Blick auf ein Feld im Saalekreis, darauf eine Sachsen-Anhalt-Karte aus Punkten
Der Saalekreis steht vor einer wichtigen Landratswahl. Bildrechte: Inge Roost | Collage: MDR/Max Schörm

Landratswahl Alles gut, im Saalekreis?

Im Saalekreis wird Sonntag ein neuer Landrat gewählt. Fünf Kandidaten und Kandidatinnen treten an. Sie bewerben sich um die Nachfolge des verstorbenen Landrats Frank Bannert. Der Saalekreis steht in vielen Bereichen gut da, das zeigt ein Besuch in Bad Lauchstädt.

Marie-Kristin Landes
Bildrechte: MDR/Jacqueline Schulz

von Marie-Kristin Landes, MDR SACHSEN-ANHALT

Blick auf ein Feld im Saalekreis, darauf eine Sachsen-Anhalt-Karte aus Punkten
Der Saalekreis steht vor einer wichtigen Landratswahl. Bildrechte: Inge Roost | Collage: MDR/Max Schörm

Vom Speckgürtel zu sprechen, ist vielleicht etwas übertrieben. Doch es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass der Saalekreis von der Nähe zu den großen Städten Halle und Leipzig profitiert. Wer von dort raus aufs Land ziehen möchte, für den ist der Saalekreis die erste Wahl.

Auch die vierköpfige Familie Arendholz ist im vergangenen Jahr von Halle in den Saalekreis, genauer Bad Lauchstädt gezogen. "Wir sind beide recht dörflich aufgewachsen und sind dann fürs Studium nach Halle. In jungen Jahren hat uns das auch sehr gut gefallen. Als wir beide fertig waren mit dem Studium haben sich halt die Prioritäten verschoben," sagt Katrin Arendholz.

Das Ehepaar Arendholz steht vor dem Brunnen das Kurparks Bad Lauchstädt.
Katrin und Björn Arendholz sind im Frühjahr 2018 mit ihren zwei Kindern von Halle nach Bad Lauchstädt gezogen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Von Halle nach Bad Lauchstädt

Es sind vor allem Familien wie die Arendholzes, die nach Bad Lauchstädt ziehen, aber auch Rentner, die einen ruhigeren Lebensabend suchen. Bad Lauchstädt ist eine der Kommunen, die durch die Nähe zu Halle besonders profitiert. Allein im vergangenen Jahr kamen 106 Personen von Halle dorthin. Andersherum waren es nur 65. Das macht sich in der Goethestadt bemerkbar.

Bauarbeiten und ein gelber Bagger mitten in der kleinen Bad Lauchstädter Innenstadt.
In Bad Lauchstädt wird derzeit viel gebaut. Die kleine Stadt profitiert von der Nähe zu Halle. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer Bad Lauchstädt besucht, trifft an vielen Ecken auf Bauarbeiter und Bagger. Freie Baugrundstücke oder Häuser gibt es kaum noch. Wenn doch, sind sie schnell verkauft, sagt Bürgermeister Christian Runkel (CDU). Dass seine Stadt wächst, mache sich auch in den Vereinen bemerkbar, deren Mitgliederzahlen steigen.

"Attraktiv macht uns natürlich die Lage im Herzen Mitteldeutschlands. Unmittelbar in der besten Infrastruktur, die es gibt – in der Nähe der allergrößten Autobahnen," erklärt Bürgermeister Runkel. Das kann Familie Arendholz bestätigen. Auch für sie waren die kurzen Wege ein ausschlaggebendes Kriterium. Katrin Arendholz arbeitet in Halle als Juristin, Björn Arendholz ist Lehrer in Merseburg.

Fortzüge (Quelle: Statistisches Landesamt)
  2014 2015 2016 2017 2018
Von Halle nach Bad Lauchstädt 62 65 99 80 106
Von Bad Lauchstädt nach Halle 64 62 60 54 65

Grafik Wanderungsstatistik
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wirtschaftsmotor Saalekreis

Auch im Saalekreis selbst gibt es Jobs. Dank der Ansiedelung zahlreicher großer Unternehmen und dem Chemiepark Leuna. Die Arbeitslosenquote lag laut Agentur für Arbeit im August 2019 bei 6 Prozent. Das ist die drittniedrigste in ganz Sachsen-Anhalt und unterhalb des Landesdurchschnitts. Der lag im August bei 7,1 Prozent.

