Rückblick auf die Anfänge 30 Jahre Sachsen-Anhalt: "Auf das schauen, was wir erreicht haben"

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

30 Jahre Sachsen-Anhalt: Was einst als Zusammenschluss der DDR-Bezirke Magdeburg und Halle begann, ist heute zur "Erfolgsgeschichte" geworden – sagt jedenfalls der Ministerpräsident. Doch im Landtag sieht das längst nicht jeder so. MDR SACHSEN-ANHALT blickt auf die Anfänge des Landes zurück und hat Stimmen zur Regierungserklärung zusammengestellt.

v.l.: Dr. Horst Rehberger (FDP/Wirtschaft), Prof. Dr. Werner Münch (CDU/Finanzen), Walter Remmers (CDU/Justiz) und Werner Schreiber (CDU/Arbeit und Soziales), aufgenommen am 02.11.1990 in Dessau.
30 Jahre Sachsen-Anhalt: Das Bild zeigt mit Horst Rehberger (von links), Werner Münch, Walter Remmers und Werner Schreiber Minister der ersten in Sachsen-Anhalt gewählten Landesregierung – aufgenommen im Herbst 1990 in Dessau. Bildrechte: dpa

Es war einmal ein kleines Land, das hatte viel zu bieten. Es hatte landschaftlich herrliche Gegenden, hatte Flüsse und ein bekanntes Weinanbaugebiet. Und es hatte Ecken, zu denen kaum ein Tourist Nein sagen konnte. Doch das war noch nicht alles. Nein, das Land punktete auch mit urbanen Gegenden – wenn auch nicht mit vielen. Doch es hatte sich entwickelt. Peu a Peu. Langsamer als viele andere, aber es entwickelte sich. Irgendwann war dieses Land besonders in seinem südlichen Gebiet gut angebunden an die großen, boomenden Gegenden. Es ging voran. Peu a Peu. Doch wie jedes andere Land hatte auch dieses Land seine Probleme: In all den Statistiken taucht es ganz gern mal auf den letzten Plätzen auf. Wenn es um Bildung geht oder um die Zufriedenheit der Menschen.

Das hier ist die Geschichte eines Landes, das oft mit dem Begriff "Flächenland" abgespeist wird, wobei das doch eigentlich gar nichts Schlechtes bedeuten muss.

Das hier ist die Geschichte von Sachsen-Anhalt. 30 Jahre währt diese Geschichte nun. Es ist die Geschichte von Aufbrüchen, großen Emotionen und Rückschlägen. Gerade deshalb lohnt es sich, auf diese Geschichte zurückzublicken. Und damit sind wir in der Gegenwart. Oktober 2020. Happy Birthday, Sachsen-Anhalt!

Jahr der Entscheidungen: Sachsen-Anhalts Gründungsgeschichte im Schnelldurchlauf
28. März 1990: Die Runden Tische der Bezirke Magdeburg und Halle und der Stadt Dessau schließen sich zu einem gemeinsamen Runden Tisch zusammen. Eine von dort aus beauftragte Gruppe sollte sich mit der Gründung Sachsen-Anhalts (Landtag, Struktur des Landes, ...) beschäftigen. Schnell ging es dabei auch um die Frage, wer Landeshauptstadt wird.
24. April 1990: Keinen Monat später informieren die Räte der Bezirke Halle und Magdeburg den Runden Tisch darüber, dass die Regierung der DDR für eine Föderalisierung des Staates in fünf Länder ist. Sachsen-Anhalt soll aus den Bezirken Halle und Magdeburg entstehen. Noch immer wird heiß über die Frage diskutiert, wer Landeshauptstadt wird.
22. Juli 1990: Die Gründung Sachsen-Anhalts ist beschlossen – von der Volkskammer der DDR. Ebenfalls beschlossen: In den neu entstandenen Bundesländern (neben Sachsen-Anhalt auch Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern) soll am 14. Oktober 1990 ein Landtag gewählt werden. Die Entscheidung der SED Anfang der 1950er, aus den Ländern 14 Bezirke zu machen, ist damit rückgängig gemacht. Eine Entscheidung zur Landeshauptstadt-Frage gibt es noch immer nicht.
23. August 1990: Die DDR-Volkskammer beschließt auf einer Sondersitzung den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland.
14. Oktober 1990: In Sachsen-Anhalt sind rund 2,2 Millionen Menschen aufgerufen, ihren Landtag zu wählen. Die CDU gewinnt die Wahl deutlich.
28. Oktober 1990: Gerade einmal zwei Wochen später wird Gerd Gies (CDU) zum ersten Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts gewählt. Jetzt ist auch entschieden, wer Landeshauptstadt wird: Magdeburg – mit knappem Vorsprung.

