Computertastatur mit der Aufschrift DSGVO, Datenschutz-Grundverordnung
Der Datenschutz ist inzwischen eines der wichtigsten Bürgerrechte. Bildrechte: IMAGO

Diskussion um DSGVO Warum der Datenschutz das wichtigste Bürgerrecht ist

Die Datenschutzgrundverordnung ist diese Woche in Kraft getreten. Von Wirtschaftsvertretern kommt zwar Kritik, für die Bürger ändert sich aber viel zum Positiven. Der Datenschutz erhält im Leben eine zentrale Rolle und das ist eine Entwicklung, die Hoffnung macht – ein Kommentar.

von Frank Rugullis, MDR SACHSEN-ANHALT

Computertastatur mit der Aufschrift DSGVO, Datenschutz-Grundverordnung
Der Datenschutz ist inzwischen eines der wichtigsten Bürgerrechte. Bildrechte: IMAGO

Dass die Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO, diese Woche in Kraft getreten ist, das ist eine gute Nachricht! In den letzten Tagen war viel Kritik vor allem von Wirtschaftsverbänden zu lesen, im Mittelpunkt stand immer der Mehraufwand der Unternehmen. Doch für einen strengeren Datenschutz in Europa ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt.

So einige Verbraucher bekamen die neuen Regelungen wahrscheinlich erst diese Woche durch die vielen Mails und neuen Formulare mit, selbst der Laden um die Ecke in Magdeburg musste sein Kundenprogramm mit einem neuen Fragebogen absichern lassen.

Unverständnis vor einem Jahr

Als MDR SACHSEN-ANHALT vor einem Jahr bei Verbänden, Verwaltungen und Vereinen nachfragte, wie denn der Stand der Vorbereitung ist, ernteten wir eine Menge Unverständnis. Es zeigte sich, dass betroffene Wirtschaftsverbände, zumindest auf Ebene der Bundesländer, das Thema DSGVO bis dahin überhaupt noch nicht auf dem Schirm hatten, obwohl die Regelungen da schon beschlossen waren.

"Daten sind das neue Öl und der neue Umweltschutz ist der Datenschutz", so drückten sich zuletzt Datenschützer immer wieder aus und sie haben Recht. Im Internet und in der digitalen Gesellschaft kommt den Daten eine Schlüsselrolle zu. Unternehmen benötigen personalisierte Informationen, um Produkte möglichst nah an Kunden zu platzieren. Kunden hatten bislang kaum eine Kontrolle, was mit ihren Daten passiert, wenn sie im Internet unterwegs waren. Viele Dienstleistungen sind außerdem bislang nur möglich, wenn der Nutzer Deals zur Verwendung seiner hinterlassenen Daten zustimmt.

Nutzer bekommen mehr Rechte

Als das Internet gestartet wurde, da gab es den Leitsatz, damit die Welt besser zu machen. Mit dem Austausch von Informationen, natürlich ohne finanziellen Interessen. Diese Unschuld des Internets ist lange vorbei. Es ist nun schon lange ein Mittel und ein Weg für kommerzielle Interessen. Beherrscht wird der digitale Markt von wenigen Anbietern wie Google, Apple und Amazon. Das ist das Gegenteil der Internet-Idee vom Beginn.

Datenschutz-Grundverordnung, Symbolaufnahme
Nahezu ein kleines Wunder, dass sich EU-Parlamentarier in der Sache gegen Lobbyisten durchsetzen konnten. Bildrechte: IMAGO

Diese großen Player konnten sich Daten der Nutzer ohne zu fragen einfach nehmen und sie anschließend für kommerzielle Dinge verwenden und sich damit eine goldene Nase verdienen. Der Ansatz der Datenschutzgrundverordnung ist, genau diese Praxis zu beenden. Das Beispiel Facebook zeigt ja eindrucksvoll, dass der Geschäftszweck des Konzerns auf einen zweifelhaften Umgang mit eben diesen Daten beruht.

Danke EU!

Einigen EU-Parlamentariern ist es gelungen, in mühseliger Arbeit Regelungen im Interesse der Verbraucher zu finden. Dass sie sich gegen einflussreiche Lobbyisten durchgesetzt haben, ist ein kleines Wunder. Es ist auch ein Erfolg des Parlamentarismus über die Interessen der größten Wirtschaftsplayer.

Neu und gut ist: Unternehmen müssen Verbraucher vorher fragen, wenn sie ihre Daten verwenden wollen oder müssen ihre Datenverarbeitung zumindest auf geregelte Art und Weise rechtfertigen können. Und die Unternehmen müssen den Nutzern in einer einfachen Sprache erklären, was sie dann mit den Daten machen. Und Verbraucher haben endlich das Recht, personengebundene Daten unkompliziert löschen zu lassen. Es gibt also ein Recht auf Vergessen.

Natürlich weiß ich auch, dass vielen Nutzern das Thema Datenschutz bislang egal war. Doch nach den Snowden-Enthüllungen und erst recht nach dem Facebook-Skandal ändert sich dies und das ist gut so! Das Bewusstsein, dass der Datenschutz vielleicht sogar schon das wichtigste Bürgerrecht geworden ist, wächst. Und die Datenschutzgrundverordnung trägt dem Rechnung.

Frank Rugullis
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Frank Rugullis arbeitet seit 1992 für den Mitteldeutschen Rundfunk, zunächst als Nachrichtenredakteur bei MDR SACHSEN-ANHALT in Magdeburg und MDR INFO in Halle. Seit 2012 ist er nur noch in Magdeburg tätig, entwickelte trimediale Projekte und neue Ideen für den Onlinebereich. Seit 2015 ist Rugullis Onlinechef, seit 2018 auch Mitglied im Digital Board des MDR. Seine Freizeit verbringt Rugullis am liebsten mit seiner Familie.

Mehr zum Thema

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25.05.2018 | 17:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 25.05.2018 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ahr

Zuletzt aktualisiert: 26. Mai 2018, 16:02 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

11 Kommentare

30.05.2018 16:59 Steffen Böhm 11

Versteh ich das #DSVGO so richtig?
Vor wem meine Daten weiterhin ungeschützt bleiben:
- Finanzamt
- SCHUFA
- GEZ
- Post
- Markus Söder
- US-Behörden

Vor wem meine Daten geschützt werden:
- Sportverein Großziegenburg
- Franzis HaarMonie

29.05.2018 08:18 Sr.Raul 10

Ich meine der sog. Datenschutz ist wie Pfefferminztee, weder hilft noch schadet er. Wenn ich mich im Bekannten- und Freundeskreis bzgl. freiwillig inszenierten Datenabgriff bei "Fratzenbuch", Whatsapp und Konsorten umhöre, es interessiert Keinen. Hätte der "Olle Minister" einst diese sprudelnden Datenquellen und die Nutzer dazu gehabt, der Mann wäre vor Lachen nicht in den Schlaf gekommen und es hätten 100tausende Kräfte einer sinnvollen Beschäftigung in der Volkswirtschaft zugeführt werden können.

27.05.2018 21:04 Rolle 9

Wer lesen kann ist klar im Vorteil! Wenn jeder Bürger der EU diese Verordnung selber lesen würde, dann kennt er auch seine Rechte! Selbst unsere schönen Sender des Öffentlichenrecht kennen die neue Verordnung.
Nur wer selber sich mit der Verordnung beschäftigt und liest hat Ahnung von seinem Recht!