Bennets Reisetagebuch: Unterwegs in Europa "Ein Abenteuer voller Inspirationen"

Ein junger Mann sitzt mit einem Rucksack auf dem Rücken vor einem Gebäude, im Hintergrund sind Bäume.
Bildrechte: Bennet Rietdorf

Bennet Rietdorf aus Zerbst reist mit dem Zug vier Wochen lang durch Europa. Er will in dieser Zeit Ideen sammeln, um die Mobilität junger Menschen im ländlichen Raum voranzutreiben. Für MDR SACHSEN-ANHALT wird der 18-Jährige in den kommenden Wochen von seinen Erfahrungen berichten. Hier kommt der zweite Teil von Bennets Reisetagebuch.

Impressionen vom Interrail von Bennet Rietdorf
Bennet Rietdorf reist per Interrail durch Europa. Diese Woche war er in Italien und Griechenland unterwegs. Bildrechte: Bennet Rietdorf

In dieser Woche ist schon Halbzeit meiner Reise durch Europa. Meine Bekannte Lisa und ich sind vor allem durch Italien gereist – für uns beide war es unser erster Aufenthalt in italienischen Städten wie Venedig. Tourismus bringt Venedig zwar viel Geld, die Stadt ist aber komplett überlaufen. Dagegen will der Bürgermeister nun vorgehen – und von Touristen ab kommendem Januar Geld verlangen.

Tagesbesucher sollen für einen Aufenthalt in der Lagunenstadt zwischen 2,50 Euro und zehn Euro zahlen. Außerdem will er den Schiff- und Bootsbau wiederbeleben und die Kreuzfahrtindustrie eindämmen.

Impressionen vom Interrail von Bennet Rietdorf
Ein Eindruck aus Florenz Bildrechte: Bennet Rietdorf

Noch ist es nicht soweit. Es gibt aber auch jetzt schon Viertel, in denen kaum Touristen sind – zum Beispiel im Jüdischen Viertel, das wir besucht haben, ohne Touristen zu begegnen. Anders in den Hauptstraßen in Richtung Piazza San Marco: Die sind überfüllt. Es ist schwierig, schlechte Aufnahmen von Venedig zu machen. Die Stadt steckt voller wundervoller Motive – für mich als leidenschaftlicher Fotograf wunderbar.

Von Venedig nach Florenz – und weiter nach Modena

Auf dem Weg nach Florenz haben wir einen Abstecher nach Modena gemacht. Die Stadt steht – wie Hevlin in der Vorwoche – auf meiner Reiseliste des Projekts YouMobil. Da wir uns die zehn Euro Reservierungsgebühren für den Schnellzug sparen wollten, nahmen wir den Regionalzug. Und der fuhr mit nur zehn Minuten Verspätung in Bologna ein – und mit 20 Minuten Verspätung wieder ab. Der Zug war komplett voll, die Menschen drängten sich nur so in ihn hinein.

Ein Mann hält ein Papier mit der Aufschrift -My Interrail Pass- in der Hand.
Mit dem Interrail-Ticket durch Europa: Von seiner Reise wird Bennet Rietdorf regelmäßig bei MDR SACHSEN-ANHALT berichten. Bildrechte: Bennet Rietdorf

Vier Wochen unterwegs in Europa Die Mobilität junger Menschen im ländlichen Raum verbessern – das ist das Ziel des Programms "Youmobil", an dem sich MDR SACHSEN-ANHALT-Gastautor Bennet Rietdorf aus Zerbst beteiligt. Vier Wochen lang ist der 18-jährige Zerbster unterwegs, um mit dem Zug Europa zu erkunden. In dieser Zeit wird er in den sozialen Netzwerken über seine Reise berichten – und einmal wöchentlich den Leserinnen und Lesern von MDR SACHSEN-ANHALT von seinen Erlebnissen erzählen.

Mit knapp 180.000 Einwohnern ist Modena eine mittelgroße Stadt – allerdings mit weltweiter Bedeutung. Nicht nur das beste Balsamico Italiens soll aus Modena stammen, auch die Tortellini sind hier erfunden wurden. Am bekanntesten ist die Stadt in der Emilia-Romagna-Region aber wohl für ihre Automobile: Ferrari, Pagani und Maserati sind hier beheimatet.