Quelle: Landtag von Sachsen-Anhalt

14. Oktober 1990: Die erste Landtagswahl

Fast auf den Tag genau vor 30 Jahren – am 14. Oktober 1990 – waren die Menschen aufgerufen, den ersten Landtag von Sachsen-Anhalt nach der Wiedervereinigung zu wählen. Die Feier zu 30 Jahren Sachsen-Anhalt war deshalb ursprünglich auf vergangenen Mittwoch – am 14. Oktober 2020 – gelegt worden. Aber: Die Kanzlerin hatte die Ministerpräsidenten wegen steigender Infektionszahlen mit dem Coronavirus zur Beratungsrunde nach Berlin geladen – also auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU).

So wurde nun also diesen Freitag an die erste Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erinnert. Die hatte vor drei Jahrzehnten die CDU deutlich für sich entschieden – gefolgt von SPD, FDP, PDS und den Grünen. Übrigens: Ein Landtagsabgeordneter, der 1990 gewählt worden ist, sitzt noch heute im Landtag. Es ist Detlef Gürth von der CDU.

2. November 1990: Die erste Landesregierung

Nur zwei Wochen nach der Wahl des Landtags wurde am 28. Oktober 1990 Gerd Gies (CDU) zum ersten Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt. Wenige Tage später stellte Gies in Dessau seine Regierung vor.

  • Innenminister: Wolfgang Braun, CDU
  • Finanzminister: Werner Münch, CDU
  • Justizminister: Walter Remmers, CDU
  • Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten: Gerd Brunner, FDP
  • Minister für Wirtschaft, Technologie und Verkehr: Horst Rehberger (FDP)
  • Minister für Arbeit und Soziales: Werner Schreiber (CDU)
  • Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten: Otto Mintus (CDU)
  • Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur: Werner Sobetzko (CDU)
  • Minister für Umwelt und Naturschutz: Wolfgang Rauls (FDP)


Quelle: Landtag von Sachsen-Anhalt

v.l.: Dr. Horst Rehberger (FDP/Wirtschaft), Werner Schreiber (CDU/Arbeit und Soziales), Prof. Dr. Werner Münch (CDU/Finanzen), Prof. Dr. Gerd Brunner (FDP/Bundes- und Europaangelegenheit), Wolfgang Rauls, hinten (FDP/Umwelt- und Naturschutz), Ministerpräsident Dr. Gerd Gies (CDU), Walter Remmers (CDU/Justiz), Wolfgang Braun (CDU/Inneres), Otto Mintus (CDU/Ernähung und Forstwirtschaft ) und Dr. Werner Sobetzko (CDU/Bildung, Wissenschaft und Kultur) aufgenommen am 02.11.1990 in Dessau
Viele Männer, keine Frau: Sachsen-Anhalts erste Landesregierung mit (von links) Dr. Horst Rehberger, Werner Schreiber, Prof. Dr. Werner Münch, Prof. Dr. Gerd Brunner, Wolfgang Rauls, (hinten) Ministerpräsident Dr. Gerd Gies, Walter Remmers, Wolfgang Braun, Otto Mintus und Dr. Werner Sobetzko. Das Bild wurde am 2. November 1990 in Dessau aufgenommen. Bildrechte: dpa

Freitagvormittag im Magdeburger Landtag. Draußen dominiert die trübe Oktoberluft, im Plenarsaal sitzen die Abgeordneten und die Landesregierung auf Abstand. Feiern in Corona-Zeiten. Man kennt das ja inzwischen. Reiner Haseloff ist seit rund neun Jahren Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Und wenn es nach ihm und seiner CDU geht, wird er das auch noch ein paar Jahre bleiben. Haseloff will auch kommendes Jahr als Spitzenkandidat ins Rennen gehen. Ganz gleich, ob er gewählt wird: Mit zehn Jahren – oder später womöglich 15 Jahren – im Amt ist der 66-Jährige einer derer, die Sachsen-Anhalt politisch maßgeblich geprägt haben. Kein Regierungschef von Sachsen-Anhalt war länger als zwei Wahlperioden im Amt. Haseloff könnte der erste sein.

