Lotto-Affäre Lotto-Geschäftsführer von Sachsen-Anhalt müssen gehen

Die beiden Geschäftsführer von Lotto-Toto Sachsen-Anhalt, Maren Sieb und Ralf von Einem, müssen gehen. Das wurde am Donnerstag vom Aufsichtsrat beschlossen. Nach monatelanger Kritik an der Arbeit der Lotto-Gesellschaft waren beide schon im Juli von ihren Aufgaben freigestellt worden. Vorgeworfen werden fragwürdige Fördermittelvergaben, der Verdacht der Geldwäsche und mögliche Vetternwirtschaft. Im Landtag beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit dem Thema.

Die Geschäftsführerin der Lotto Toto Sachsen-Anhalt GmbH, Maren Sieb.
Gemeinsam mit ihrem Geschäftsführer-Kollegen Ralf von Einem ist Maren Sieb mit sofortiger Wirkung als Geschäftsführerin entlassen worden. Bildrechte: dpa

Die beiden Lotto-Toto-Geschäftsführer in Sachsen-Anhalt werden mit sofortiger Wirkung entlassen. Das sagte Aufsichtsratschef und Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) nach einer Beratung des Gremiums am Donnerstagnachmittag in Magdeburg. Es sollen Abfindungen ausgehandelt werden. Derzeit führt ein Interimschef die Lotto-Geschäfte. Maren Sieb und Ralf von Einem waren seit Juli 2020 freigestellt.

Welche Vorwürfe im Raum stehen

Ein Untersuchungsausschuss im Landtag befasst sich seit September 2019 mit dem Unternehmen in Landesbesitz. Er soll unter anderem für die Jahre 2012 bis 2018 klären, ob Lotto-Fördergelder korrekt eingesetzt wurden und ob die Gehaltssteigerungen innerhalb der Lotto-Gesellschaft verhältnismäßig waren. Bis November soll die Beweisführung abgeschlossen sein.

Außerdem hat es Prüfungen der Glücksspielaufsicht und eines externen Sachverständigen gegeben. Auch der Landesrechnungshof hatte die Lotto-Gesellschaft kritisiert.

Der Vorsitzende des Lotto-Untersuchungsausschuss im Landtag, Andreas Steppuhn (SPD), hatte MDR SACHSEN-ANHALT gesagt, er gehe davon aus, dass die vorliegenden Erkenntnisse zur Beendigung der Dienstverhältnisse mit den beiden Geschäftsführern führen müssten.

Lob und Kritik für Aufsichtsrats-Entscheidung

Als Reaktion auf die Abberufung sagte Steppuhn dem MDR am Donnerstag, der Schritt des Aufsichtsrates bringe Ruhe in die Lotto-Gesellschaft. Was den Untersuchungsausschuss betrifft, gehe er davon aus, "dass es unter Umständen gelingen kann, die Beweisaufnahme im November abzuschließen."

Der AfD-Politiker Jan-Wenzel Schmidt, der dem Untersuchungsausschuss ebenfalls angehört, kritisierte bei MDR SACHSEN-ANHALT, die Abberufung der beiden Geschäftsführer durch den Aufsichtsrat komme viel zu spät. Man habe bereits Anfang des Jahres nachweisen können, dass die Geschäftsführung von den Vorgängen mit den Großspielern Kenntnis gehabt habe.

Großspieler hatten in der Vergangenheit über eine Sportwette bei Lotto hohe Gewinne abkassiert. Hinweise auf Ungereimtheiten soll Sachsen-Anhalts Lotto-Spitze nicht ausreichend beachtet haben. Hinzu kommen der Verdacht der Geldwäsche und Vorwürfe möglicher Vetternwirtschaft.

Die Staatsanwaltschaft München I hatte im Januar 2020 nach eigenen Angaben ein Prüfverfahren nach dem Geldwäschegesetz aufgenommen. Das Verfahren sei an die zuständige Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau abgegeben worden.

Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wie | 17. September 2020 | 16:00 Uhr

7 Kommentare

Ekkehard Kohfeld vor 4 Wochen

Richtig und wenn sie wieder Geld benötigen fängt das ganze von vorne an,ich weiß wovon ich spreche als in der eigenen Firma mit erlebt und das sogar mehrfach.Das härteste war ein Geschätsführer wurde wie man das so schön vormoliert im Einverständnis entlassen weil er es nicht hinbekommen hat bekommt ein dicke Abfindung (10 M) und mach sich als Unternehmensberater selbständig und wird von meiner Firma beauftragt die Firma zu sanieren,schlimmere Schildbürgerstreiche gibt es wohl nicht.😱😱😱

Gerald vor 4 Wochen

Als Reaktion auf die Abberufung sagte Steppuhn dem MDR am Donnerstag, der Schritt des Aufsichtsrates bringe Ruhe in die Lotto-Gesellschaft.
Die Frage müsste eigentlich heißen, was hat der Aufsichtsrat in all den Jahren überhaupt gemacht beziehungsweise beaufsichtigt? Etwa Däumchen gedreht?

Xenjo vor 4 Wochen

Jeder normale Arbeitnehmer wird gefeuert wenn er Mist baut. Bei den "Oberen" wird noch über eine Abfindung verhandelt. Soviel dazu, das alle "gleich" sind vor dem Grundgesetz. Ich bin einfach nur sprachlos.

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