Ronald Neuschulz
Die Krise der Nord LB könnte schnell weitere Kreise ziehen, wenn nicht bald zusätzliches Geld aufgetrieben wird, erklärt Politikreporter Ronald Neuschulz. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Fragen und Antworten zur Krise der Nord-LB "Eine Abwicklung der Nord-LB möchten sich Experten nicht ausmalen"

Die Landesbank für Sachsen-Anhalt und Niedersachsen ist finanziell ins Straucheln geraten. Nun wird dringend Geld gebraucht. Was bedeutet das? MDR SACHSEN-ANHALT-Politikreporter Ronald Neuschulz beantwortet die wichtigsten Fragen.

Ronald Neuschulz
Die Krise der Nord LB könnte schnell weitere Kreise ziehen, wenn nicht bald zusätzliches Geld aufgetrieben wird, erklärt Politikreporter Ronald Neuschulz. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Wodurch ist denn die Nord-LB finanziell in Schwierigkeiten geraten und warum wird von Sachsen-Anhalt erwartet, bei der Bankenrettung zu helfen?

Die Norddeutsche Landesbank ist in der Vergangenheit wegen misslungener Schiffsfinanzierungen, sogenannter fauler Schiffskredite, finanziell in schwerstes Fahrwasser geraten. Die Bank braucht in kurzer Zeit rund 3,5 Milliarden Euro neues Kapital. Der bisherige Versuch, private Finanzinvestoren ins Boot zu holen, hat bisher nicht geklappt. Obwohl private Investoren noch bis Freitag ihr Angebot abgeben können, deutet vieles darauf hin, dass die Bank auch ohne private Finanzinvestoren gerettet werden soll. Neben den Sparkassen sollen dazu vor allem die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt nochmal tief in die Tasche greifen. Unser Bundesland ist mit rund 6 Prozent an der Nord LB beteiligt.

Was käme da finanziell auf das Land zu, wenn es sich an einem solchen Rettungsplan beteiligen würde?

Schriftzug «NORD/LB» der Norddeutsche Landesbank Girozentrale im Breiten Weg in Magdeburg
Die Nord-LB ist mit faulen Krediten in die Krise geraten. Bildrechte: MDR/André Plaul

Nach meinen Informationen würde das bedeuten, dass Sachsen-Anhalt einen dreistelligen Millionenbetrag aufbringen müsste, um seinen Anteil zur Rettung der Nord-LB zu erbringen. Nach meinen groben Berechnungen könnte es sich da um rund 200 Millionen Euro handeln.

Bis Ende kommender Woche muss jedenfalls klar sein, ob das Land dazu bereit ist. Bis dahin verlangt die Bankenaufsicht eine belastbare Erklärung, wer im Zuge der Rettung finanziell wozu bereit ist. Der Druck auf das Land, sich neben den Sparkassen und dem Land Niedersachsen an der Rettung zu beteiligen, ist groß. Die Frage ist nur: Woher soll Sachsen-Anhalt diesen dreistelligen Millionenbetrag nehmen? Wieder in die Rücklagen greifen? Weitere Schulden machen? Das sind alles keine so tollen Optionen.

Was wäre denn, wenn Sachsen-Anhalt sich an der Bankenrettung nicht beteiligt?

Eine Abwicklung der Nord-LB möchten sich die Experten so richtig gar nicht ausmalen. Ein Szenario ist, das dann die Sparkassen möglicherweise unter erheblichen finanziellen Druck geraten könnten. Das soll verhindert werden. Es geht jetzt wirklich auch um Schadensbegrenzung. Es liegt auf der Hand, dass Ministerpräsident und Finanzminister nun sehr zeitnah eine Antwort geben müssen, ob und wie sich Sachsen-Anhalt an der Rettung der Nord-LB beteiligen wird.

Hätte man diese Entwicklung nicht eher voraussehen können?

Das kann ich nicht beurteilen. Ich könnte mir nur vorstellen, dass nun die Frage aufploppt, ob es so klug war von Finanzminister André Schröder (CDU), bereits im Mai vergangenen Jahres zu signalisieren, das sich Sachsen-Anhalt für die Neuausrichtung der Bank nicht mit weiterem Geld an der Nord-LB beteiligen werde. Seitdem, so hört man, habe die Bank dem Land die kalte Schulter gezeigt. Dass Schröder da seinerzeit so vorgeprescht war, nehmen ihm einige übel.

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Frankfurt am Main, der Sitz der Deutschen Bank und der Commerzbank Bildrechte: Colourbox.de

Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 23. Januar 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2019, 21:12 Uhr

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