Smarte, neue Internetwelt Schneller, höher, weiter? Fünf Fragen zum 5G-Mobilfunk

Die Versprechen klingen groß: noch schnelleres Mobilfunknetz, smarte Landwirtschaft, bald vielleicht sogar autonomes Fahren. Dafür soll der neue Mobilfunkstandard 5G sorgen. Die Vergabe der dazu gehörigen Frequenzen kommt im Frühjahr 2019. Dafür hat die zuständige Bundesnetzagentur gerade die Bedingungen festgelegt. Fünf Fragen, die sich schon jetzt für Sachsen-Anhalt stellen – und die Antworten.

Mandy Ganske-Zapf
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von Mandy Ganske-Zapf, MDR SACHSEN-ANHALT

Was bringt dieses 5G, von dem gerade alle reden, für Sachsen-Anhalt?

5G – das ist die nächste Generation im Mobilfunk. Die neue Technologie soll noch schneller sein, mit bis zu 10 Gigabit pro Sekunde. Das wäre bis zu 100 Mal schneller als das heute gebräuchliche LTE (4G), sprich: kaum noch Verzögerungen. Die Frequenzen, auf denen 5G laufen soll, werden im Frühjahr 2019 versteigert.

Ein Handy vor einem dunklen Holzhintergrund.
5G verspricht unzählige neue Möglichkeiten. Bildrechte: imago/Westend61

Weil 5G fast Echtzeit bedeutet, würden völlig neue digitale Anwendungen ermöglicht. Kurz gesagt: Surfen im Netz war gestern, digital vernetzte Maschinen wären damit die Zukunft. In einem Flächenland wie Sachsen-Anhalt hieße das, Landwirte könnten zum Beispiel neue Steuerungssysteme bei Aussaat oder Bewässerung einsetzen, wo bereits jetzt Vieles softwarebasiert läuft. Doch bestimmte Innovationen stehen und fallen mit einem schnelleren Netz. Das kommt nicht aus dem Nichts, sondern aus dem Boden: Denn die neuen 5G-Versorgungsmasten müssen in der Erde an hochleistungsfähige Glasfaser angebunden werden.

Gerade Teile der Wirtschaft setzen darauf, dass irgendwann auf 5G aufgesattelt wird. Wie genau, das bestimmen die Bedingungen, die gerade von der Bundesnetzagentur festgelegt wurden. Das sind Standards, die von Telekommunikationsanbietern erfüllt werden müssen, wenn sie die Frequenzen ersteigern und ausbauen wollen. Gerade daran gibt es viel Kritik, auch aus Sachsen-Anhalt.

5G - Vergabe der Frequenzen 5G, der neue Mobilfunkstandard soll in den kommenden Jahren Realität werden. Er ist bis zu 100 Mal schneller als der bisherige Standard LTE.

Die Frequenzen sollen im Frühjahr 2019 versteigert werden und dafür ist mit den nun festgelegten Vergabekriterien das Zulassungsverfahren eröffnet. Unternehmen, die an der Auktion teilnehmen wollen, können bis zum 25. Januar Anträge stellen.

Mitbieten wollen bekanntermaßen die drei großen Mobilfunkunternehmen Deutsche Telekom, Telefonica Deutschland und Vodafone. Ein vierter Bewerber hatte Interesse angemeldet.

Der Bund will damit mehrere Milliarden Euro einnehmen. Experten rechnen damit, dass die Kosten bei den Unternehmen auch wieder eingebracht werden müssen – das könnte der Kunde zu spüren bekommen.

Werden mit 5G endlich weiße Flecken im Land geschlossen?

Was hat 5G mit unterversorgten Gebieten zu tun? Erst einmal nichts: Die Technologie 5G an sich behebt weiße Flecken nicht. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Dafür müssten - so oder so - neue Masten gebaut und Leitungen verlegt werden. Selbst der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, räumte Anfang dieser Woche ein, dass es weiter unterversorgte Gebiete geben werde. "Aber ich glaube, wir werden eine Verbesserung erzielen."

