Enercon-Debatte im Landtag
Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat am Freitag über den Stellenabbau bei Enercon diskutiert. Die Diskussion hatte Kindergarten-Atmosphäre, meint unser Autor. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kommentar Debatte zur Enercon-Krise: Das war keine Sternstunde, lieber Landtag

Enercon streicht in Magdeburg mehr als 1.600 Stellen. Darüber hat Freitag auch der Landtag von Sachsen-Anhalt gesprochen. Nur: Die Abgeordneten waren hauptsächlich damit beschäftigt, sich gegenseitig zu beschuldigen – statt Lösungen für die Enercon-Mitarbeiter aufzuzeigen. Ein Kommentar.

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Luca Deutschländer, MDR SACHSEN-ANHALT

Enercon-Debatte im Landtag
Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat am Freitag über den Stellenabbau bei Enercon diskutiert. Die Diskussion hatte Kindergarten-Atmosphäre, meint unser Autor. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Man stelle sich vor, ein großes Unternehmen streicht in Magdeburg 1.600 Stellen. Viele Menschen in Sachsen-Anhalt sprächen darüber. Problem an dieser Vorstellung: Sie ist bittere Realität.

Seit der Windkraftanlagen-Bauer Enercon vor zwei Wochen angekündigt hat, allein in Magdeburg mehr als 1.000 Stellen zu streichen, fragen viele sich: Und nun? Der Tenor seitdem ist eindeutig, in Politik wie in Wirtschaft: Das ist ein harter Schlag. Schließlich hängen an den 1.600 Mitarbeitern oft auch Familien mit Kindern.

Schade, dass von der Ernsthaftigkeit der Situation am Freitag im Landtag nur so wenig zu spüren war.

Gegenseitige Schuldzuweisungen im Landtag

Von einem Landesparlament darf man in einer solcher Phase doch eigentlich Vorschläge erwarten, wie den betroffenen Mitarbeitern nun geholfen werden kann. Stattdessen: Kindergarten-Atmosphäre im Parlament. Wer trägt denn nun die Schuld für die Massen-Entlassungen bei Enercon? CDU und SPD als regierende Parteien? Oder doch die AfD, weil die erneuerbare Energien schon länger schlecht redet?

Man kann es in Ansätzen ja verstehen, dass Berufspolitiker den schwarzen Peter gern dem politischen Gegner zuschieben wollen. Aber, mal ehrlich: Den betroffenen Beschäftigten nützt das wenig.

Hilfe für die Beschäftigten? Die ist am Freitag kaum Thema.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, zogen es die Abgeordneten im Landtag am Freitag vor, sich lautstark gegenseitig zu beschuldigen. Und das geschlagene eineinhalb Stunden lang. Da bekommt ein AfD-Parlamentarier nach wenigen Minuten Debatte einen Ordnungsruf (für die Worte "Sie haben Sie doch nicht mehr alle"), da ruft eine Ministerin Widerworte in die Rede einer Ministerkollegin, dann geht es um Beschlüsse von Gemeinderäten, die wer auch immer verhindert hat. Doch: Konkrete Vorschläge, wie die Beschäftigten unterstützt werden könnten? Davon redete am Freitag kaum einer – das galt für alle Parteien von der Linken bis zur AfD.

Dass die von der SPD beantragte Debatte emotional werden würde, das war schon vorab zu erwarten. Es steht schließlich viel auf dem Spiel. Emotionen sind ja auch in Ordnung. Davon lebt Politik, davon lebt ein Parlament. Nur sollte trotz aller Emotionen eines nicht vergessen werden: Am Ende sollten politische Lösungen stehen, zumindest in Ansätzen. Das darf man auch in einer Debatte erwarten, in der keine Beschlüsse gefasst werden. Dass die Debatte am Freitag sich am Ende um gegenseitige Schuldzuweisungen drehte, verkennt dagegen die Not die Lage.

Die Beschäftigten von Enercon sind jedenfalls so schlau wie vor der Sitzung. Liebe Landtagsabgeordnete, eine parlamentarische Sternstunde war diese Debatte gewiss nicht.

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Luca Deutschländer arbeitet seit Januar 2016 bei MDR SACHSEN-ANHALT - in der Online-Redaktion und im Hörfunk. Seine Schwerpunkte sind Themen aus Politik und Gesellschaft. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat der gebürtige Hesse bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine in Kassel gearbeitet. Während des Journalistik-Studiums in Magdeburg Praktika bei dpa, Hessischem Rundfunk, Süddeutsche.de und dem Kindermagazin "Dein Spiegel". Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Schleinufer in Magdeburg und der Saaleradweg - besonders rund um Naumburg. In seiner Freizeit steht er mit Leidenschaft auf der Theaterbühne.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. November 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. November 2019, 16:08 Uhr

2 Kommentare

Heimatloser vor 2 Wochen

das ist eben Kapitalismus.Ein Ungeheuer gegen die Menschlichkeit!
Die einen schwelgen zu Weihnachten in Sauß und Brauß,die anderen haben
Tränen in den Augen.Vor allem die Kinder.Von der zukünftigen Not und Kum-
mer der arbeitslos gewodenen Mitarbeiter ganz zu schweigen.
Allen ein friedliches Fest.

UKM vor 2 Wochen

Leider hat die Stadt Magdeburg nur auf Enercon gesetzt und keine weiteren Industrie Arbeitsplätze geschaffen.
Das die Zeit für Windkraftanlagen irgendwann vorbei ist wurde großzügig übersehen.
Wer Preislich nicht am Markt mithalten kann ist früher oder später am Ende.
Vielleicht sollte auch mal jemand fragen warum jeder Arbeitsschritt eine eigene GmbH war und wieso es so viele Ieiarbeiter dort beschädigt waren. Oder die Frage nach Tarifen und Betriebsräten.
Wo sind die Fördergelder geblieben.
Für welche Jops sollen die Mitarbeiter in Magdeburg fit gemacht werden.
Jetzt nach Standorte für Windkraftanlagen näher an Wohnhäuser zu forder ist scheinheilig und führt zu noch mehr klagen.
Ich wünsche allen Beschäftigten ein frohes Weihnachtsfest.

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