Abiturienten warten auf den Beginn einer schriftlichen Prüfung.
Die Gymnasiasten in Sachsen-Anhalt werden künftig drei Leistungskurse belegen. Bildrechte: dpa

Neue Oberstufenverordnung Zurück zu Grund- und Leistungskursen: Viel Kritik im Detail

Nach 15 Jahren kehrt Sachsen-Anhalt beim Abitur zurück zum Modell der Grund- und Leistungskurse. Zuletzt wurden am Konzept noch Details verändert. Lehrergewerkschaft und Schülervertreter sehen trotzdem Verbesserungsbedarf.

Abiturienten warten auf den Beginn einer schriftlichen Prüfung.
Die Gymnasiasten in Sachsen-Anhalt werden künftig drei Leistungskurse belegen. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt wird nach den Sommerferien zum System der Grund- und Leistungskurse im Abitur zurückkehren. Nach den Plänen von Bildungsminister Marco Tullner (CDU) müssen Oberstufenschüler ab dem Schuljahr 2019/2020 drei Leistungskurse wählen, die fünf Unterrichtsstunden pro Woche auf erhöhtem Anforderungsniveau unterrichtet werden.

Für die schriftliche Abiturprüfung sollen dann später zwei der drei Kurse ausgewählt werden. Die Leistungskurse können aus den Fächern Mathematik, Deutsch, Fremdsprachen und Naturwissenschaften gewählt werden. Das Fach Geschichte sei nicht als Leistungskurs möglich. Die Veränderungen sollen den Vorgaben der Kultusministerkonferenz Rechnung tragen, um das Abitur bundesweit vergleichbarer zu machen. Ursprünglich war im Konzept Sachsen-Anhalts von insgesamt nur zwei Leistungskursen die Rede gewesen.

GEW begrüßt neue Oberstufenverordnung

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die neue Oberstufenverordnung vom Bildungsminister begrüßt. Wie die Landesvorsitzende Eva Gerth am Mittwoch MDR SACHSEN-ANHALT sagte, hat auch die Gewerkschaft gefordert, zu den Grund- und Leistungskursen zurückzukehren.

Eva Gerth, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
Eva Gerth, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das System von Kursen auf erhöhtem und grundlegendem Anforderungsniveau sei für die Schüler besser, weil es mehr Chancengleichheit im bundesweiten Vergleich schaffe. Sonst hätten es die Abiturienten aus Sachsen-Anhalt schwerer, wenn sie sich um Studienplätze bewerben würden. Zwar sei Bildung Ländersache, es müsse aber eine gewisse Einheitlichkeit bei den Aufgaben geben und eine Vergleichbarkeit bei den Kursen.

Voraussetzung für das Kurssystem sei, dass die Schulen genügend Personal hätten. Deshalb fordert Gerth, weitere Gymnasiallehrer einzustellen. Sie kritisierte, das Bildungsministerium habe sich für die Veränderung zu viel Zeit gelassen. Viele Folgen der neuen Oberstufenverordnung seien noch unklar. Man hätte längst mit den Veränderungen beginnen können.

Landesschülerrat lehnt neue Oberstufenverordnung ab

Der Landesschülerrat Sachsen-Anhalts lehnt die neue Oberstufenverordnung hingegen ab. Wie der Vorsitzende Niklas Steinhoff am Mittwoch MDR SACHSEN-ANHALT sagte, ist die Entscheidung für drei Kurse auf erhöhtem Anforderungsniveau durchaus richtig.

Niklas Steinhoff
Niklas Steinhoff, Vorsitzender des Landesschülerrates Sachsen-Anhalts Bildrechte: MDR/Daniel George

Dass das Fach Geschichte nicht auf diesem Niveau angeboten werde, schränke aber die Wahlmöglichkeiten für die Schüler ein, wie sie ihr Abitur gestalten könnten. Ausschließlich Mathematik, Deutsch, eine Fremdsprache und eine Naturwissenschaft als Leistungskurs machen zu können, werde der Individualität der Schüler nicht gerecht. Es ergebe sich der Eindruck, die Gymnasiasten würden mit ihren unterschiedlichen Stärken und Schwächen in einen Kasten gesteckt und müssten bestimmte Anforderungen einfach leisten.

Dass die Oberstufenverordnung bereits ab dem nächsten Schuljahr gelte, werde das Schulsystem in Sachsen-Anhalt belasten, so Steinhoff weiter. Um die für die Kurse nötige Stundenzahl abzusichern, würden 70 Lehrkräfte gebraucht. Derzeit sei es aber so, dass der Lehrermangel an den Gymnasien noch am wenigsten zu spüren sei. Gymnasiallehrer würden immer wieder in anderen Schulformen aushelfen. Nun aber würden sie durch die Kurse zusätzlich belastet.

Drei statt sechs Leistungskurse

Schüler in Sachsen-Anhalt werden bislang in sechs Fächern auf erhöhtem Niveau unterrichtet. Derzeit gibt es in sechs Fächern je vier Unterrichtsstunden pro Woche. Erst bei der Abiturprüfung wird nach Leistungsniveau unterschieden. Lehrer müssen daher innerhalb ihres Unterrichts eine Differenzierung vornehmen. Bildungsminister Tullner hat bereits im November vergangenen Jahres angekündigt, die Oberstufenverordnung zu ändern.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. Februar 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 08:24 Uhr

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12 Kommentare

22.02.2019 22:26 Rasselbock 12

@11: Musisch hin oder her. Mit Belletristik oder Opernsingsang ist bisher nicht ein einziges Problem gelöst worden. MINT und Ingenieurwissenschaften, sie sind die Quelle des Fortschrittes und Wohlstandes, sie gilt es zu stärken,besonders im Zeitalter von Industrie 4.0 und Digitalisierung.

22.02.2019 15:06 Beobachter 11

Gerade wenn jetzt 3 (statt der ursprünglich diskutierten 2) Leistungkurse gefordert werden, wäre ein Leistungskurs in Geschichte überhaupt kein Problem. Stärkung der MINT-Fächer ist ja schön und gut, aber wenn das wie hier mit Zwang passiert, geht das an den Interessen der Schüler vorbei. (Vorsicht Ironie:) Wenn ein sprachlich, geschichtlich oder musisch begabter Schüler zu MINT gezwungen wird, kommt sicher die super tolle und motivierte Fachkraft heraus...

22.02.2019 10:25 Leser 10

Meine Enkeltochter geht in Mainz zur GIS. Also normale Schule mit Abitur Leistungsfächern. Nun möchte sie die 10. Klasse verlassen und die Abifächer waren für die Katz. Das sollte generell den Gymnasien und den dortigen Pädagogen überlassen werden. Die vielen Schulformen bringen nichts.