Landwirtschaft Schutz vor dem Wolf: Land zahlt Zäune und Hunde ab sofort komplett

Mindestens 92 Wölfe leben in Sachsen-Anhalt. Und die Raubtiere bereiten vor allem Landwirten immer wieder Sorgen – wenn Schafe oder Rinder gerissen werden. Um die Herden so gut wie möglich zu schützen, setzen viele Tierhalter auf Zäune oder Herdenschutzhunde. Beides wird ab sofort komplett vom Land finanziert.

Herdenschutzhund
Schafsherden können zum Beispiel mit Hunden geschützt werden. (Archivfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer in Sachsen-Anhalt Nutztiere wie Schafe hält, bekommt für den Herdenschutz ab sofort mehr Geld vom Land. Ziel ist, Wolfsangriffe zu verhindern. Wie das Umweltministerium am Sonnabend mitgeteilt hat, wird die Anschaffung von Zäunen und Zubehör sowie Herdenschutzhunden nun zu 100 Prozent bezahlt – bislang waren es 80 Prozent, den Rest mussten Tierhalter selbst beisteuern.

Dass das Land seine Unterstützung erhöht, war bereits vor längerer Zeit angekündigt worden. Nun also ist die Finanzspritze Realität geworden – und Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) ist überzeugt, dass das der richtige Schritt ist. "Präventiver Herdenschutz ist die beste Maßnahme, mit der Weidetierhalter ihre Herde vor Übergriffen durch den Wolf schützen können", sagte sie. Wolfssichere Zäune könnten die Raubtiere wirksam von den Herden fernhalten. Das sei wichtig, weil die Haltung von Weidetieren einen "enorm wichtigen Beitrag" zum Erhalt der Artenvielfalt leiste.

Ein Nebeneinander von Wolf und Weidetieren ist möglich.

Umweltministerin Claudia Dalbert
Tote Schafe
Wenn der Wolf zuschlägt, endet das für Schafe – auf dem Bild in Sachsen – meist tödlich. Bildrechte: MDR/Benno Bilk

92 Wölfe leben nach aktuellen Erkenntnissen in Sachsen-Anhalt. Problematisch wird es vor allen Dingen dann, wenn die Wölfe Schafe und Rinder angreifen und töten. 56 Übergriffe auf Herden wurden im vorigen Jahr vom Wolfskompetenzzentrum in Iden gezählt, 174 Tiere wurden dabei getötet. Und auch dieses Jahr hat es bereits Wolfsrisse gegeben: Bis Mitte April wurden sieben Angriffe und 45 tote Tiere dem Wolf zugeordnet.

Für jedes vom Wolf oder Luchs getötete Tier zahlt das Umweltministerium einen finanziellen Ausgleich. Um den kompletten Schaden ersetzt zu bekommen, müssen Halter allerdings nachweisen, dass sie ihre Tiere ausreichend vor Angriffen geschützt haben, zum Beispiel mit geeigneten Zäunen.

Kritikern reicht das nicht. Sie fordern regelmäßig, den Abschuss von Wölfen zu erleichtern. Erst neulich hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) eine Änderung des Naturschutzgesetzes angekündigt. Ein Wolf soll demnach künftig bereits dann geschossen werden dürfen, wenn er "ernste landwirtschaftliche Schäden" verursacht. Bislang ist von "erheblichem Schaden" die Rede, der von Gerichten erst bei einer Bedrohung der Existenz gesehen wurde.

Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert hatte die Debatte bei MDR SACHSEN-ANHALT als schädlich bezeichnet, weil sie suggeriere, dass es keine klaren Regeln gebe. "In Sachsen-Anhalt ist es klar geregelt: Man kann einen Wolf, der ein problematisches Verhalten zeigt, entnehmen." Das sei in der Leitlinie Wolf des Landes klar definiert, weiterer Handlungsbedarf bestehe nicht. Dalbert betonte: "Entscheidend ist der Herdenschutz."

Zahl der Wolfsangriffe gesunken

Deshalb sei die finanzielle Unterstützung der Tierhalter durch das Land so wichtig. Aus Dalberts Sicht zeigt die Entwicklung der Wolfsrisse, dass die Strategie funktioniert. 2017 gab es der Statistik zufolge noch 71 Wolfsangriffe auf Nutztiere – und damit 15 mehr als 2018. Die Zahl der bei den Angriffen getöteten Nutztieren sank allerdings nur leicht von 179 auf 174.

Sachsen hat neulich übrigens eine neue Verordnung auf den Weg gebracht, die eine schnellere Entscheidung über den Abschuss von Wölfen möglich machen soll. Geregelt wird anhand von Musterfällen die Vergrämung und Tötung bei Gefahr für Menschen und zur Vermeidung erheblicher wirtschaftlicher Schäden. Die Verordnung soll für die zuständigen Behörden mehr Rechtssicherheit schaffen sowie Konflikte vermeiden und entschärfen helfen. Agrarminister Thomas Schmidt (CDU) betonte aber: "Der Abschuss ist nur die allerletzte Maßnahme."

Quelle: MDR, dpa/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. April 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. April 2019, 11:54 Uhr

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12 Kommentare

22.04.2019 09:48 Eva Fröhlich 12

Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen
nicht in die Gesellschaft passen. Vor den zwei-
beinigen Wölfen sollte man sich fürchten. Das wäre
gerechtfertigt. Wölfe sind eine Bereicherung für die
Natur. Um das zu begreifen braucht man natürlich
etwas Intelligenz. Kein Land reagiert so dumm auf Wölfe wie Deutschland. Hysterie und Panikmache.

22.04.2019 02:13 Hans-Georg 11

Hat sich schon mal jemand gefragt, wieviele Schafe jedes Jahr geschlachtet werden? Und wieviele Rehe, Hirsche und Schwarzkittel werden von Jägern geschossen, damit sie unsere Teller füllen? Die paar Wölfe in Deutschland haben haben daran wohl den kleinsten Anteil. Schaut Mal nach Spanien oder Italien, hier wurde der Wolf nie ausgerottet und Schafhalter haben hier auch nicht ihre Lebensgrundlage verloren. Mir scheint, hier wird Hysterie geschürt.

22.04.2019 01:28 Nina töpperwien 10

Ich bin ebenfalls der Meinung das von jedem Bürger der den Wolf hier haben will, Landesweit jeden Monat mindestens10€ vom Finanzamt abgebucht bekommt. Denn so können die Wolfsbefürworter die entstandenen Schäden begleichen, ohne das die ganze Bevölkerung dafür zur Kasse gebeten wird. Die Schäden sollten auch voll für betroffene Privat/Hobby-Halter bezahlt werden. Ebenso wäre es sinnvoll das die jenigen die den Wolf haben möchten regelmäßig im Monat Arbeitseinsätze leisten, wie Weidezaun Pflege, mähen, bauen, reparieren, aufbauen, Nachtwachen etc. natürlich alles unentgeltlich. Das wäre Fair gegenüber der Landbevölkerung die sich täglich mit dem Wolf rum ärgern müssen. Dann gäbe es vermutlich weniger Probleme und beide Seiten hatten das was sie haben wollen, die einen ihren Wolf mit den dazugehörigen Pflichten und die anderen keine Arbeit mit dem Wolf, da die ihn nicht haben wollen!