Landtag für Modellversuch Sachsen-Anhalt will Autoführerschein ab 16

Den Autoführerschein schon mit 16 machen – und zwei Jahre in Begleitung fahren, ehe es allein ans Steuer geht: Eine gute Sache, meinen die Abgeordneten im Landtag und verweisen auf ein sinkendes Unfallrisiko. Das sei Realität, seit das begleitete Fahren mit 17 eingeführt wurde. Die Parlamentarier haben deshalb am Freitag mit nur einer Gegenstimme dafür geworben, künftig das begleitete Fahren ab 16 zum Modellprojekt zu machen.

Ein Stift auf dem Prüfungsbogen zur Führerscheinprüfung.
Begleitetes Autofahren schon mit 16? Klingt gut, findet der Landtag von Sachsen-Anhalt. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Westend61

Den Autoführerschein schon mit 16 Jahren machen – wenn es nach den Abgeordeten im Landtag geht, könnte das in Zukunft Realität sein. Im Parlament war man sich einig, sich für das begleitete Fahren ab 16 einzusetzen. Ein Vorschlag der Regierungsfraktionen CDU, SPD und Grüne wurde am Freitag mit nur einer einzigen Gegenstimme durchgewunken. Bedeutet: Die Landesregierung soll sich jetzt auf Bundes- und EU-Ebene für einen Modellversuch einsetzen. Sachsen-Anhalt folgt damit den Parlamenten in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Brandenburg, die das begleitete Fahren ab 16 ebenfalls durchsetzen wollen.

Für die CDU wählte Hardy Peter Güssau ein Beispiel aus dem ländlichen Raum. Da sei es schon jetzt üblich, dass 16-Jährige mit einem 300 PS-Traktor, zwei Anhänger inklusive, unterwegs sind – ohne, dass jemand auf dem Beifahrersitz aufpasst. Güssau sagte, das begleitete Fahren mit 17 Jahren habe die Verkehrssicherheit von 18- bis 25-Jährigen spürbar verbessert, bundesweit habe sich das Unfallrisiko von Fahranfängern um 20 Prozent verringert.

Großen Diskussionsbedarf sah in dieser Frage kaum ein Abgeordneter – die Debatte wurde von einer seltenen Einigkeit dominiert. So sagte Falko Grube für die SPD, jede Minute eines Fahranfängers in Begleitung eines erfahrenen Autofahrers sei "eine gute Minute". Doreen Hildebrandt (Die Linke) sieht das ähnlich. Sie betonte aber, dass das Land sich darüber hinaus für einen stärkeren Nahverkehr und einen Ausbau von Radwegen einsetzen müsse. Auch die AfD findet den Vorstoß der Koalitionsfraktionen gut. Es sei erwiesen, dass das begleitete Fahren ab 17 Jahren für mehr Verkehrssicherheit gesorgt habe, sagte der Abgeordnete Matthias Büttner.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Cornelia Lüddemann machte die "Vision Zero" des Landes zum Thema, mit der die Verkehrssicherheit in Sachsen-Anhalt erhöht werden soll. Lüddemann sagte, dazu gehörten auch mehr Tempo 30-Zonen – und dass diese schneller Realität werden müssten.

Die "Vision Zero" 40 Prozent weniger Verkehrstote und 20 Prozent weniger Schwerverletzte bis zum Jahr 2020 – das hat sich die Landesregierung von Sachsen-Anhalt vorgenommen, als sie voriges Jahr das Leitbild "Vision Zero" ins Leben gerufen hat. Die besagt zum Beispiel, dass mehr für Verkehrssicherheit und Regeln im Straßenverkehr sensibilisiert wird. Damit sollen vor allem Fußgänger, Radfahrer und Kinder erreicht werden – und natürlich die Menschen, die Unfälle mit ihrem Verhalten im Straßenverkehr verursachen.

Dass die Parlamentarier für das begleitete Fahren ab 16 sind, bedeutet in der Praxis aber noch keinen Durchbruch. Damit der Modellversuch Realität wird, müssen auf Bundes- und EU-Ebene noch mehrere Hürden genommen werden.

Das begleitete Fahren ab 17 gibt es bundesweit seit 2011. Wer hinter dem Steuer sitzt, muss bis zu seinem 18. Geburtstag von Eltern oder anderen Erwachsenen begleitet werden. Sollte das Pilotprojekt kommen, sollen junge Menschen weiter erst mit 18 Jahren allein am Steuer sitzen dürfen.

Wo Autofahren mit 16 Jahren erlaubt ist

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. November 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2018, 14:58 Uhr

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7 Kommentare

23.11.2018 20:16 W. Merseburger 7

An @6 Frank, sie müssen es schon ertragen, dass es auch andere Meinungen gibt. Schauen sie doch auch mal nach @5! Und übrigens ist die Statistik dazu da, um Erfolge oftmals vorzutäuschen. Wenn sie weiterhin noch günstigere Unfallzahlen wollen, dann sollten sie sich dafür einsetzen, den Führerschein noch weiter vielleicht auf 14 Jahre herabzusetzen. mfg

23.11.2018 18:33 Frank 6

@ 1: Abgesehen davon, dass Sie den gleichen Namen nutzen wie ich , wir aber unterschiedliche User sind. Die Rahmenbedingungen stimmen, sonst wäre der Führerschein mit 17 kein Erfolg. Was also steht dem Vorhaben entgegen, dies auf den Führerschein mit 16 zu erweitern und die erfolgreichen Rahmenbedingungen zu übernehmen? Sie haben sich doch in der Praxis bewährt. Was wollen Sie da verschärfen? Die Unfallzahlen der Fahranfänger sind deutlich gesunken. Reicht das nicht?
@ 4: Haben Sie sich schon einmal damit befasst welche Voraussetzungen ein Betreuer erfüllen muss um Betreuer im betreuten Fahren zu sein? Nein, haben Sie nicht. Ebenso wenig wissen Sie, ab wann ein Mensch uneingeschränkt geschäftsfähig ist. Stichwort Geschäftsfähigkeit von Minderjährigen. Selten so einen Unfug gelesen. Da zeigt das Projekt Führerschein mit 17 positive Wirkungen und soll auf Führerschein mit 16 ausgedehnt werden. Und Ihnen fällt nicht besseres ein als sinnfrei herum zu unken.

23.11.2018 17:55 Urlauber 5

Alletn im Lot-Aber bitte dann auch ab 16 Jahre Erwachsenen Strafrecht.
Wer A sagt ,sollte auch B schlucken.

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