Bennets Reisetagebuch: Unterwegs in Europa Sieben Tage voller Höhen und Tiefen

Bennet Rietdorf aus Zerbst reist mit dem Zug vier Wochen lang durch Europa. Er will in dieser Zeit Ideen sammeln, um die Mobilität junger Menschen im ländlichen Raum voranzutreiben. Für MDR SACHSEN-ANHALT wird der 18-Jährige in den kommenden Wochen von seinen Erfahrungen berichten. Hier kommt der dritte Teil von Bennets Reisetagebuch.

Ein junger Mann sitzt mit einem Rucksack auf dem Rücken vor einem Gebäude, im Hintergrund sind Bäume.
Bildrechte: Bennet Rietdorf

von Bennet Rietdorf, Gastautor

Ein junger Mann steht vor einem Zug.
Mit Bus und Bahn reiste Bennet Rietdorf in dieser Woche über den Balkan. Bildrechte: Bennet Rietdorf

Meine dritte Reisewoche war bislang die mit den meisten Herausforderungen. Züge fielen aus und durch Sprachbarrieren war es für mich schwieriger, mich an den Bahnhöfen zurechtzufinden. Aber beginnen wir von vorn:

Anfang der Woche fuhr ich von Athen nach Thessaloniki. Zwei Stunden vor meiner Ankunft sagte mir dann allerdings die Person ab, die mich eingeladen hatte in die Stadt zu kommen. Hinzu kam, dass mehrere Schienen defekt waren und ich auf den Bus umsteigen musste. Also entschied ich mich, Thessaloniki nicht zu besichtigen und direkt nach Serbien aufzubrechen.

Mit dem Nachtzug nach Belgrad

Blick auf das Parlamentsgebäude in Budapest
Toller Blick auf das Parlamentsgebäude von Budapest Bildrechte: Bennet Rietdorf

Im Bus unterhielt ich mich mit einer anderen Interrailerin. Elif kommt aus der Türkei und berichtete von den Verhältnissen in ihrer Heimat. Sie erzählte von der Sehnsucht vieler junger Menschen, Europa kennenzulernen. Allerdings sei ein Visum sehr teuer. Und auch die Reise in die EU koste viel Geld und sei mit viel Bürokratie verbunden.

Als wir in einem kleinen Ort in Nordmazedonien ankamen, wartete unser Nachtzug bereits. Der Zug war sehr alt, aber brachte definitiv viel Charme mit sich. In den Abteilen konnte man die Sitze zu Liegen zusammenschieben und so bauten wir uns eine große Fläche. Dort saßen wir zu fünft, hörten Musik und erzählten. Draußen gewitterte es und ab und an hellten die Blitze die dunkle Umgebung vor den Fenstern auf.

Das Gefühl in diesem Zug war ein ganz besonderes. Der Kontrolleur legte sich, nachdem er alle Tickets gecheckt hatte, in eines der Abteile und machte ein Schläfchen. Auf dem Flur des Wagons wurde geraucht. Generell wurde alles nicht so streng genommen. Diese Zugfahrt gehört definitiv zu den Highlights meiner Reise.

Ein Mann hält ein Papier mit der Aufschrift -My Interrail Pass- in der Hand.
Mit dem Interrail-Ticket durch Europa: Von seiner Reise wird Bennet Rietdorf regelmäßig bei MDR SACHSEN-ANHALT berichten. Bildrechte: Bennet Rietdorf

Vier Wochen unterwegs in Europa Die Mobilität junger Menschen im ländlichen Raum verbessern – das ist das Ziel des Programms "Youmobil", an dem sich MDR SACHSEN-ANHALT-Gastautor Bennet Rietdorf aus Zerbst beteiligt. Vier Wochen lang ist der 18-jährige Zerbster unterwegs, um mit dem Zug Europa zu erkunden. In dieser Zeit wird er in den sozialen Netzwerken über seine Reise berichten – und einmal wöchentlich den Leserinnen und Lesern von MDR SACHSEN-ANHALT von seinen Erlebnissen erzählen.

Wo muss ich hin?

Gegen zehn Uhr am Morgen in Belgrad angekommen, erfuhr ich, dass auch in Serbien der Schienenverkehr nach Budapest nicht funktionierte. Da ich etwas kyrillisch lesen kann, half mir das bei der Orientierung. Doch die Suche nach dem richtigen Bus kostete mich einige Nerven. Ich wurde von Schalter zu Schalter geschickt, von Interrail hatte noch nie jemand etwas gehört.

Brücke in Novi Sad, die über einen Fluss geht.
Die Brücke in Novi Sad wurde während des Kosovo-Krieges zerstört. Bildrechte: Bennet Rietdorf

Etwas entmutigt stieg ich also in den vollen Ersatzbus, der nach Novi Sad fuhr. Ich setzte mich neben einen recht grimmig dreinschauenden Mann. Nachdem er mitbekam, dass ich aus Deutschland komme, sprach er mich auf Deutsch an und freute sich sichtlich seine Kenntnisse etwas aufzufrischen. Ich fragte ihn, wie es ist, in Serbien zu leben. Er sagte, dass das Leben hier gut sei. Es werde viel gefeiert, Traditionen werden gepflegt, die Menschen halten zusammen. Serben seien sehr stolz auf ihr Land.

In Novi Sad angekommen half er mir ein Hostel zu finden, bezahlte mir sogar ein Taxi und verriet, wo er wohnt – falls ich Probleme bekommen sollte. Für seine Unterstützung war ich sehr dankbar. Sie gab mir von Anfang an ein angenehmes Gefühl in Novi Sad.

