Luftaufnahme aus einem Flugzeug zeigt Trockenschäden auf einem Getreidefeld
Auf Bundesebene hatte der Bauernverband Hilfe von einer Milliarde Euro gefordert. Bildrechte: dpa

Ernteausfälle durch Dürre Bauern in Sachsen-Anhalt erhalten 30 Millionen Euro Nothilfe

Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert hat dürregeschädigten Bauern Nothilfen in Höhe von 30 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Mit dem Geld werden Landwirte unterstützt, die mehr als 30 Prozent Ertragseinbußen in diesem Jahr haben. Landwirte und Bauernverbände zeigten sich enttäuscht von der Höhe der Nothilfen.

Luftaufnahme aus einem Flugzeug zeigt Trockenschäden auf einem Getreidefeld
Auf Bundesebene hatte der Bauernverband Hilfe von einer Milliarde Euro gefordert. Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt erhalten dürregeschädigte Bauern Nothilfen in Höhe von 30 Millionen Euro. Das sagte Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Grüne) im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT. Finanziert wird die Summe gleichermaßen von Bund und Land. Mit dem Geld sollen die Landwirte unterstützt werden, die mehr als 30 Prozent Ertragseinbußen in diesem Jahr haben. Dalbert bezeichnete die Dürreschäden als "katastrophal". Besonders schnell soll tierhaltenden Betrieben geholfen werden, da sie teilweise nur noch für vier Wochen Futter hätten.

Claudia Dalbert
Claudia Dalbert zeigt sich zufrieden mit den Hilfen. Bildrechte: IMAGO

Natürlich werden wir die Anträge von tierhaltenden Betrieben als Erstes abarbeiten, weil bei denen die Not am größten ist.

Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch dürregeschädigten Bauern Nothilfen von insgesamt 340 Millionen Euro zugesichert. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) sagte in Berlin, der Bund wolle 150 bis 170 Millionen Euro beisteuern, den Rest müssten die Länder aufbringen. Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Dalbert bezeichnete die beschlossenen Nothilfen des Bundes als völlig ausreichend.

Kritik vom Bauernbund

Der Deutsche Bauernbund in Sachsen-Anhalt kritisiert jedoch die Höhe der zugesagten Nothilfen. Vor allem sei der von der Bundesregierung angesetzte Schadensbetrag von bundesweit 680 Millionen Euro viel zu gering, so Bauernbund-Präsident Kurt-Henning Klamroth im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Allein beim Winterweizen betrage der Schaden hier im Bundesland rund 120 Millionen Euro.

Sachsen-Anhalt besonders stark betroffen

Sachsen-Anhalt zählt zu den Bundesländern, die besonders unter der Dürre leiden. Das Statistische Landesamt geht beim Getreide davon aus, dass in diesem Jahr 27 Prozent weniger geerntet wurde als im vergangenen Fünf-Jahresdurchschnitt. Vor allem Winterraps, Roggen und Hafer seien betroffen.

Der Präsident des Landesbauernverbandes, Olaf Feuerborn, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Betriebe im Jerichower Land und in den Landkreisen Anhalt und Wittenberg verzeichneten Ernteeinbußen zwischen 70 und 80 Prozent. Hier seien insbesondere Tierhaltungsbetriebe betroffen, die keine Futterreserven für den Winter anlegen könnten. Feuerborn forderte daher, dass der Bund die Zukäufe des Futters übernehmen sollte.

Bauern mit Hilfe unzufrieden

Ein Bauer düngt mit einem Traktor ein Feld bei Löbau.
Bauern und Bauernverbände zeigen sich unzufrieden mit den versprochenen Hilfen. Bildrechte: imago/Robert Michael

Auch Landwirte aus Sachsen-Anhalt befürchten, dass die nun zugesagten Hilfsgelder nicht ausreichen werden. Burkhard Thiede aus dem Altmarkkreis Salzwedel sagte MDR SACHSEN-ANHALT, allein beim Getreide rechne er mit Ernteausfällen von bis zu 50 Prozent – beim Mais sogar von bis zu 70 Prozent. Wenn man das auf andere Bundesländer hochrechne, seien die angekündigten 340 Millionen Euro zu wenig.

Um finanzielle Engpässe wegen möglicher Dürre-Perioden in Zukunft zu vermeiden, sprach sich Thiede für steuerfreie Rücklagen aus. Er schlug vor, über einen Zeitraum von vier Jahren, jedes Jahr 25 Prozent der Einnahmen nicht zu versteuern und das Geld für schlechte Zeiten zur Seite zu legen.

Ernteverluste als Naturkatastrophe

Damit die Gelder letztendlich auch fließen können, wird die Landesregierung laut Dalbert am kommenden Dienstag feststellen, dass die Dürre mit einer Naturkatastrophe gleichzusetzen ist. Erst so werde der Weg für eine Auszahlung freigemacht.

Quelle: MDR,dpa/fl

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 22. August 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2018, 20:23 Uhr

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5 Kommentare

23.08.2018 22:23 Tom 5

an Basil Disco:
Missernten sind so alt wie die Menschheit. Hungersnöte aber leider auch. In Jahren schlechter Ernten werden die weltweiten Vorräte knapp. Während die reichen Länder weiter aus einem vollen Angebot an Lebensmitteln schöpfen können, fallen arme Länder hier oft hinten runter. Nur dies sieht kaum jemand in der wohlhabenden Welt. Die Erzeuger von Nahrungsmitteln am Leben zu erhalten kann nicht auf das rein unternehmerische Risiko abgewälzt werden. Landwirte sind nicht nur Unternehmer, sie stehen auch in der gesellschaftlichen Verantwortung das Volk zu ernähren.
Und natürlich zahlen Unternehmer in guten Jahren auch mehr Steuern (Arbeitnehmer übrigens auch). Das Einkommensteuersystem in DEU ist progressiv veranlagt;)
Wer viel verdient, bezahlt viel Steuern. Wer gar nichts verdient, zahlt keine Steuern und wer Verlust macht, macht den Laden in letzter Konsequenz zu.
Nur ohne Bauern gibt's eben leider irgendwann auch kein Essen mehr auf dem Tisch.
Das wäre nicht so gut;)

23.08.2018 09:02 Wolpertinger 4

@22.08.2018 18:49 Möwe
Das ist ein guter Vorschlag. M.E. muss man aber auch bei den Landwirten unterscheiden, zwischen den großen industriellen Anlagen und den Familienbetrieben. Die Ersteren sind durchaus mit Firmen zu vergleichen, während Familienbetriebe fast immer am Existenzminimum arbeiten. Einziges Vermögen ist da zum Großteil gewöhnlich nur der Hof, das Land und das Vieh.
Insgesamt sind Ausgleichzahlungszahlungen für schlechte Jahre für diese kleinen Betriebe nicht falsch. Falsch wäre es allerdings, so etwas regelmäßig auszuzahlen. Das käme dann einer Subvention gleich. Und Subvention führen immer in die Sackgasse, immer wieder zahlen zu müssen.
Ihren Kommentar gestern über den Krankenstand des Sachsen fand ich übrigens Klasse =)).

23.08.2018 08:31 Leser 3

Der Landwirt aus Queis brachte es gestern in den MDR Nachrichten 14 Uhr auf den Punkt. Sein Standpunkt war richtig und dürfte den meisten seiner Kollegen nicht geschmeckt haben.