#MDRklärt Das steckt hinter der "Schwarzen Sonne" und dem Verein Uniter

Henrik Merker, freier Journalist
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Die Kenia-Koalition streitet sich um den Umgang mit der rechtsextremen Vergangenheit eines CDU-Mitglieds. Es geht um ein Tattoo und die Mitgliedschaft im Verein Uniter des Kommunalpolitikers Robert Möritz. MDR SACHSEN-ANHALT erklärt, was dahinter steckt.

Das Symbol einer Schwarzen Sonne
Die Schwarze Sonne ist ein beliebtes Symbol bei Neonazis. Bildrechte: dpa/ picture alliance

Der aktuelle Koalitionsstreit zwischen der CDU und der SPD und den Grünen wurde durch die Person Robert Möritz ausgelöst. Möritz beteiligte sich 2011 als Ordner an einer Nazi-Demonstration. Darüber hinaus trägt er als Tattoo eine sogenannte "Schwarze Sonne" und war Mitglied im Verein Uniter, aus dem er eigenen Angaben zufolge nun ausgetreten sei.

Das steckt hinter der "Schwarzen Sonne" und Uniter:

Schwarze Sonne

Die Schwarze Sonne ist ein okkultistisches Symbol der nationalsozialistischen Schutzstaffel. Das Zeichen wurde zuerst 1934 in der SS-Ordensburg in Büren, der Wewelsburg, als Ornament in einem Versammlungssaal genutzt. In dem Raum der SS-Obergruppenführer diente das Sonnenrad als zentrales Symbol. Bereits seit den 1990er Jahren wird es in der Neonazi-Szene verstärkt als Ersatzsymbol für das verbotene Hakenkreuz verwendet.

Ein Neoanzi-Skinhead mit einem Tattoo der rechtsradikalen Nazi-Organisation Weisse Wölfe und einem Schlagring mit dem Kuerzel C18,  2012
Eine Schwarze Sonne auf dem Shirt eins Neo-Nazis. Bildrechte: imago images / Christian Ditsch

Die zwölfarmige schwarze Sonne wird aus drei sich überlagernden Swastika gebildet und ist kein verbotenes Symbol. Robert Möritz soll erklärt haben, er trage das Symbol "aus Interesse an der keltischen Mythologie." Doch die Schwarze Sonne ist kein Symbol der nordischen Mythologie, sie wurde erst in den 1930er Jahren von nationalsozialistischen Okkultisten entworfen. Die SS versuchte, eine eigene Form von Mythologie und Brauchtum zu erschaffen.

Dazu gehören eigene Symbole wie die Schwarze Sonne, aber auch Feste wie das Julfest als Ersatz für Weihnachten, bei dem ein Julleuchter entzündet wird. Der sächsische AfD-Pressesprecher Andreas Harlaß fiel mit einem solchen Gegenstand mehrfach auf.

Zahlreiche Neonazis tragen die Schwarze Sonne als Tattoo auf dem Ellenbogen. Auch Robert Möritz hat es sich an diese Stelle tätowieren lassen. Manche, wie der verurteilte Volksverhetzer David Köckert, haben sich das Ornament ins Gesicht stechen lassen. Szenetattoos dienen unter Neonazis seit Jahrzehnten als Erkennungszeichen und zur Stärkung ihrer Gruppenidentität. Sie werden verwendet, um sich von der Demokratie abzugrenzen und sind ein physisches Bekenntnis zum Nationalsozialismus. Neonazis, die diese Symbole offen tragen, wollen zeigen: Ich stehe außerhalb der Gesellschaft.

Der Verein Uniter

Der Verein Uniter kam durch Recherchen der taz und mutmaßliche Verbindungen zum Rechtsterrorismus in die Schlagzeilen. Das Netzwerk um den Verein und den KSK-Soldaten André "Hannibal" S. wurde als Schattenarmee bezeichnet, rechtsextreme Chatgruppen von Bundeswehroffizieren und SEK-Polizisten wurden öffentlich.

Porträtfoto eines Mannes
Robert Möritz war nach eigenen Angaben bis diese Woche Mitglied bei Uniter. Bildrechte: CDU

Am 6. Dezember war der CDU-Mann Möritz an einer Spendenaktion des gemeinnützigen Vereins in Leipzig beteiligt, auf seinen Accounts in sozialen Medien trug er Symbole von Uniter. Auf der Seite des Vereins ist Möritz nur verpixelt abgebildet.