Bennets Reiseroute: Von Österreich nach Polen Die Reise durch Europa hat für Bennet Rietdorf in Passau begonnen. Von dort ist er am 24. August nach Wien gereist. Die weiteren Stationen: Schweiz (Zürich, Brig, Matterhorn), Italien (Modena, Mailand, Venedig, Florenz, Rom, Brindissi), Griechenland (Patras, Kiato, Athen, Thessaloniki), Serbien (Belgrad), Ungarn (Budapest), Slowakei (Bratislava, Zilinia, Rajecke Teplice) und Polen (Katowice, Krakau, Warschau, Plock, Danzig).

Ein Krieg, der noch nicht lange her ist

Die Stadt ist sehr modern, viele junge Menschen sind unterwegs. Auf einem Stadtfest auf dem Rathausplatz wurde an dem Abend überall Musik gespielt. Auf einem Plakat sah ich, dass Novi Sad 2021 erste Europäische Kulturhauptstadt außerhalb der EU wird. Der Stadt steht also noch viel bevor.

In einer Pizzeria wurde ich dann von einem Kellner auf einen Rakija – ein für die Balkanregion typischer Schnaps – eingeladen. Der Serbe erzählte mir vom Kosovo Krieg. Vor 20 Jahren wurde Novi Sad von der NATO bombardiert. Dabei wurden die drei Brücken der Stadt zerstört. Erst im letzten Jahr wurde eine von ihnen wiedereröffnet.

Über das Programm "Youmobil"

Ziel des internationalen Programms "Youmobil" ist, die Mobilität junger Menschen im ländlichen Raum zu verbessern. Denn nicht nur in Sachsen-Anhalt ist bekannt, dass viele Menschen in ländlichen Gegenden ohne Auto aufgeschmissen sind. Die Folge: Vor allem junge Menschen zieht es in Städte und deren direkte Umgebung, in kleinen Ortschaften wird die Bevölkerung immer älter. Probleme wie diese gibt es auch in anderen europäischen Ländern.

Zwar gibt es Ideen und Wege dagegen – Carsharing zum Beispiel –, oft allerdings nicht im ländlichen Raum. Das Projekt "Youmobil" möchte das ändern und die Mobilität junger Menschen auf dem Land ausbauen. Um dafür Ideen zu sammeln und Vorschläge zu erarbeiten, reisen junge Erwachsene zwischen 18 und 26 diesen Sommer mit dem Zug durch Europa. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollen nämlich in die Projekte und ihre Umsetzung einbezogen werden. Möglich macht das die sogenannte Interrail-Kampagne.

Unter den acht Partnern aus Italien, Tschechien, der Slowakei, Polen, Kroatien und Deutschland ist auch das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr aus Sachsen-Anhalt. Insgesamt stehen für das Programm "Youmobil" 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Partner in Sachsen-Anhalt sind das Netzwerk "Go Europe!" und die Europäische Jugendbildungsstätte Magdeburg.

Ein bisschen Magdeburg im slowakischen Rajecké Teplice

Am nächsten Tag ging es für mich mit dem Direktzug weiter nach Budapest. Die Stadt ist wundervoll, die Architektur einzigartig und an jeder Ecke gibt es etwas Außergewöhnliches zu sehen. Eines fällt aber auf: Im Vergleich zu Budapest ist Stuttgart ein Luftkurort.

Ein paar hundert Kilometer entfernt von Budapest liegt das Städtchen Rajecké Teplice. Der Ort ist vor allem für seine Thermalquellen bekannt. Doch bevor es für mich in das pompöse Thermalbad ging, besuchte ich das Verkehrsmuseum. Ein Besuch dort ist Teil meiner Aufgabe des Youmobil-Projektes, die verschiedenen Verkehrssysteme der Projektorte kennenzulernen.

Thermalbad in Rajecké Teplice
Mehr als zehn Becken und acht Saunen zählt das Thermalbad in Rajecké Teplice. Bildrechte: Bennet Rietdorf

Das Museum ist klein, aber sehr umfangreich. Es zeigt die Entwicklung des Transportsystems in der Slowakei – von den ersten Fahrrädern, über den Jawa Motorrad-Bau bis zum Ausbau des Schienennetzes. Dort ist auch ein Eintrag aus Magdeburg zu finden, in dem die ersten Vorschriften für den Transportverkehr festgelegt wurden.

Das Fazit für Woche 3

Die letzten sieben Tage hatten bislang die größten Höhen und Tiefen parat. Ich habe gemerkt, dass nicht immer alles so läuft, wie man es plant. Besonders dann, wenn man auf den Fernverkehr im Balkan angewiesen ist. Aber ich glaube fest daran, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Daher bin ich umso gespannter, was mich in meiner letzte Woche in Polen erwartet.

Ein junger Mann sitzt mit einem Rucksack auf dem Rücken vor einem Gebäude, im Hintergrund sind Bäume.
Bildrechte: Bennet Rietdorf

Über den Autor Bennet Rietdorf ist 18 Jahre alt und kommt aus Zerbst. Dieses Jahr hat er sein Abitur gemacht, nun reist er vier Wochen lang durch Europa. Von der Reise berichtet er auch auf seinem Instagram-Account @xbhainx und immer am Wochenende bei MDR SACHSEN-ANHALT. In seiner Freizeit fotografiert Bennet Rietdorf viel. Nach seiner Reise wird er für drei Monate in Russland an einem Freiwilligenprogramm teilnehmen. Im Anschluss will Rietdorf Internationale Beziehungen studieren.

Quelle: MDR/sp

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2019, 20:12 Uhr

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