Weil wir nur fünf Stunden Aufenthalt eingeplant hatten, suchten wir nach der Touristeninformation – und landeten letztendlich beim Europe Direct-Informationszentrum. Dort präsentierte man mir stolz ein Stück Berliner Mauer, nachdem ich erzählt hatte, dass ich aus Sachsen-Anhalt komme. Das Stück Mauer hat die Stadt in den 90er Jahren erhalten. Eine Mitarbeiterin im Europe Direct- Informationszentrum erzählte mir und Lisa von einigen Mobilitätsmöglichkeiten in Modena.

Da wäre zum einen die sogenannte Walking Map, die einem in Minuten angibt, wie weit man zu den jeweiligen Punkten in der Stadt laufen muss. Andererseits gibt es das Yellow Bike System – ein Bike Sharing Service, sowie das Anrufbus-System, das wie in meiner Heimat Zerbst einen Transport vom Dorf in die Stadt außerhalb der normalen Busfahrzeiten sicherstellt. Modena ist aufgrund seiner guten Lage zwischen Mailand, Venedig und Bologna gut zu erreichen – auch, wenn die Regionalzüge dauerhaft überfüllt sind, wie die Mitarbeiter im Informationszentrum beklagen.

Selfie von vier jungen Menschen
Wer wie Bennet mit Interrail reist, trifft an nahezu jeder Ecke junge Gleichgesinnte. Bildrechte: Bennet Rietdorf

Die besten Tortellini überhaupt

Die meiste Zeit fahre man allerdings mit dem Fahrrad, da in der Stadt alles gut zu erreichen sei, sagte man mir vor Ort. Auch mein Eindruck war, dass es viele Fahrräder gibt. Der Bus fährt mit oberirdischen Stromleitungen und man ist zu Fuß gerade einmal eine Viertelstunde von der Altstadt bis zum Bahnhof unterwegs.

Aufgrund einer Empfehlung suchten wir ein Restaurant auf, in dem es sehr gute Tortellini geben soll. Das Restaurant war voll, wir wurden auf die Schnelle neben eine Geburtstagsgesellschaft gesetzt. Und tatsächlich: Es waren die besten Tortellini, die ich je gegessen habe. Nach dem Essen kam es eine alte Frau zu uns, die uns einiges auf Italienisch erzählte. Der Mann neben ihr übersetzte kurzerhand und sagte: "Wir sehr hübsch". Auf die Nachfrage, wo er so gut Deutsch gelernt habe, meinte er: "In der Schule, vor 50 Jahren..."

Bennets Reiseroute: Von Österreich nach Polen Die Reise durch Europa hat für Bennet Rietdorf in Passau begonnen. Von dort ist er am 24. August nach Wien gereist. Die weiteren Stationen: Schweiz (Zürich, Brig, Matterhorn), Italien (Modena, Mailand, Venedig, Florenz, Rom, Brindissi), Griechenland (Patras, Kiato, Athen, Thessaloniki), Serbien (Belgrad), Ungarn (Budapest), Slowakei (Bratislava, Zilinia, Rajecke Teplice) und Polen (Katowice, Krakau, Warschau, Plock, Danzig).

Impressionen vom Interrail von Bennet Rietdorf, Ferrari Museum Modena
Das Ferrari-Museum in Modena von außen Bildrechte: Bennet Rietdorf

Lisa schaute sich dann noch eine Weile die Stadt an, ich sah mich im Enzo Ferrari-Museum um. Ein Raum voller Autogeschichte, in dem ein Film über die Geschichte von Ferrari erzählt wird. Es war sehr sehenswert, auch wenn der Preis überzogen ist. Am Abend und in Florenz angekommen, lernten wir andere Reisende kennen, unter anderen einen Theaterautoren, der in Italien sein nächstes Stück aufführen möchte.

Florenz selbst hat mir bislang am besten gefallen. Die Hauptstadt der Toskana mit unzähligen Sehenswürdigkeiten, Palästen, Kirchen Parks, der Ponte Vecchio. Wir gingen zum Gardino Barbini, von dort hatte man einen wundervollen Blick auf die gesamte Stadt. Hierher werde ich sicher noch einmal zurückkehren. Noch am Abend sind wir dann in Rom Termini angekommen und kurze Zeit später in unserem Hostel, spielten Karten mit zwei Engländerinnen und planten den nächsten Tag.

