Trockenheit und Dürre "Petri Heil": Landtag will Anglern helfen – und Fischsterben stoppen

Von der Dürre und ihren Folgen wird seit Monaten geredet. Eher am Rande spielen dabei Angler eine Rolle. Doch auch sie spüren die Folgen der beiden trockenen und heißen Sommer auf drastische Art und Weise. Denn: Weil viele Seen in Sachsen-Anhalt gekippt oder trockengefallen sind, sind Tausende Fische verendet. Qualvoll. In vielen Gewässern ist die Ökologie nicht mehr intakt. Dagegen muss etwas getan werden, sind sich die Fraktionen im Landtag einig. Was genau, das soll erst noch verhandelt werden.

Robert Frenzel und Ingo Borkmann (v.l.) vom Institut für Binnenfischerei Potsdam in einem grünen Kahn auf einem Fluss
Angler sollen künftig vom Land mehr Unterstützung erhalten – wann ist noch unklar. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Es gab sie diesen Sommer zuhauf: Tote Fische, elendig und qualvoll verendet. Es gab sie im Stadtsee in Stendal, in einem Teich in Meseberg in der Börde oder im Großen Teich in Bitterfeld. Man könnte diese Liste gewiss fortsetzen. Der Sommer 2019 stand erneut nicht nur im Zeichen vertrockneter Ernten, er stand auch im Zeichen des Fischsterbens. Denn wo es zu wenig Sauerstoff im Gewässer gibt, sterben nun einmal Fische. Und das ist ein Problem, sind Fische doch von großer Bedeutung für die Ökologie von Gewässern.

Und es sind nicht nur die Fische, die wichtig sind für die Ökologie der Gewässer. Es sind auch die Angler in Sachsen-Anhalt. Sie sind es, die mit ihrem oft ehrenamtlichen Einsatz Gewässer pflegen, reinigen und damit viel für die Fische in diesen Teichen, Bächen und Seen tun. Und es waren dann auch die Angler, die am Freitagmorgen im Landtag im Mittelpunkt standen. Nach dem Antrag der Linken sollen sie beim Wiederaufbau naturnaher Fischbestände stärker gefördert werden, von 250.000 Euro im anstehenden Doppelhaushalt war im Vorfeld die Rede.

Der Landesanglerverband

Zum Landesanglerverband Sachsen-Anhalt gehören mehr als 100 Angelvereine mit insgesamt mehr als 43.000 Mitgliedern. Dazu gehören auch rund 4.300 Kinder und Jugendliche.

Die wird es – jedenfalls vorerst – nicht geben. Und das liegt nicht daran, dass Ministerin Petra Grimm-Benne (SPD) für die Landesregierung Zweifel anmeldete. Grimm-Benne schlug vor, die Situation erst einmal gründlich zu analysieren, bevor über Geld aus dem Landeshaushalt entschieden wird. Auch im Landtag war man sich am Ende der Diskussion einig, die Gemengelage noch einmal im Fachausschuss für Umwelt und Energie zu diskutieren. Dann sollen auch Vertreter des Landesanglerverbandes dabei sein und ihren Standpunkt deutlich machen können. Was dabei herauskommt, ist noch offen.

Klar ist: Wenn Fische sterben, dann kann das viele Ursachen haben. Das zeigt eine Aufstellung des Landesamts für Verbraucherschutz recht deutlich. Seuchen, Viren, Infektionskrankheiten oder eben ein Mangel ein Sauerstoff – all das sind einige der möglichen Ursachen.

Dürre schadet Wasserhaushalt

Dass es aber Probleme gibt bei den Gewässern in Sachsen-Anhalt und dass es die Angler sind, die diese Probleme lösen können, das ist im Landtag unstrittig. Kein Wunder also, dass während der Debatte das eine ums andere Mal der Anglergruß "Petri Heil" zu hören war – auch von Andreas Höppner. Der Linken-Abgeordnete betonte die Bedeutung von Anglern. Machte klar, dass wegen der beiden Dürresommer in Serie der Wasserhaushalt an vielen Stellen aus dem Gleichgewicht geraten sei. Das zu verändern, sei Aufgabe der gesamten Gesellschaft, befand Höppner.

Handlungsbedarf sehen alle

"Klimaschutz ist Gewässerschutz", machte für die Grünen Wolfgang Aldag klar. Im abgelaufenen Sommer seien erneut viele Gewässer trocken gefallen, sagte er und verwies auf Schrote, Ehle, Holtemme oder Selke. CDU-Mann Lars-Jörn Zimmer, selbst Angler und wohl auch deshalb mit einem "Petri Heil" ans Rednerpult getreten, sprach sich für ein "gesamtwasserwirtschaftliches System" aus. Es brauche ein aufeinander abgestimmtes Umweltrecht. Zum Beispiel müsse klar geregelt sein, wie und wann Wasser aus stehenden Gewässern entnommen werden und in andere Gewässer gespeist werden kann. Dass es nicht unbegrenzt viel Wasser gibt, machte für die AfD Lydia Funke deutlich – und warb für den Alternativantrag ihrer Fraktion. Und Jürgen Barth sagte für die SPD: "Angler sind in erster Linie Naturschützer." Mit dieser Meinung stand er im Landtag nicht allein da.

Quelle: MDR/ld/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 27. September 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2019, 15:04 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen-Anhalt