Thomas Felke, SPD, ehemaliger Landtagsabgeordneter aus Halle, während eines Interviews. 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE Fr 16.10.2020 19:00Uhr 02:59 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Dankbarkeit für die, die die Einheit ermöglicht haben

Die Haseloff-Jahre seien Jahre des Stillstandes, kritisiert besonders die Linke im Landtag wieder und wieder. Der Ministerpräsident selbst sieht das naturgemäß anders. Als er an diesem Tag eine Regierungserklärung zu 30 Jahren Sachsen-Anhalt hält, kommt die nicht ohne Beispiele dafür aus, wie gut Sachsen-Anhalt sich in der jüngeren Vergangenheit entwickelt habe. Doch Reiner Haseloff spricht zunächst von Dankbarkeit. Dankbarkeit für die deutsche Einheit – für diejenigen, die immer an sie geglaubt und für sie gekämpft haben. Kohl. Genscher. De Maiziére. Brandt. Gorbatschow. Dankbarkeit für die, die 1989 friedlich protestierend auf die Straße gegangen sind.

Nun, da all die Jubiläen gefeiert wurden – 30 Jahre Mauerfall, 30 Jahre Wiedervereinigung – ist wieder viel über die "blühenden Landschaften" gesprochen und geschrieben worden, die Helmut Kohl einst versprochen hatte. Und es ist über die Enttäuschung vieler gesprochen worden, deren Hoffnungen sich nicht erfüllt haben. Haseloff sagt dazu:

Mit dem Versprechen der blühenden Landschaften verhält es sich wie mit so vielem: Es ist eine Frage der Perspektive. Manch einer glaubte, die deutsche Einheit sei für ihn automatisch der Fahrschein zum menschlichen Glück, und war einige Jahre später enttäuscht, als die Fahrt länger dauerte als geplant.

Reiner Haseloff Ministerpräsident

Als Reiner Haseloff von seinen Erinnerungen an die Wende und von seinem 35-jährigen Ich im Jahr 1989 spricht, da sagt er zwei Sätze, deren Bedeutung sich durch seine ganze Rede ziehen: "Der Reiner Haseloff des Jahres 1989 hätte nicht im Traum gehofft, dass seine Heimatstadt Wittenberg des Jahres 2020 jemals so aussehen könnte. Und wenn wir mit wachem Blick und der Erinnerung an 1989 durch unsere Städte und Gemeinden gehen, finden wir das überall."

Erleichterung, Dank und ein wenig Stolz

Gerd Gies (CDU), erster gewählter Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, lächelt am 02.11.1990 in Dessau
Der erste Ministerpräsident: Gerd Gies von der CDU wurde Ende Oktober 1990 ins Amt gewählt. Bildrechte: dpa

Reiner Haseloff ist ein Verfechter der Wiedervereinigung. Aus seinen Worten sprechen Erleichterung, Dank und auch ein wenig Stolz. Gewiss: Man hört ihm all das nicht unbedingt an, so stoisch, wie er diese Erfolge vorträgt – fast klingt Reiner Haseloff an diesem Vormittag, als würde ihn all das emotional nicht besonders berühren. Doch die Wahrheit ist bekanntlich eine andere: Haseloff – der, der die Hälfte seines Lebens in der DDR und zur Hälfte im wiedervereinigten Deutschland gelebt hat – zählt auf, was sich seit 1990 verbessert hat. Er spricht von Milliarden-Investitionen in das Gesundheitssystem und für die Altlastensanierung, referiert über Städtebauförderung. Doch er sagt auch – wenn auch nur kurz –, dass die wirtschaftliche Angleichung von Ost und West ein schwieriger Prozess sei. Dass die Einheit kein Selbstläufer sei.

