Drei junge Flüchtlinge arbeiten im Ausbildungszentrum der Siemens Professional Education an der Verdrahtung eines Schaltschranks
Laut Sudie braucht Sachsen-Anhalt Zuwanderung für eine stabile Wirtschaft. Bildrechte: dpa

Fall für den Landtag Kritische Studie über Zuwanderung – Grüne fordern Klärung

In Sachsen-Anhalt sorgt der Umgang mit einem kritischen Papier über Migration, Überalterung und Fremdenfeindlichkeit für Aufsehen. Einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung zufolge, musste ein Experte der Landesregierung deshalb seinen Posten räumen. Die Grünen fordern die Klärung des Falles und bringen das Thema in den Landtag ein.

Drei junge Flüchtlinge arbeiten im Ausbildungszentrum der Siemens Professional Education an der Verdrahtung eines Schaltschranks
Laut Sudie braucht Sachsen-Anhalt Zuwanderung für eine stabile Wirtschaft. Bildrechte: dpa

Politiker aus Sachsen-Anhalt haben mit Unverständnis und Kritik auf die Versetzung eines Beamten der Landesregierung reagiert. Nach einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung musste dieser im Sommer 2019 seinen Posten räumen, nachdem er kurz zuvor eine kritische Studie zur Überalterung in Sachsen-Anhalt mitveröffentlicht hatte. Zudem soll gegen den hochrangigen Beamten, der als Experte für Demografie gilt, ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden sein.

Studie: Sachsen-Anhalt braucht Zuwanderung

Senioren beim Spaziergang
Experten: Zuwanderung gegen Überalterung Bildrechte: dpa

In der noch unveröffentlichten Studie, die beim Leibnitz-Institut für Länderkunde in Auftrag gegeben wurde, fordern Experten mehr Einwanderung für Sachsen-Anhalt, um eine Vergreisung zu stoppen. Für eine stabile Bevölkerungsentwicklung müsse das überalterte Land stärker auf Zuwanderung setzen, heißt in dem Papier. Gleichzeitig warnen die Autoren der Studie vor einem bundespolitischen Bedeutungsverlust und einer erheblichen Gefährdung der Wirtschaft im Land.

Besonders kritisch hoben die Forscher hervor, dass sich neben den vergleichsweise niedrigen Löhnen vor allem die Ablehnung von Zuwanderern bis hin zur Fremdenfeindlichkeit negativ auf die Zuwanderung in Sachsen-Anhalt auswirke.

Reaktionen: von fassungslos bis kritisch

Zeit-Autor Christian Bangel reagierte bei Twitter als erster auf den Zeitungsbericht mit Fassungslosigkeit und der Frage, ob das ernst gemeint sei, dass ein Referatsleiter hierzulande seinen Posten räumen muss, weil er mehr Zuwanderung fordert.

Grünen-Chefin Cornelia Lüddemann reagierte prompt. Auf ihre Initiative hin wird die Leibnitz-Studie im Februar im Landtag thematisiert. Außerdem kündigte Lüddemann bei Twitter Nachfragen an Minister Webel zum Umgang mit dem Referatsleiter an.  

Für den Fall ist das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr unter Thomas Webel (CDU) zuständig. Laut Zeitungsbericht verweist es auf den Persönlichkeitsschutz und äußert sich nicht.

Quelle: MDR/agz

Zuletzt aktualisiert: 05. November 2019, 15:55 Uhr

4 Kommentare

Ichich vor 5 Tagen

Es kann jeder Bedarf an Fachkräften für Deutschland gedeckt werden ... mit Zuwanderern aus der Ukraine, Weißrußland, Rußland. Vielleicht könnten wir auch ein paar nette Vietnamesen holen.
In Schweden liegt der Jugendarbeitslosigkeit unter Einwanderer(kinder)n aus dem arabischen-türkischen Raum auf spanischem Niveau.
Wenn ich nach 25 Jahren nur die Hälfte der Zuwanderer in Arbeitsprozessen habe, wie sollen dann Probleme der Demographie aufgefangen werden ? Die werden verstärkt !

MaP vor 7 Tagen

Also ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier wieder einmal entscheidende Informationen fehlen. Eine Amtsenthebung und ein Disziplinarverfahren gegen einen Beamten der Landesregierung nur wegen Mitveröffentlichung einer Studie, die eigentlich dem Mainstream voll gerecht wird, ist wenig glaubhaft. Vor allem wenn man den MP kennt.

Jens81 vor 7 Tagen

"Studie: Sachsen-Anhalt braucht Zuwanderung" - Ja aber eben halt echte Fachkräfte. Zuwanderung in die Sozialnetze und in die Gefängnisse, so hart wie es klingen mag, brauchen wir nicht, davon gab und gibt es schon genug. Aber echte und gute Fachkräfte sollte jeder Bürger willkommen heißen!

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