Nach Kabinettsbeschluss "Längst überfällig": Ärztekammer begrüßt Impfpflicht gegen Masern

Eine Impfung gegen Masern – die müssen Eltern künftig nachweisen, damit ihr Kind in einer Kita oder Schule aufgenommen werden darf. Das sieht ein Gesetzesentwurf der Bundesregierung vor. Sachsen-Anhalts Landesärztekammer hält dieses Gesetz für längst überfällig – und wünscht sich eine bessere Aufklärung von Patienten.

Impfausweis mit angekreuzter Masern-Impfung
Impfen gegen Masern wird Pflicht: Ab März 2020 müssen Kinder eine Impfung gegen Masern nachweisen, bevor sie in Kita oder Schule aufgenommen werden. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Christian Ohde

Die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Impfpflicht gegen Masern ist nach Ansicht der Landesärztekammer in Sachsen-Anhalt ein längst überfälliger Schritt. Das hat Ärztekammer-Präsidentin Simone Heinemann-Meerz am Mittwoch im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT betont.

MDR SACHSEN-ANHALT: Frau Heinemann-Meerz, das Bundeskabinett hat für Schulen, Kitas und Kindertagespflegeeinrichtungen eine Impfpflicht gegen Masern auf den Weg gebracht. Eine gute Entscheidung?

Simone Heinemann-Meerz: Das ist eine längst überfällige Entscheidung. Wir alle wissen, dass impfen schützt.

Geht diese Verordnung von oben weit genug? Sprich: Reicht das aus oder muss noch mehr passieren?

Was heißt "Verordnung von oben"? Freiwillig hat es bislang ja nicht funktioniert. Offenbar ist das Handeln des Bundeskabinetts nötig gewesen, damit die Impfquote wieder besser wird.

Aber ist es damit getan?

Simone Heinemann-Meerz, Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalts, 2014
Simone Heinemann-Meerz ist Präsidentin der Landesärztekammer in Sachsen-Anhalt Bildrechte: dpa

Ich würde mir wünschen, dass die Aufklärung besser wird. Dass Menschen mehr Angebote bekommen, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Viele Menschen denken schlicht nicht daran, sich impfen zu lassen – egal, ob wir von Masern, Tetanus oder Hepatitis sprechen. Wenn diese Menschen zum Beispiel bei Reihenuntersuchungen in Schulen oder beim Betriebsarzt damit in Kontakt kommen, ihren Impfausweis vorlegen müssen und gesagt bekommen, was fehlt, wäre das eine schöne Sache. Dann würden sich mehr Menschen impfen lassen. Manche wissen nicht einmal, ob sie einen Impfausweis haben.

Nun gibt es ja auch Impfgegner, und das ist nicht in kleiner Zahl. Wie sehen das denn Ihre Kollegen, also die Ärzte in Sachsen-Anhalt. Gibt es da Widerstand gegen die Regelung des Bundes?

Die sind alle mit im Boot, denke ich. Im Osten sind Impfgegner sowieso kein großes Problem. Wir sind damit groß geworden, dass man geimpft wird. Dass man einen Impfausweis hat, in dem alles drin steht. Und dass man aufmerksam gemacht wird, Impfungen aufzufrischen.

Impfpflicht soll ab März 2020 gelten Am Mittwoch hatte das Bundeskabinett einen Gesetzesentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beschlossen. Eltern müssen demnach ab März 2020 nachweisen, dass ihre Kinder geimpft sind. Erst dann werden die Kinder in eine Kita oder Schule aufgenommen. Ungeimpfte Kinder dürfen nicht mehr in Kitas aufgenommen werden. Nach dem Kabinett muss dem Gesetz allerdings noch der Bundestag zustimmen.

Die Impfpflicht soll auch für das Personal in Schulen oder Kitas gelten. Wer keine Impfungen nachweisen kann, dem drohen Bußgelder bis 2.500 Euro. Das klingt nach hohem bürokratischem Aufwand. Ist der überhaupt zu stemmen?

Ich kann ehrlich gesagt keinen bürokratischen Aufwand erkennen. Wenn ich in die Schule oder die Kita komme und dort arbeiten will, habe ich einen Imfpausweis vorzulegen. In der Lebensmittelbranche sind sicher auch Untersuchungen nötig, bevor man dort einen Job anfangen kann.

Aus Thüringen und Sachsen wurde Kritik am Gesetzesentwurf von Bundesgesundheitsminister Spahn laut. Für freiwillige Reihenimpfungen an Schulen fehle das Personal, hieß es. Gibt es in Sachsen-Anhalt ausreichend Ärzte?

Es ist genug Impfstoff da, es sind genug Ärzte da. Die Impfungen können Hausärzte machen, das können Kinderärzte machen oder Betriebsärzte. Das passiert zu Grippezeiten ja auch.

Aus Sachsen hieß es, es müsse spezielle Hygieneräume geben.

Von Hygieneräumen für Impfungen habe ich ehrlich gesagt noch nie etwas gehört. Ich kenne den Kontext jetzt nicht. Aber wenn in den Praxen geimpft wird, hat man dafür auch keine eigenen Räume. Man benötigt etwas zum Desinfizieren an der Hautstelle, an der man impft. Der Patient wird aufgeklärt und bekommt die Impfung. Das dauert weniger als fünf Minuten.

Frau Heinemann-Meerz, wir danken für das Gespräch.

Die Fragen stellte Norma Düsekow.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. Juli 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2019, 22:48 Uhr

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4 Kommentare

18.07.2019 16:23 Einstein13 4

Wir sollten doch alle froh sein das es solche Impfung bei uns gibt.In andere Länder wären die Menschen froh wenn es solche Impfung geben würde. Ansteckende Krankheiten haben schon ganze Völker fast eliminiert.

18.07.2019 13:42 B 3

@ 1 richtig es würd höchste zeit damit aber wie soll das gehen bei den Asylandenkinder wenn die Eltern es nicht wollen wer bezahlt dann die Strafe dazu ??

18.07.2019 11:12 Lehfeldt 2

Wie kann ich etwas begrüßen mit dem ich bereits ohne flächendeckende Verpflichtung völlig überfordert bin?
Diese Rechtmäßigkeit einer ärztliche Behandlung setzt eine ordnungsgemäße Aufklärung voraus.
Die Frage nach den Inhaltsstoffen und Risiken der Impfung hinterlassen doch bereits jetzt bei den Ärzten ratlose Gesichter

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