30 Jahre Sachsen-Anhalt: Das sagen AfD, Linke, SPD und Grüne

Fraktionsvorsitzender Oliver Kirchner
Oliver Kirchner, AfD

Er sei froh, dass es 1989 und 1990 so gekommen sei, wie es gekommen sei, sagte am Freitag Oliver Kirchner. "Ich habe aber nicht vergessen, wie es sich im Unrechtsstaat lebte." Das, was 1989 niedergerungen worden sei, scheine sich nun am Horizont neu abzuzeichnen. Das wolle er nicht zulassen. "Die Lebensumstände in diesem Land sind schwierig", sagte Kirchner und zählte unter anderem auf, dass viele Rentner auch in ihrem Ruhestand arbeiten müssen, um zu überleben. "Dieses Land hat Probleme zuhauf", rief Kirchner. Seine Eltern und Großeltern hätten sich dieses Land vor 30 Jahren gewiss nicht so vorgestellt, "wie Sie das planen".
Bildrechte: IMAGO
Fraktionsvorsitzender Oliver Kirchner
Oliver Kirchner, AfD

Er sei froh, dass es 1989 und 1990 so gekommen sei, wie es gekommen sei, sagte am Freitag Oliver Kirchner. "Ich habe aber nicht vergessen, wie es sich im Unrechtsstaat lebte." Das, was 1989 niedergerungen worden sei, scheine sich nun am Horizont neu abzuzeichnen. Das wolle er nicht zulassen. "Die Lebensumstände in diesem Land sind schwierig", sagte Kirchner und zählte unter anderem auf, dass viele Rentner auch in ihrem Ruhestand arbeiten müssen, um zu überleben. "Dieses Land hat Probleme zuhauf", rief Kirchner. Seine Eltern und Großeltern hätten sich dieses Land vor 30 Jahren gewiss nicht so vorgestellt, "wie Sie das planen".
Bildrechte: IMAGO
Eva von Angern
Eva von Angern, Die Linke

Die vergangenen 30 Jahre seien nicht leicht gewesen, sagte am Freitag im Landtag Eva von Angern. Der Mut der Menschen und der Mauerfall hätten die Verhältnisse zum Tanzen gebracht. "Doch viele Erwartungen haben sich bis heute nicht erfüllt. Die Wiedervereinigung ist bislang kein Märchen mit Happy End", rief von Angern. Soziale Infrastruktur und soziale Sicherheit seien damals aus den Angeln gehoben worden. Die Corona-Pandemie zeige nun, wie fragil das Gesundheitssystem sei – "und wie falsch die massenhafte Privatisierung der Krankenhäuser war und ist!" Mit Blick auf die Pandemie rief von Angern die Landesregierung auf, die Einschränkungen von Grundrechten müssten im Landtag besprochen und entschieden werden.
Bildrechte: dpa
Katja Pähle (SPD) spricht im Plenarsaal des Landtages zu den Abgeordneten.
Katja Pähle, SPD

Es sei der richtige Zeitpunkt, denen zu danken, denen selten gedankt werde, wenn es um 1989 und 1990 gehe, sagte Katja Pähle. "Ich will denen danken, die nach 1990 hiergeblieben sind. Die Generation meiner Eltern. Die nicht weggegangen sind in die industriellen Zentren Westdeutschlands, obwohl sie dort besser bezahlte Arbeit gefunden hätten." Sachsen-Anhalt werde oft belächelt, sagte Pähle. "Ich mag unser Land, ich mag meine Heimat. Sachsen-Anhalt bietet eine einzigartige Mischung aus historischen Stätten oder Welterben aller Art." Und: Es gebe hier die Möglichkeit, zu gestalten – mit einer Bürgernähe, wie sie in Bayern oder Nordrhein-Westfalen gar nicht denkbar sei. "Ich stimme nicht ein in den Chor derer, die Sachsen-Anhalt belächeln. Wie wir zum Beispiel durch die Coronakrise gekommen sind, ist für viele Länder ein gutes Beispiel."
Bildrechte: dpa
Fraktionsvorsitzende Cornelia Lueddemann (Buendnis 90/ Die Gruenen,Sachsen Anhalt) - Landtagssitzung im Landtag von Sachsen Anhalt
Cornelia Lüddemann, Grüne

