungsversuch des 22 Jährigen Köthener gegenüber den sich streitenden Afghanischen Bürgern, ist dieser Mann nach einem Herzversagen verstorben=

Die Artikel-Wortwahl, wie auch in vielen anderen Zeilen zum Thema bei entsprechenden Artikeln, wird hier immer von =....nach einem Streit mit zwei Asylbewerbern ...= das dieser junge Mann sich mit den benannten Afghanischen Asylbewerbern gestritten haben soll oder gar der Ursprung des Streites war. Das ist unkorrekt. Vllt. kommt man auch mal auf das Thema WORÜBER SICH DIE AFGHANISCHEN BÜRGER GESTRITTEN HABEN und welche Hintergründe hier vorlagen!

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Solange es sich bei diesen Hintergründen auch nur um Gerüchte handelt, werden wir sehr vorsichtig damit umgehen.

13.09.2018 13:48 Martin Vomberg 7

Relativieren, kleinreden, verharmlosen, verdrehen, behaupten, leugnen . . . die Alternative fürs Denken eben!

13.09.2018 08:59 Schleifer 6

Eine Frage drängt sich mir auf, was ist mit der jungen Frau um die der Streit ging und man hört auch nichts von dem Bruder des Toten, das sind doch Zeugen. Warum hört man von den Beiden nichts?