Neu im Auswahlverfahren Psychologietests sollen Image der Polizei aufpolieren

Wer sich in Sachsen-Anhalt zum Polizisten ausbilden lassen will, muss sich im Eignungstest künftig auch einem psychologischen Test unterziehen. Wie genau der Test aussehen soll, darüber hüllt man sich im Innenministerium allerdings noch in Schweigen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft lobt die Tests – und hofft, dass die Polizei-Fachhochschule künftig seltener mit Negativschlagzeilen von sich reden macht.

von Luca Deutschländer, MDR SACHSEN-ANHALT

Sachsen-Anahlt, Aschersleben: «Fachhochschule Polizei» steht auf einem Schild an der Einfahrt der Akademie.
Wer sich an der Fachhochschule der Polizei ausbilden lassen will, muss sich künftig einem psychologischen Test unterziehen. Bildrechte: dpa

Die Polizei in Sachsen-Anhalt fahndet. Sie fahndet nach Nachwuchs, der für den Polizeidienst taugt. Das allein ist nicht neu – sehr wohl aber ist neu, dass künftig jeder Bewerber für den Polizeidienst einen psychologischen Test absolvieren muss. So hat es jetzt Sachsen-Anhalts Innenministerium verkündet. Wie aber soll dieser psychologische Test aussehen? Darüber hüllt man sich im Innenministerium noch in Schweigen.

Auf einen Fragenkatalog von MDR SACHSEN-ANHALT teilt ein Sprecher lediglich mit, die "konkrete Ausgestaltung zu Art und Umfang des psychologischen Eignungstests" werde derzeit mit der Fachhochschule der Polizei in Aschersleben abgestimmt. Etwas auskunftsfreudiger ist der Rektor der Fachhochschule, Frank Knöppler. Er erhofft sich von dem psychologischen Test, mehr über die charakterliche Eignung von Polizeibewerbern und mögliche Mängel herauszufinden. Das aktuelle Auswahlverfahren sei zwar gut und gebe viele Aufschlüsse darüber, ob ein Bewerber geeignet sei, sagt Knöppler im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Einzig: Die Persönlichkeitsstruktur von Anwärtern könne man bislang aber nicht ausreichend abbilden. Nach den Worten des Rektors soll der psychologische Test in das bisherige Aufnahmeverfahren integriert werden.

Polizeischüler in den Schlagzeilen

Der Hintergrund von all dem: Mehrfach waren zuletzt Polizeischüler in die Schlagzeilen geraten, erst zu Beginn der Woche wurde ein 19-Jähriger vom Dienst suspendiert. Bei ihm waren nach Informationen der "Volksstimme" am Wochenende mehrere Tütchen mit Rauschgift gefunden worden. Im April stürzte ein Polizeischüler in den Tod, nachdem er in ein Mehrfamilienhaus in Halle eingebrochen war. Wenige Wochen zuvor waren vier angehende Polizisten entlassen worden, weil illegale Drogen bei ihnen gefunden worden waren.

All diese Berichte eint vor allem eines: Sie werfen ein schlechtes Bild auf die Polizei-Ausbildung in Sachsen-Anhalt. Es ist ein Bild, das das Land angesichts der noch immer dünnen Personaldecke bei der Polizei ganz und gar nicht gebrauchen kann. Zwar betonen sowohl Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) als auch die Fachhochschule, die Ansprüche an Bewerber seien nicht gesunken. Weil jetzt aber neue Vorwürfe gegen einen Polizeischüler ans Licht gekommen sind, sah man im Innenministerium offenbar Handlungsbedarf – und setzt künftig auf psychologische Tests.

Gewerkschaft begrüßt psychologische Tests

Lob für die psychologischen Tests kommt von der Deutschen Polizeigewerkschaft in Sachsen-Anhalt. Deren stellvertretender Landesvorsitzender Stefan Perlbach betont im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT, die Schlagzeilen der vergangenen Monate hätten kein gutes Bild auf Sachsen-Anhalts Polizei geworfen. Angesichts ihrer dünnen Personaldecke könne die Polizei sich das eigentlich nicht erlauben.

Ob psychologische Tests auf lange Sicht dafür sorgen, dass die Fachhochschule seltener mit Drogenvorwürfen in den Schlagzeilen ist, das müsse die Zeit zeigen. "Auch Menschen in der Polizei sind ein Querschnitt der Gesellschaft", sagt Perlbach, der selbst Mitglied der Auswahlkommission an der Fachhochschule in Aschersleben ist. "Man kann den Bewerbern nur vor den Kopf gucken." Wenn die Tests aber dazu beitrügen, dass sich die Zahl der Vorfälle minimiere – vielleicht auf einen im Jahr – dann sei man auf einem guten Weg.