Niemals in der deutschen Geschichte hätten wir in solcher Sicherheit und Freiheit gelebt, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Cornelia Lüddemann. Doch die demokratische Ordnung werde von vielen als selbstverständlich gesehen. "Wir müssen sie wieder ausreichend mit Leben erfüllen." Davon lebe Demokratie. Es sei deshalb gut, dass sich Menschen einsetzten für eine lebenswerte Zukunft, sagte Lüddemann mit Blick auf die Bewegungen "Fridays for Future", "Black Lives Matter" oder "Critical Mass". Vor 30 Jahren seien auf der Mulde weiße Schaumkronen geschwommen, erinnerte sie. "Das war ziemlich dramatisch". Nun sei wieder ein Lachs in dem Fluss gesichtet worden. Das sei ein ermutigendes Zeichen, dass mehr drin sei, wenn die Menschen wieder den Mut zur Veränderung aufbrächten, den sie vor 30 Jahren hatten.
Bildrechte: IMAGO
André Poggenburg im Landtag
André Poggenburg, fraktionslos

Der frühere AfD-Chef und heutige fraktionslose Abgeordnete André Poggenburg sagte, es sei nicht gut, dass es 30 Jahre nach der Wiedervereinigung "Armutsspeisungen" und Tafeln gebe im Land. Das sei vor drei Jahrzehnten nicht denkbar gewesen. Es gebe heute Dinge, vor denen in der DDR gewarnt worden sei – Menschen etwa, die auf der Straße lebten.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16.10.2020 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ld
Bildrechte: imago/Christian Schroedter
Alle (5) Bilder anzeigen

Reiner Haseloff macht an diesem Tag den Eindruck eines optimistischen Ministerpräsidenten. Er macht den Eindruck eines Regierungschefs, der an Sachsen-Anhalt und die Zukunft des Landes glaubt. Der 66-Jährige spricht dann davon, dass mehr Menschen ins Land kommen, als es verlassen. Dass sich die Zahl der Studentinnen und Studenten – übrigens auch derer aus dem Ausland – enorm vergrößert hat. Dass der Wirtschaftsstandort – Corona hin oder her – auf einem guten Weg ist. Haseloff nennt dann den Pharmakonzern IDT Biologika aus Dessau, der vorn dabei ist bei der Forschung nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Er nennt die Ansiedlung von Unternehmen zwischen Arendsee und Zeitz – erwähnt stolz, dass erst neulich eine der größten und modernsten Papierfabriken weltweit in Sandersdorf-Brehna eröffnet worden ist.

Kohleausstieg wird die große Herausforderung der Zukunft

Oberbürgermeister a.D. Dr.Willi Polte (Magdeburg,Sachsen Anhalt) bekommt von Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch (CDU,Sachsen Anhalt) den ersten Beschluss aus dem Landtag aus dem Jahr 1990 der Magdeburg zur Landeshauptstadt von Sachsen Anhalt machte geschenkt.
Erinnerungen: Der frühere Magdeburger Oberbürgermeister und Landtagsabgeordnete Willi Polte bekommt 2018 zu seinem 80. Geburtstag den Beschluss des Landtags von 1990 überreicht, der Magdeburg zur Landeshauptstadt machte. Es gratuliert die heutige Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch. Bildrechte: imago images / Christian Schroedter

Er spricht an diesem Tag viel über die Chancen, die die deutsche Einheit den Menschen in Sachsen-Anhalt gebracht hätten. Er blickt aber auch auf das, was da kommt. Auf den Kohleausstieg und den folgenden Strukturwandel. Auf die Herausforderungen der Pandemie, denen der Ministerpräsident anders begegnet als seine Kolleginnen und Kollegen (die aber auch mit deutlich höheren Infektionszahlen zu kämpfen haben) in anderen Bundesländern. Er spricht über den Vertrauensverlust in Politik und Antisemitismus und Rechtsextremismus.

Am Ende seiner Regierungserklärung sieht Reiner Haseloff die Zeit gekommen für einen Wunsch. Es ist folgender: "Mein Wunsch für die Zukunft ist, dass wir in Deutschland nicht so stark darauf schauen, was uns trennt, sondern dass wir vor allem im Blick haben, was uns eint und was wir gemeinsam bereits erreicht haben." Reiner Haseloff sagt, er wolle die "Erfolgsgeschichte" von Sachsen-Anhalt fortschreiben.