Mobilfunkmast
Auch Mobilfunk hängt an der Leitung. Neue Masten sind nötig. Bildrechte: Colourbox.de

Was heißt das? Tatsächlich soll es im Zuge der 5G-Einführung auch weiter in die Fläche gehen: Schnelles mobiles Internet soll laut Zielvorgabe bis Ende 2022 bei mindestens 98 Prozent aller Haushalte sein. Davon könnte Sachsen-Anhalt profitieren. Die Mobilfunkanbieter, die in das Geschäft einsteigen, müssten demnach zusätzlich jeweils 500 Funkmasten in bislang digital abgehängte Regionen bringen. Die Vorgabe hier: Mindestens 100 Megabit pro Sekunde bei der Übertragungsrate.

Das aber reiche nicht, findet der Chef des IT-Landesverbandes für Sachsen-Anhalt, Marco Langhof. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, für den ländlichen Raum brauche es insgesamt 180.000 zusätzliche Funkstationen und Versorgungsmasten in Deutschland. Mit der jetzt beschlossenen Vorgabe sei man vom eigentlichen Ziel, zumal auf dem Niveau von 5G, "Lichtjahre" entfernt. Von der Landesregierung forderte er mehr Engagement beim Bund: "Sie muss sagen: Das brauchen wir für eine Flächenversorgung, das steht in unseren Strategien beschrieben. Da sind wir aber leider noch gar nicht."

Wer braucht schon 5G – wie schnell muss schnelles Internet überhaupt sein?

Klar ist, dass gerade für Sachsen-Anhalt zwei Fragen entscheidend sind: Zum einen das Schließen der weißen Flecken, zum anderen die Frage, wann darüber hinaus auch das viel schnellere 5G bei allen ankommen soll. Das Ausrollen der neuen Mobilfunkgeneration steht gerade erst in den Startlöchern. Doch zugleich ist eine Debatte entbrannt, wer das überhaupt braucht. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) erntete viel Widerspruch, als sie vor einigen Tagen zu Reuters-TV sagte: "5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig." LTE flächendeckend zu bekommen, sei schon sehr gut, 5G könne dann folgen.

Viele Sachsen-Anhalter werden an dieser Stelle heftig mit dem Kopf nicken. Zumindest in sehr ländlichen Bereichen fehlt selbst noch der Mobilfunk-Standard LTE. Einige wären schon mit 3G glücklich, das ist noch die Vor-Vorgänger-Generation. Das betrifft besonders die Altmark und den Kreis Mansfeld-Südharz.

5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig

Anja Karliczek (CDU), Bundesforschungsministerin

Doch viele Unternehmer machen, auch hierzulande, nun deutlich, dass sie 5G für unverzichtbar halten – allerdings, und das ist der Knackpunkt, flächendeckend. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg, Burghard Grupe, etwa sagt, die künftige Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit hänge von einer tatsächlich flächendeckenden Verfügbarkeit ab. Aus seiner Sicht ist es das Standortthema Nummer 1, nicht nur in der Stadt und im stadtnahen Umfeld, sondern auch besonders im ländlichen Raum. Nun lautet die Vorgabe der Bundesnetzagentur, pro Mobilfunkanbieter seien lediglich 1.000 5G-Basisstationen zu bauen. Und: Eine Verpflichtung, bis in abgelegene Ecken zu gehen, gibt es nicht.

Eine schnelle Lösung ist nicht in greifbarer Nähe. Der für Digitalisierung zuständige Wirtschaftsstaatssekretär, Thomas Wünsch (SPD), sagte MDR SACHSEN-ANHALT, viel werde wieder ab 2025 in Bewegung kommen: "Dann werden weitere Frequenzen frei und versteigert, die für den 5G-Bereich geeignet sind." Diese hätten auch eine größere Reichweite. Das Land dränge laut Wünsch zudem darauf, erst noch in Planung befindliche Infrastruktur-Projekte wie die verlängerte A14 mit der 5G-Technologie direkt zu flankieren.

Kann das Land nicht einfach da, wo es beim Netzausbau hakt, einspringen?

Zuletzt ist etwa beim Breitbandausbau viel passiert, auch deshalb, weil Millionen Euro über Förderprogramme von EU, Bund und Ländern geflossen sind, also Dank staatlicher Förderung. So auch in Sachsen-Anhalt. Zuvor blieben oft jene Gebiete unterversorgt, in denen der Ausbau nicht rentabel erschien. Genau dieses Problem bahne sich wieder an, warnen nun die Kritiker beim 5G-Vergabeverfahren.

