Ein Kohlebagger im Tagebau Profen
Kohlebagger im Tagebau Profen: Bis 2038 soll der Ausstieg aus der Kohle geschafft sein (Archivbild). Bildrechte: MDR/Oliver Hauswald

Reaktionen Kohle-Kompromiss: Für die einen ausreichend – für die anderen ein harter Schlag

Kohlekraftwerke, Tagebau und Zulieferbetriebe: Tausende Menschen arbeiten in Sachsen-Anhalt für und mit der Braunkohle. Bis 2038 soll der Ausstieg aus der Kohle geschafft sein. Noch ist aber unklar, was die Vorschläge der Kommission konkret für für die Jobs in der Region bedeuten.

Ein Kohlebagger im Tagebau Profen
Kohlebagger im Tagebau Profen: Bis 2038 soll der Ausstieg aus der Kohle geschafft sein (Archivbild). Bildrechte: MDR/Oliver Hauswald

Noch ist beim Kompromiss zum Kohleausstieg nichts "in Stein gemeißelt". Bis Ende April soll ein entsprechendes Gesetz erarbeitet werden – so zumindest die Forderung – und dann bis Ende des Jahres in Bundestag und Bundesrat kommen. Doch klar ist: Wenn die Vorschläge der Kohlekommission vom Sonnabend Realität werden, müssen für die Arbeiter der Kohleindustrie ab 2038 neue Jobs geschaffen, Investitionen getätigt und der Strukturwandel in den Regionen in vollem Gange sein. Im Mitteldeutschen Revier, also in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Niedersachsen, betrifft das etwa 6.000 Menschen, die direkt oder indirekt in der Braunkohle beschäftigt sind.

Strukturwandel mit Milliarden Euro unterstützt

Für den Landrat des betroffenen Burgenlandkreises, Götz Ulrich, wo der Braunkohle-Abbau in Sachsen-Anhalt betrieben wird, scheint der gefundene Kompromiss gelungen. Der CDU-Politiker teilte mit, er gehe davon aus, dass die Kraftwerke des Mitteldeutschen Reviers, die letzten sind, die 2038 abgeschaltet werden, da sie die modernsten und umweltfreundlichsten sind.

Damit habe man 20 Jahre Zeit, den Strukturwandel zu bewältigen. "Die vorgeschlagene Summe von zwei Milliarden Euro pro Jahr ist ein Betrag, der – richtig eingesetzt – auch im Burgenlandkreis die notwendigen Infrastrukturprojekte ermöglichen könnte", so Ulrich.

Mibrag Ausstieg aus der Kohle zu schnell

Für die betroffene Industrie, in diesem Fall das mitteldeutsche Braunkohleunternehmen Mibrag mit Sitz in Zeitz, kommt dagegen der geplante Ausstieg aus der Kohle zu schnell. Die Mibrag teilte mit: "Der vorzeitige Ausstieg aus der Braunkohleverstromung ist ein harter Schlag für die Region, unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter. Neben den Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit und die Strompreise ist damit vor allem der Verlust von gut bezahlten Industriearbeitsplätzen verbunden." Den Ausstieg aus der Kohle bis 2038 hält das Unternehmen für zu "ambitioniert". "Um einen Strukturbruch wie in den 1990er Jahren zu verhindern, müssen zeitnah alternative Beschäftigungsmöglichkeiten aufgebaut werden", so das Unternehmen weiter. Dafür brauche man nicht nur ausreichend finanzielle Mittel, sondern auch intelligente Konzepte und realistische Zeiträume.

Mibrag Die Mibrag fördert nach eigenen Angaben bis zu 18 Millionen Tonnen Braunkohle im Jahr in den Tagebauen Schleenhain in Sachsen und Profen in Sachsen-Anhalt. Die geförderte Kohle wird vor allem in den Kraftwerken Lippendorf bei Leipzig und Schkopau bei Halle (Saale) verstromt.

Keine Garantie auf jeder einen passgenauen Anschlussjob

Armin Willingmann, Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, findet, dass 20 Jahre ausreichend seien, um den Strukturwandel in den Braunkohle-Regionen hinzubekommen. Der SPD-Politiker sagte MDR AKTUELL, selbstverständlich gebe es keine Garantie, dass jeder einen passgenauen Anschlussjob bekomme. Es gebe in Mitteldeutschland aber eine sehr starke Chemie-Industrie und starke Automobilzulieferer. Sie müsse man weiter voranbringen.

Quelle: MDR,dpa/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. Januar 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2019, 16:47 Uhr

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5 Kommentare

29.01.2019 21:20 Panta Rhei 5

@ Nr.3:

"Bergbau-Nachfolge-Landschaften"?

Dass ich nicht lache.

Überall nur riesige Seengebiete
und sonst nichts.

Monokultur dieser Art hat
mit Landschaftsgestaltung
nichts zu tun.

29.01.2019 19:20 Bernd L. 4

Panta Rei:
Sie finden der Strompreise wahrscheinlich auch ganz okay? Wir haben jetzt schon knapp den doppelten Preis verglichen mit unseren Nachbarn.

29.01.2019 18:21 Udo K 3

@ Panta Rhei 2
"Es ist jetzt klar, dass man sich dort umorientieren muss - in vielerlei Hinsicht. Dazu gehört selbstverständlich auch ein neuer Arbeitsplatz an anderer Stelle - auch außerhalb der warmen Heimat unter lauter Urdeutschen." ----------
Ganz schön gehässig, entspringt wohl grüner Menschlichkeit?
Ihrer Meinung nach sollen sich also alle in die ach so bunten Städte begeben, wo es nur so an neuen Arbeitsplätzen wimmelt?
Ja, viele Menschen haben es schon hinter sich, weitere müssen also zwingend folgen?
Sollen nun ganze Gebiete entvölkert werden?
Auch haben Sie sicher noch nie eine Bergbau-Nachfolge-Landschaft besucht, sonst wüssten Sie, wie regelrecht Erholungsgebiete danach entstanden sind.
Ich hoffe doch, auch Sie mussten Ihre Heimat schon mehrfach verlassen, um so überheblich diskutieren zu können.