Der Verein entstand als Zusammenschluss von Mitgliedern mehrerer militärischer und polizeilicher Kommandoeinheiten. In Chatgruppen sollen sich Mitglieder ausgetauscht haben, aufgeteilt nach der Bundeswehrstruktur in Ost, West, Süd und Nord. Genauso wie die zugehörigen Chats, ist auch Uniter in Himmelsrichtungen aufgeteilt. Vor allem die Chat-Gruppe Nordkreuz geriet ins Visier von Ermittlern. In der Gruppe wurde besprochen, an einem Tag X politische Gegner mit Lastwagen der Bundeswehr in Lager zu deportieren. Überlegungen zu Massenmorden waren nach Recherchen der taz ebenfalls Teil der Chatverläufe.

Der Bundeswehrsoldat Franco Albrecht hatte sich laut Bundesanwaltschaft über ein Jahr lang eine zweite Identität als syrischer Flüchtling aufgebaut. Der Offizier soll demnach geplant haben, Anschläge unter falscher Flagge zu verüben. Er war aufgeflogen, als er eine im Wiener Flughafen deponierte Schusswaffe abholen wollte. Bei einer Hausdurchsuchung wurde neben Plänen zum Bombenbau auch Uniter-Material entdeckt.

Auch berichtete die taz, dass die Chatgruppen nach der Enttarnung Franco Albrechts plötzlich gelöscht wurden. Albrecht war in den Chats aktiv. Die Planungen gingen so weit, dass die Anschaffung von Löschkalk und Leichensäcken zur Entsorgung getöteter Feinde auf Material-Listen festgehalten wurde. Feindeslisten kursierten in den Chats. Bei Mitgliedern des rechtsextremen Netzwerks wurden zehntausende Schuss Munition und illegale Waffen gefunden. Uniter gilt dabei als zentraler Bezugspunkt, viele der Akteure sind im Verein. Generalbundesanwalt Peter Frank überprüft die Gruppierung zur Zeit.

Nach außen gibt sich Uniter bürgerlich. Spendensammlungen für Obdachlose wurden organisiert, an Vereinstreffen können auch Nichtmitglieder teilnehmen. Auf Instagram posieren Polizisten und Militärangehörige mit Emblemen des Vereins. In dessen Satzung ist festgehalten, dass Extremisten nicht beitreten können. Als seine Arbeitsgrundlage sieht der Verein laut Satzung "das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und die Charta der Vereinten Nationen."

Henrik Merker, freier Journalist
Bildrechte: Henrik Merker

Über den Autor Henrik Merker ist freier Autor mit den Schwerpunkten Rechtsextremismus, Terrorismus und Onlinekriminalität. Er schreibt und recherchiert
regelmäßig für das Investigativ-Ressort von Zeit Online und für MDR SACHSEN-ANHALT. Merker arbeitete 2017 als Helfer bei den jüdischen Kulturtagen in Halle, ist Mitglied bei Reporter ohne Grenzen und im Deutschen Journalistenverband.

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Quelle: MDR/fl

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. Dezember 2019 | 19:00 Uhr

80 Kommentare

aus Elbflorenz vor 29 Wochen

Die Ausstellungsobjekte habe ich mir nicht aus den Fingern gesogen, die wurden von Archäologen ausgebuddelt.

Dass "Jul" bedeutungsgleich mit Weinachten sei, ist Ihre These, die falsch ist. "Yule" und "Christmas" sind im Englischen auch nicht bedeutungsgleich, nur bedeutungsähnlich.

PS Mein Sächsisch ist schon ganz gut und wurde schon mehrmals gelobt.

ralf meier vor 29 Wochen

Hallo, machen Sie es wie ich und eigentlich fast alle anderen. Schicken Sie keinen direkten Link, sondern ein paar Stichworte wie homepage und Artikel.

ralf meier vor 29 Wochen

Hallo, im Falle der Absetzung des Herrn Maaßen, den meinen Sie vermutlich, war es eine Untat, die von Herrn Stegner mit der Feststellung begründet wurde, das man Herrn Maaßen absetzen mußte, um gegen die AFD vorgehen zu können. Wie Sie schon sagten, es sind solche (Un)taten, die auf eine (nicht) verfassungstreue Gesinnung schließen lassen

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