5G wird in dünn besiedelten Gebieten nicht attraktiv.

Andreas Brohm, Bürgermeister Tangerhütte
Andreas Brohm
Andreas Brohm, Bürgermeister von Tangerhütte, verweist auf eigene Lösungen. Bildrechte: Andreas Brohm

Der Bürgermeister in Tangerhütte, Andreas Brohm (parteilos), befürchtet: "5G wird in dünn besiedelten Gebieten nicht attraktiv." Gerade die Altmark hat viel Fläche und wenig Einwohner. Beim Breitband-Ausbau haben einige Gemeinden dort inzwischen das Heft selbst in die Hand genommen und einen Zweckverband gegründet, um da, wo der Markt bisher versagte, selbst voranzugehen – Brohm ist mit Tangerhütte dabei. Es gibt Stimmen im Land, die fragen, ob eine Lösung so oder so ähnlich nicht auch auf Landesebene tauge – etwa jetzt, wenn es um den 5G-Standard geht.

Staatssekretär Thomas Wünsch zeigt sich mit den jetzigen Vorgaben der Bundesnetzagentur selbst nicht zufrieden. Doch eine staatliche Lösung mit dem Land als Infrastrukturgesellschaft schließt er aus. Besser geeignet seien etwa Fördergelder, um 5G künftig in die Fläche zu bringen. Frank Sitta, FDP-Landeschef und als Bundestagsabgeordneter mit dem Thema befasst, plädiert dafür, über individuelle Förderungen nachzudenken. Das könne heißen, einen Unternehmer auf dem Dorf gezielt zu bezuschussen, der von sich aus Leitungen legen lassen will.

Was lässt sich beim 5G-Vergabeverfahren jetzt noch beeinflussen?

Illustration: 5G - Konzept der drahtlosen Kommunikationstechnologie.
Bei den Vergaberegeln ist das letzte Wort noch nicht gesprochen – gesetzlich ließe sich nachschärfen. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Viel Hoffnung war zuletzt auf so genanntes lokales oder regionales Roaming gesetzt worden. Bedeutet: Große Mobilfunkanbieter bauen mit Masten und Glasfaser aus und öffnen diese 5G-Netze für andere am Markt. Doch das soll nun nicht verpflichtend sein. Lediglich der Zwang, mit Mitbewerbern darüber wenigstens zu verhandeln, wurde in den Vergaberichtlinien festgeschrieben.

Gerade dieser Punkt sei jedoch für Flächenländer wie Sachsen-Anhalt geeignet, sagt Staatssekretär Wünsch. Das Land Sachsen-Anhalt wolle sich nun dafür einsetzen, dass dieser Punkt auf gesetzgeberischer Ebene über das Telekommunikationsgesetz verschärft werde. Wünsch: "Diese Möglichkeit gibt es und wir werden da rangehen." Außerdem werde das Land bei den künftigen, weiteren Frequenzvergaben wieder Forderungen geltend machen.

Das Land sei zudem mit den drei großen Mobilfunkanbietern perspektivisch im Gespräch, inwiefern der Bau weiterer Funkmasten möglich werden könnte.

Mandy Ganske-Zapf
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Über die Autorin Mandy Ganske-Zapf arbeitet seit März 2014 als freie Mitarbeiterin bei MDR SACHSEN-ANHALT. Sie schreibt vor allem Nachrichten für die Online-Redaktion und ist ab und an im Radio zu hören. Darüber hinaus schreibt sie Texte und Reportagen für Medien in Deutschland und Österreich, entweder zu Themen aus Sachsen-Anhalt oder aber aus Russland. Nach Sachsen-Anhalt gekommen ist sie 2008, anschließend hat sie mehrere Jahre als Redakteurin für die Volksstimme im schönen Landkreis Börde gearbeitet. In ihrer Wahlheimat Magdeburg ist sie am liebsten an Seen und am Elbufer unterwegs.

Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 26. November 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2018, 18:10 Uhr

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1 Kommentar

29.11.2018 12:47 Leser 1

Schnelles WLAN bringt es auch nicht, das wohl noch wichtiger ist für die Wirtschaft und alle.