Ein Mann steht hinter dem Tresen eines Imbisses.
Ein Unternehmen zu gründen, selbst ein einfacher Imbiss, ist für Geflüchtete nicht einfach. Bildrechte: MDR/Rüdiger Pelikan

Wenn ein Geflüchteter eine Firma gründet Kein Aufenthaltstitel, kein Bankkredit

Als Flüchtling in Deutschland Arbeit zu finden ist nicht leicht, sagt Malek Domani. Der Syrer hat zunächst in deutschen Restaurants gekellnert und dann vor einigen Wochen ein kleines Bistro eröffnet. Die Geschichte eines Integrationswilligen, der auf Widerstände getroffen ist:

MDR-Redakteur Roland Jäger
Bildrechte: MDR/Cornelia Winkler

von Roland Jaeger, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Mann steht hinter dem Tresen eines Imbisses.
Ein Unternehmen zu gründen, selbst ein einfacher Imbiss, ist für Geflüchtete nicht einfach. Bildrechte: MDR/Rüdiger Pelikan

In einer Fußgängerzone nahe des Köthener Rathauses stellt Malek Domani Tische und Stühle vor sein neues Bistro. Erst im August hat er eröffnet. Der 27 Jahre alte Syrer ist gelernter Gastronom, hatte vor seiner Flucht in Hotels als Koch gearbeitet.

Er ist einer von derzeit rund 5.000 Geflüchteten in Sachsen-Anhalt, die eine sozialversicherungspflichtige Arbeit haben. Um sein Bistro eröffnen zu können, hat Malek Domani zuerst Deutsch lernen müssen. Der wichtigste Schritt hin zu einer Arbeit, sagt er:

Die deutsche Sprache – das ist der Schlüssel dieses Landes.

Malek Domani

Schon 2015 habe er begonnen, sich Deutsch beizubringen. Er spricht langsam und bedächtig, aber er kann sich auf Deutsch auszudrücken. Ohne diese Sprachkenntnisse hätte er sein Ziel nicht erreicht: Anträge stellen, einen Geschäftsplan schreiben, Formulare lesen, verstehen und korrekt ausfüllen können – ohne diese Fähigkeiten geht es nicht.

"Also zuerst braucht man viel Geld und viele Unterlagen hier in Deutschland. Bei uns ist das einfacher." In Syrien sei Bestechung üblich gewesen sagt er. Dass es in Deutschland anders läuft, findet er gut, obwohl es in Syrien einfacher gewesen sei, ein Geschäft zu gründen.

Erste Schritte auf dem Arbeitsmarkt als Kellner

Er habe Syrien verlassen müssen, um nicht in die Armee des syrischen Diktators Assad gezwungen zu werden, erzählt er. Malek Domani kam über die Balkanroute nach Deutschland.

Ein Mann lächelt in Richtung Kamera.
Malek Domani flüchtete 2015 nach Deutschland. Bildrechte: MDR/Rüdiger Pelikan

Noch lebt er in Wittenberg, er pendelt jeden Tag nach Köthen. In Wittenberg habe er zunächst in deutschen Restaurants gekellnert, dabei auch seine Sprachkenntnisse verbessert. "Es war schwer für mich am Anfang", sagt er. Zu kochen mache ihm mehr Spaß als zu kellnern – daher habe er beschlossen, sich selbstständig zu machen.

Begrenzter Aufenthaltsstatus – kein Kredit

Einen Kredit bei einer Bank zu bekommen, ist für einen Geflüchteten mit einem begrenzten Aufenthaltstitel in Deutschland praktisch unmöglich. Die Kredite, die Malek Domani beantragte, wurden abgelehnt.

"Das wahre Problem ist mein Aufenthalt", sagt Malek. Inzwischen sei seine Aufenthaltserlaubnis vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge um weitere drei Jahre verlängert worden. Doch Chancen auf die Bewilligung eines Kredites für eine Geschäftsgründung haben nur die, die eine unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis haben.

Rund 9.000 Euro habe allein die Abluftanlage für sein kleines Bistro gekostet, erzählt er. Deutsche Freunde und syrische Verwandte haben ihm und seinem Cousin schließlich das nötige Startkapital geliehen.

Eigene Ziele setzen

Trotz dieser Widerstände meint Malek Domani: "Also es war eine gute Idee, selbstständig zu werden. Es läuft." Sein Laden brauche noch eine Weile, um Gewinn zu erwirtschaften.

Als Unternehmensgründer ist er eine Ausnahme unter den Geflüchteten. Bisher haben rund 30 Prozent der Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt einen Job gefunden. Malek Domani meint dazu: "Ich finde das nicht gut. Alle Flüchtlinge, die hier leben und weiter ihre Zukunft aufbauen möchten, sollen hier etwas machen. Ich sage immer: Wir sind Gäste in diesem Land, Deutschland hat uns die Türen aufgemacht. Das geht nicht: Zuhause sitzen, Hartz IV kriegen."

Das Beispiel von Malek Domani zeigt, dass Eigenengagement, Leistungsbereitschaft und eigene Zielsetzung für die Integration auf dem Arbeitsmarkt nicht zu ersetzen sind – selbst wenn es nur darum geht, ein kleines Bistro zu eröffnen. So sagt der Unternehmensgründer Malek Domani: "Jeder Flüchtling ist für sein Leben verantwortlich."

MDR-Redakteur Roland Jäger
Bildrechte: MDR/Cornelia Winkler

Über den Autor Roland Jäger arbeitet seit 2015 für den Mitteldeutschen Rundfunk – zunächst als Volontär und seit 2017 als Freier Mitarbeiter im Landesfunkhaus Magdeburg. Meist bearbeitet er politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen – häufig für die TV-Redaktionen MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE und Exakt - Die Story, auch für den Hörfunk und die Online-Redaktion. Auf Twitter ist er unter @roland__jaeger zu finden.

Vor seiner Zeit bei MDR SACHSEN-ANHALT hat Roland Jäger bei den Radiosendern Rockland und radioSAW erste journalistische Erfahrungen gesammelt und Europäische Geschichte und Germanistik mit Schwerpunkt Medienlinguistik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg studiert. In seiner Freizeit ist Roland Jäger gern mit dem Fahrrad zwischen Huy und Harz unterwegs.

Quelle: MDR/rj

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | MDR SACHSEN-ANHALT | 26. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2019, 09:47 Uhr

12 Kommentare

Denkschnecke vor 2 Wochen

Jeder wie er mag. Ich würde es sehr schätzen, in meiner Stadt auch ein richtiges orientalisches Restaurant zu haben (nicht nur Schnellimbisse). Die vielen tollen türkischen Restaurants mag ich ihm viel gescholtenen Ruhrgebiet sehr. Ich will nicht jeden Tag das selbe essen. Eines der Dinge, die ich an kultureller Vielfalt schätze.

Bernd L. vor 2 Wochen

Wenn jemand nicht genug Sicherheit bietet, bekommt er keinen Kredit. Das ist normales Verhalten von Bakne udn völlig richtig, auch in diesem Fall. Ob das Gründen einer Imbissbude eine gute Geschäftsidee ist, daran habe ich Zweifel.

Wiesel vor 2 Wochen

Warum denn nur das Radiofrühstück? Ganze Sender können weg. Schon einmal was von MDR Tweens gehört? was alleine der MDR über den Äther schickt reicht für ganze Staaten. Würde Gebühren sparen und jeder Bürger hätte 10€ mehr im Monat zum spenden bzw zum erschaffen einer Flüchtlingszwangsabgabe. Na das ist doch Mal ein Plan...

Mehr aus Sachsen-Anhalt