Sachsen, Pirna: André Poggenburg (l), Vorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, und Björn Höcke, Vorsitzender der AfD in Thüringen, kommen zum politischen Aschermittwoch der sächsischen AfD.
André Poggenburg beim politischen Aschermittwoch in Pirna. (Archiv) Bildrechte: dpa

Einschätzung Kalkuliert und provoziert: Poggenburg ist Opfer seines Politikstils

Mit gezielten Provokationen hat André Poggenburg regelmäßig mediale Aufmerksamkeit auf sich und seine Partei gelenkt. Nun sieht er sich als Opfer der Medien. Dieser Politikstil ist ihm nun zum Verhängnis geworden, meint MDR-SACHSEN-ANHALT-Kolumnist Uli Wittstock.

von Uli Wittstock, MDR SACHSEN-ANHALT

Sachsen, Pirna: André Poggenburg (l), Vorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, und Björn Höcke, Vorsitzender der AfD in Thüringen, kommen zum politischen Aschermittwoch der sächsischen AfD.
André Poggenburg beim politischen Aschermittwoch in Pirna. (Archiv) Bildrechte: dpa

Wie man Schlagzeilen produziert, das weiß André Poggenburg sehr genau. Mit gezielten Provokationen schaffte es Sachsen-Anhalts AfD-Landeschef regelmäßig in die überregionalen Medien. Und die Folgen waren stets kalkuliert. Wenn Poggenburg redete hielt er sich streng an sein Manuskript, keine Äußerung war unbedacht, sondern immer auf ihre Wirkung hin inszeniert.

André Poggenburg, Fraktionschef der AfD in Sachsen-Anhalt.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So erfolgreich dieser Politikstil ist, so gefährlich ist er aber auch. Denn wenn es nicht um Inhalte, sondern nur um Erregung geht, dann muss auf jedes mediale Strohfeuer ein weiteres folgen. Poggenburg hat sich in seinen Äußerungen immer weiter radikalisiert. Solange sich nur politische Gegner der AfD darüber aufregten, scheint das innerhalb der Partei zumindest toleriert worden zu sein. Doch mit seiner Rede beim politischen Aschermittwoch in Pirna ist er selbst in seiner eigenen Partei angeeckt.

Wer damit droht, Menschen mit deutschem Pass abschieben zu wollen, nur weil sie türkische Wurzeln haben, steht außerhalb demokratischer Normen. Dafür gab es vom AfD-Bundesvorstand eine Abmahnung, auch wenn Poggenburg seinen Auftritt als Satire verstanden haben wollte.

AfD gezwungen zu reagieren

Bild mit politischen Stationen von André Poggenburg
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Und nachdem diskutiert wird, zumindest Teile der AfD vom Verfassungsschutz überwachen zu lassen, sah sich wohl Sachsen-Anhalts AfD gezwungen zu reagieren. In seinem Rücktrittsschreiben spricht Poggenburg von einem enormen medialen Druck in Folge seiner Aschermittwochsrede. Er wolle von der AfD Schaden abwenden und werde deshalb seine Ämter als Partei- und Fraktionschef zur Verfügung stellen. Eine Entschuldigung oder gar eine  Rücknahme seiner Äußerung findet sich in dem Schreiben nicht. Die Medien hätten ihn zu Fall gebracht, so Poggenburg.

Es bleibt allerdings die Frage, ob der Rücktritt einen politischen Schwenk in Sachsen-Anhalts AfD andeutet oder nur kosmetischer Natur ist. Nach diversen Auftritten im Magdeburger Landtag steht eher letzteres zu vermuten, zumal André Poggenburg weithin sein Landtagsmandat ausüben wird.

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Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08.03.2018 | 12:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 08.03.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2018, 16:16 Uhr

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9 Kommentare

09.03.2018 08:31 Leser 9

Offenbar geht's auf der MDR Seite nur noch um dieses Thema. Ja, so viel Aufmerksamkeit hat dieser Mensch "verdient". Ziel erreicht.

09.03.2018 07:56 Ichich 8

Radikal ? Im Vergleich zu Winfried Kretschmann und seinen Freunden ist Poggenburg ein Warmduscher.
Schmierer hat seine Unterstützung für die Massenmörder der Roten Khmer noch nach der Jahrtausendwende begründet. ... von J. Fischer mit einem schönen Pöstchen im Außenministerium belohnt.

08.03.2018 23:37 Andreas 7

Etwas zu Radikal der Mann. Nicht überall mag man Politiker im stil wie Donald Trump. Hart aber auch Fair muss man sein. Und nicht sich wie ein Assi aufführen das mögen nur gleichgesinnte.
Vielleicht sollte er sich in der NPD Bewerben da kann er Reden wie er will.