Grafik Bruttoinlandsprodukt
Im Saalekreis liegt das Bruttoinlandsprodukt über dem Landesdurchschnitt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Kreis gilt als Wirtschaftsmotor des Landes. Während das durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt 2017 bei 61.086 Euro lag, erwirtschaftete der Saalekreis ein BIP von 75.433 Euro. All das macht den Saalekreis natürlich attraktiv.

Nicht nur in Bad Lauchstädt, in vielen Kommunen ist der Zugzug spürbar. Davon profitiert der gesamte Saalekreis. Während in vielen Kreisen ein Bevölkerungsrückgang erwartet wird, sinkt dort die Einwohnerzahl langsamer. Im vergangenen Jahr hat es mit 375 Personen mehr Zu- als Fortzüge gegeben. Das heißt jedoch nicht, dass alles gut im Saalekreis läuft.

Fehlendes Geld und Infrakstrukturprobleme

Porträtaufnahme des Bad Lauchstädter Bürgermeisters in dunklem Sakko. Im Hintergrund das Rathaus.
Bad Lauchstädts Bürgermeister Christian Runkel (CDU) sieht auf den Saalekreis auch Probleme zu kommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Boomtown oder -kreis zu sein bedeutet natürlich auch, dass mit dem Zuzug die Kapazitäten an Infrastruktur zu neige gehen", sagt Bad Lauchstädts Bürgermeister Runkel. Heißt konkret: Schulen müssen erweitert, Straßen ausgebaut werden. Er sieht auf den Kreis aber ein noch viel größeres Problem zukommen: fehlendes Geld.

"Man sieht in den nächsten Jahren die Tendenz, dass die Steuereinahmen nicht mehr in dem Umfang sprudeln werden." In Bad Lauchstädt seien schon in diesem Jahr die Gewerbesteuern eingebrochen. Für den Kreis bedeutet das, dass die sogenannte Kreisumlage – Geld, das die Kommunen überweisen – ebenfalls sinkt. Damit steht weniger Geld für wichtige Projekte zur Verfügung.

Kein Kinderarzt und wenig Busse

Nicht nur Christian Runkel sieht Probleme im Saalekreis, auch Familie Arendholz. "Wir fahren zum Beispiel immer noch zum Kinderarzt nach Halle, weil wir hier einfach keinen Kinderarzt gefunden haben", sagt Björn Arendholz. In Bad Lauchstädt gebe es zwar gute Hausärzte, aber keinen Kinderarzt. In der Kreisstadt Merseburg wiederum seien alle überfüllt.

"Das Zweite ist sicherlich die öffentliche-Infrastruktur, gerade Busse und Züge. Da siehts gerade in den Kleinstädten sehr mau aus." Und das ist sicherlich noch nicht alles. Für den zukünftigen Landrat oder die zukünftige Landrätin gibt es also noch viel zu tun, wenn der Saalekreis auch langfristig "Boomkreis" bleiben soll.

Marie-Kristin Landes
Bildrechte: MDR/Jacqueline Schulz

Über die Autorin Marie-Kristin Landes ist in Dessau-Roßlau geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur zog es sie für ein Politikstudium erst nach Dresden, dann für den Master Journalistik nach Leipzig. Praktische Erfahrungen sammelte sie bei der Sächsischen Zeitung, dem ZDF-Auslandsstudio Wien und als freie Mitarbeiterin für das Onlineradio detektor.fm. Nach ihrem Volontariat beim Mitteldeutschen Rundfunk arbeitet sie jetzt vor allem für MDR Kultur und das Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt. Wenn sie nicht gerade für den MDR unterwegs ist, ist sie am liebsten einfach draußen. Zwischen Meer oder Berge kann sie sich dabei genauso wenig wie zwischen Hund oder Katze entscheiden.

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Quelle: MDR/mkl

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 25. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2019, 16:14 Uhr

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