Aufnahme der Tagebaulandschaft Profen
2038 sollen die letzten Kohlekraftwerke vom Netz gehen. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wissenschaftler aus Halle Kohleausstieg bietet Chancen für Innovation

2038 soll mit der Stromgewinnung aus Kohle Schluss sein. Allein in Sachsen-Anhalt hängen mehrere tausend Jobs an der Braunkohle. Ein Wissenschaftler aus Halle sieht im Kohleausstieg aber nicht nur Probleme, sondern auch Chancen für Innovationen.

Aufnahme der Tagebaulandschaft Profen
2038 sollen die letzten Kohlekraftwerke vom Netz gehen. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Kohleaussteig bietet nach Meinung eines Wissenschaftlers aus Halle Chancen für mehr Innovation und Digitalisierung. Ralf Wehrspohn, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen, sagte, dass es bereits konkrete Projekte geben, wie die Zukunft des Tagebaus in Sachsen-Anhalt gestaltet werden könne. Im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT erzählt er auch, wie es nach dem Beschluss der Kohlekommission weitergeht.

MDR SACHSEN-ANHALT: Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Ralf Wehrspohn: Ja, ich bin sehr zufrieden. Ich hätte nicht gedacht, dass wir zu so einem einvernehmlichen Ergebnis kommen würden. Es berücksichtigt viele Interessen: das Klima, die Beschäftigten, die Versorgungsicherheit und den Strompreis des Endkunden. Aber es zeigt auch, wo zukünftige Wachstumschancen sind.

Welche Chancen sehen Sie genau?

Durch den beschleunigten Strukturwandel bekommen wir nun neue Mittel, um schneller Innovationen und neue Projekte umzusetzen. Das wäre sonst nicht möglich gewesen. Wir haben ein großes Projekt am Start, welches in Richtung grünen Wasserstoff und Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft geht. Das wollen wir mit den Partnern aus der Region – mit der MIBRAG und mit den Chemie-Unternehmen – umsetzen. Es soll ein Politprojekt für den Wandel im Mitteldeutschen Revier werden.

Was heißt grüner Wasserstoff? Ziel ist die ökologische Herstellung, Speicherung und Anwendung von
Wasserstoff. Er wird dabei nicht aus fossilen Rohstoffen, sondern
mittels Elektrolyse aus Wasser und grünem Strom gewonnen. Am
Chemiestandort Leuna wird die Produktion und in Salzstöcken nahe dem Ort Teutschenthal bei Halle die Speicherung erprobt.

Wie viele Projekte wurden schon beschlossen?

Allein aus Sachsen-Anhalt wurden 111 Projekte in die Arbeit der Kohle-Kommission eingebracht. Diese können entweder direkt über den Bund finanziert werden oder – im Bereich Kultur und Bildung – über das Land gefördert werden können.

Ralf Wehrspohn
Ralf Wehrspohn Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE

Welche konkreten Projekte sind geplant?

Wir haben zwei große Themen, wo die Reviere unserer Meinung nach Zukunftschancen haben. Das eine ist die Digitalisierung. Wir haben die Empfehlung gegeben, dass Reviere in Deutschland Modellregionen für 5G werden. Das heißt, man kann in Echtzeit über den Handy-Empfang Prozesse steuern. Das ermöglicht Ansiedlung von Technologie-Unternehmen.

Zum andern wollen wir nachhaltiger werden. Da hat der grüne Wasserstoff große Chancen. Auch die Kreislaufwirtschaft soll verbessert werden, sodass Kunststoff nicht mehr verbrannt wird. So soll die Recycling-Quote erhöht werden.

Im mitteldeutschen Revier hängen mehrere tausend Arbeitsplätze an der Braunkohle. Was passiert mit denen?

Wir haben einen sehr langen Zeitraum gewählt, da wir keinen Strukturbruch haben wollen. Wir wollen alle mitnehmen und Chancen für die aktuellen Mitarbeiter ermöglichen. Das Ziel ist es, die jetzigen Arbeitsplätze in der Braunkohle durch neue zu ersetzen.

Die Kohlekommission hat nur Vorschläge erarbeitet. Wie geht es jetzt konkret weiter?

Der nächste Schritt ist, dass bis Ende April ein Maßnahmengesetz erarbeitet werden soll. Das soll dann bis Ende des Jahres durch Bundesrat und Bundestag gebracht werden.

Kommission empfiehlt Kohleausstieg Die Kohlekommission hat am Samstagmorgen der Bundesregierung empfohlen, 2038 das letzte Kohlekraftwerk vom Netz zu nehmen. Die betroffenen Länder sollen mit insgesamt 40 Milliarden Euro unterstützt werden. Ralf Wehrspohn war Mitglied in dem 28-köpfigen Gremium, das aus Vertreter der Industrie, Gewerkschaften, Umweltverbänden und Wissenschaft besteht.

Quelle: MDR/sp,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2019, 18:18 Uhr

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5 Kommentare

29.01.2019 19:52 Eulenspiegel 5

Hallo Ureinwohner 4
Ich verstehe nicht wo sie das Problem sehen. Aber noch ein mal ganz einfach.
"Die Wasser-Elektrolyse konnte sich als Verfahren für die Produktion von Wasserstoff bislang nicht durchsetzen. Zu viel Energie geht in dem Prozess verloren "
Klare aussage:
Die Wasser-Elektrolyse hat mit sicherhei kein schlechteren Wirkungsgrad als die Kohleverstromung. Darum wird sie sich in Zukunft durchsetzen.
Können sie das nachvollziehen?

29.01.2019 11:45 Ureinwohner 4

Hallo Eulenspiegel 3 Sie haben zwar die Frage nicht verstanden aber geschrieben was Ihnen dazu eingefallen ist. Ja klar, grüner Strom kommt aus der Steckdose und grüner Wasserstoff aus der Pipeline.

28.01.2019 19:18 Eulenspiegel 3

Hallo Ureinwohner 2
Ich denke um das beurteilen zu könne sollte man sich erst ein mal anschauen wie hoch sind die Verluste bei anderer Energieumsetzung. Zum Beispiel wenn man Kohle in Strom umwandelt. Ja und genau da geht fast ein drittel der durch die Kohleverbrennung freigesetzte Energie verloren. Das heißt fast ein Drittel der -eingesetzen Kohle wird nur verbrannt um die Umwelt aufzuheizen und die Umwelt zu belasten. Ich denke das ist ein sehr schlechter Wirkungsgrat.
Also ich denke die Wasser-Elektrolyse wird bald im großtechnischer Form kommen. Es werden schon bald große Mengen Wasserstoff als Autoantrieb benötigt. Weiter Benötigen wir viel Wasserstoff gewissermaßen als Energiepuffer um unsere in Zukunft stark schwankende Stromerzeugung auszuleihen und um genügend Sicherheitsreserven zu haben. Sie sollten sich mal mit „Power-to-Gas“ beschäftigen. Darüber kann man im Internet eine ganze menge lesen.