Erinnerungen an die erste Sitzung des Landtags: Als junger Volontär dabei

Frank Rugullis
Frank Rugullis ist Leiter der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Von Frank Rugullis, MDR SACHSEN-ANHALT

Als der Landtag Ende Oktober 1990 zum ersten Mal zusammenkam, war ich als junger Volontär dabei. Wir sind vom Funkhaus Halle aus nach Dessau gefahren und waren uns damals ziemlich sicher, dass wir am Abend in die künftige Hauptstadt Halle zurückfahren würden. Es kam bekanntlich anders.

Die Kaserne in Dessau wirkte provisorisch und eilig hergerichtet, es wirkte alles eher schäbig als feierlich. Vieles im Saal und in den Räumen sah aus wie NVA und roch auch so. Der historische Moment dieser ersten Sitzung war deshalb damals für mich wenig zu spüren. Nach meiner Erinnerung überlagerte die Spannung durch die offene Hauptstadtfrage auch jede Feierstimmung.

In der geheimen Wahl konnten sich die frei gewählten Abgeordneten dann zwischen Halle, Magdeburg und Dessau entscheiden. Im ersten Wahlgang schied Dessau aus, im zweiten setzte sich dann Magdeburg bekanntlich knapp gegen Halle durch. Von den 106 stimmberechtigten Abgeordneten waren 57 für Magdeburg. Eine Debatte im Parlament vor dieser historischen Abstimmung gab es interessanterweise nicht.

Wenn ein Geburtstagskind zurückschaut

Es war einmal ein Land, das hatte aller Probleme zum Trotz viel zu bieten. Zu seinem 30. Geburtstag blickten die politischen Repräsentanten dieses Landes auf den Anfang der Geschichte zurück. Sie sprachen darüber, wie gut doch alles gegangen sei – aber auch darüber, was noch getan werden müsse und dass diese Geschichte bislang kein Happy End habe. Immer wieder erzählten die, die das Land führten, dann von Umfragen, in denen stehe, wie gern ein Großteil der Menschen in Sachsen-Anhalt lebe.

Wenig später erschien eine neue Umfrage. Darin sagten die Menschen, dass dieses Land vor allem seine Infrastruktur verbessern müsse und seinen öffentlichen Nahverkehr. Neun von zehn Menschen sagten aber noch etwas anderes: Dass sie gern in Sachsen-Anhalt leben. Alles Gute zum Geburtstag.

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Luca Deutschländer arbeitet seit Januar 2016 bei MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online-Redaktion und im Hörfunk. Seine Schwerpunkte sind Themen aus Politik und Gesellschaft. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat der gebürtige Hesse bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine in Kassel gearbeitet. Während des Journalistik-Studiums in Magdeburg Praktika bei dpa, Hessischem Rundfunk, Süddeutsche.de und dem Kindermagazin "Dein Spiegel". Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Schleinufer in Magdeburg und der Saaleradweg – besonders rund um Naumburg. In seiner Freizeit steht er mit Leidenschaft auf der Theaterbühne.

Mehr zum Thema

Geschichte

Wiedervereinigung - Aufgerissenes Paket mit den Landesfahnen von DDR und BRD, 1990
Bildrechte: imago images / bonn-sequenz

Geschichte

Deutschlandflagge vor dem Brandenburger Tor, 1991.
Bildrechte: imago/Stana

Geschichte

Ein Grossflächenplakat der CDU, Angela Merkel, zu sehen sind die Hände
Bildrechte: imago images / Stefan Zeitz
Auf dem Bild sind zwei Gesichter in Großaufnahme zu sehen, die einander zugewandt sind, vor einem lilafarbenen Hintergrund. Unten im Zentrum ist die Schrift "Von drüben und drüben" zu erkennen. Dabei ist das zweite "drüben" in Spiegelschrift geschrieben.
Bildrechte: MDR / Max Schörm

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16. Oktober 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Gohrisch vor 7 Tagen

Leider immer noch viele Wessis in der Staatskanzlei, in Ministerien und Behörden. In Mehrzahl als leitende „Gestalter“. Schlimm !!!!

Mehr aus Sachsen-Anhalt