Diese Anforderungen müssen Bewerber erfüllen Wer in Sachsen-Anhalt Polizist werden will, muss das sogenannte Eignungsauswahlverfahren bestehen. Dazu gehören neben einem Rechtschreibtest mit Lückendiktat ein Eignungstest am Computer. Dabei werden "verbale, numerische und figurale Intelligenz" abgefragt. Bewerber müssen beweisen, dass sie schlussfolgern können, sich Dinge merken können – und dass sie über ordentliches Allgemeinwissen verfügen. Ebenfalls Teil des Auswahlverfahrens sind ein Interview mit der Auswahlkommission und eine ärztliche Untersuchung. Um die körperliche Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, müssen Bewerber das deutsche Sportabzeichen in Silber vorlegen. Ebenfalls wichtig: ein unbelastetes polizeiliches Führungszeugnis.

Quelle: Fachhochschule der Polizei Sachsen-Anhalt

Wie aber wird der Test nun aussehen? Entschieden ist das noch nicht. Frank Knöppler, der Rektor der Polizei-Fachhochschule, sagt aber: Den psychologischen Test können Bewerber sich wie eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) vorstellen. "Man sitzt da und bekommt seltsame Fragen gestellt. Und am Ende entscheidet der Psychologe, ob man den Führerschein zurückbekommt." Ähnlich werde es wohl bei der Polizei ablaufen.

Die Fahndung läuft

Für den Einstellungstermin am 1. März 2019 kommt der psychologische Test nach den Worten des Rektors allerdings zu früh. Ziel sei, die Bewerber mit Einstellungstermin 1. September 2019 dem psychologischen Test zu unterziehen. "Das ist aber ambitioniert", räumt Knöppler ein und verweist darauf, dass die Vorbereitungen für den Jahrgang ab Herbst 2019 bereits im kommenden November beginnen. Man prüfe in "intensiver Zusammenarbeit mit dem Innenministerium" derzeit, welche psychologischen Tests am Markt seien.

Die Fahndung, sie läuft. Vielleicht noch ein bisschen intensiver als zuletzt.

Über den Autor Luca Deutschländer arbeitet seit Anfang 2016 bei MDR SACHSEN-ANHALT – meist in der Online-Redaktion, außerdem für den Hörfunk. Seine Schwerpunkte sind Themen aus Politik und Gesellschaft. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat der gebürtige Hesse bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine in Kassel gearbeitet. Während des Journalistik-Studiums in Magdeburg Praktika bei dpa, Hessischem Rundfunk, Süddeutsche.de und dem Kindermagazin "Dein Spiegel". Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Schleinufer in Magdeburg und der Saaleradweg – besonders rund um Naumburg.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28.06.2018 | 17:30 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2018, 19:37 Uhr

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5 Kommentare

30.06.2018 03:54 Interessant 5

Das istxja wohl eine absolute Lüge: von wegen „die Ansprüche an Bewerber seien nicht gesunken“. Alle Bundesländer und der Bund haben ihre Einstellungszahlen erhöht. Die meisten der Konkurrenten sind besser austegestattet, Zahlen mehr Geld und Befördern regelmäßig. Nicht zu vergessen, dass die freie Wirtschaft auch die Zeichen der Zeit erkannt hat und mit Attraktivität nach Fachkräften fischt.

Sachsen- Anhalt versucht lieber mit Unwahrheiten eine Fassade aufrecht zu erhalten. Natürlich wurde der Einstellungstest vereinfacht und die Anforderungen nach unten korrigiert. Ein dramatische Entwicklung. Das Ergebnis aus dieser ist ja nun sichtbar. Und ganz sicher ist das nur die Spitze des Eisbergs. Ich will gar nicht wissen, was an Skandalen nicht an die Öffentlichkeit kommt.

29.06.2018 13:44 Durchschnittsbürger 4

Keine Panik. Das wird in der Praxis vermutlich auf eine individuelle kognitive Leistungs- und Feststellungsprüfung mit der Fisher-Price Farbring-Pyramide, oder dem Erste-Bausteine-Sortierspiel hinauslaufen, wo dann mindestens 3 von 7 Ringen oder 2 von 5 Bausteinen richtig gestapelt bzw. sortiert werden müssen. Wer dann z.B. bereits einen Wutanfall bekommt, weil das grüne Quadrat nicht in das rote Dreieck passt und es nur mit massiver Gewaltanwendung hineinpressen kann, oder gleich ganz zerstört, der ist dann eben draussen. Anders dürften die notwendigen Bewerberzahlen sonst möglicherweise nicht zu schaffen sein.

29.06.2018 10:49 Lug, Trug und Günstlingswirtschaft 3

"Die Fahndung, sie läuft. Vielleicht noch ein bisschen intensiver als zuletzt."
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Vielleicht sollte man sich ja einfach mal der Polizei-eigenen Abfragesysteme bedienen. So mancher ""Krumme Hund" unter den Bewerbern wäre ganz leicht erkennbar. Aber das verstößt ja gegen den Datenschutz. Was für ein Irrsinn!