Teuer ist das übrigens nicht: Alle Hostels auf unserer Reise haben wir erst am Tag unserer Ankunft gebucht – und das war dank Last-Minute-Preis noch einmal etwas günstiger als sonst schon. Gezahlt haben wir zwischen 17 und 25 Euro, meist sogar inklusive Frühstück.

Über das Programm "Youmobil"

Ziel des internationalen Programms "Youmobil" ist, die Mobilität junger Menschen im ländlichen Raum zu verbessern. Denn nicht nur in Sachsen-Anhalt ist bekannt, dass viele Menschen in ländlichen Gegenden ohne Auto aufgeschmissen sind. Die Folge: Vor allem junge Menschen zieht es in Städte und deren direkte Umgebung, in kleinen Ortschaften wird die Bevölkerung immer älter. Probleme wie diese gibt es auch in anderen europäischen Ländern.

Zwar gibt es Ideen und Wege dagegen – Carsharing zum Beispiel –, oft allerdings nicht im ländlichen Raum. Das Projekt "Youmobil" möchte das ändern und die Mobilität junger Menschen auf dem Land ausbauen. Um dafür Ideen zu sammeln und Vorschläge zu erarbeiten, reisen junge Erwachsene zwischen 18 und 26 diesen Sommer mit dem Zug durch Europa. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollen nämlich in die Projekte und ihre Umsetzung einbezogen werden. Möglich macht das die sogenannte Interrail-Kampagne.

Unter den acht Partnern aus Italien, Tschechien, der Slowakei, Polen, Kroatien und Deutschland ist auch das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr aus Sachsen-Anhalt. Insgesamt stehen für das Programm "Youmobil" 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Partner in Sachsen-Anhalt sind das Netzwerk "Go Europe!" und die Europäische Jugendbildungsstätte Magdeburg.

In Rom konnte man dann alle Zeitepochen erkennen, von den Ruinen der Römer, über die Barockpaläste der römischen Adelsfamilien bis hin zu modernen Glasbauten. Lisa und ich schauten uns den Palatino Hügel an mit Blick auf das Kolosseum, vor dem sich eine nicht kürzer werdende Schlange langsam ins Innere begab. Auf der Suche nach einem Restaurant im Studentenviertel verliefen wir uns, lernten dadurch den abenteuerlichen und scheinbar ungeordneten Straßenverkehr der Metropole kennen und aßen bei einem Inder eine Pizza. Der Mann erzählte uns, dass 99 Prozent aller Deutschen seine Lieblingsgäste sind. Na gut.

Am Abend gingen wir in eine Hostelbar mit anderen Interrailern, um den letzten Abend meiner gemeinsamen Reise mit Lisa ausklingen zu lassen. Lisa und ich kannten uns vor der Reise nicht. Ihre Reisepartnerin hatte kurz vor Beginn der Reise abgesagt. Also hatte sie mich via Facebook gefragt, ob wir ab Wien ein Stück zusammenreisen wollen. Gesagt, getan. Ich bin dankbar, den ersten Abschnitt mit Lisa bewältigt zu haben. Ich bin wirklich froh über die gemeinsamen Erlebnisse.

Mit dem Taxi durch die Stadt gerast

Dann trennten sich unsere Wege. Für mich ging es im Schnellzug nach Bari, am Bahnhof traf ich einige Interrailer und sah mir mit ihnen die Stadt an. Am gut besuchten Strand angekommen, ging ich ins Wasser. Kaum drin, kam die Durchsage: "Achtung, das Wasser ist kontaminiert". Warum? Ein Mann am Strand sagte mir auf Nachfrage, dass bei Regen der Dreck der Stadt ins Wasser gespült wird. Heute, so meinte er, sei es aber nicht ganz so schlimm. Man könne ruhig baden.

Allerdings waren wir knapp dran – und lernten so die nicht ganz vorschriftsmäßigen Fahrkünste eines italienischen Taxifahrers kennen, der ohne Mühe die auf Google Maps angegeben Zeit zum Hafen unterbot.

16 Stunden mit der Fähre nach Griechenland

Impressionen vom Interrail von Bennet Rietdorf
16 Stunden auf der Fähre – und die Zeit ging sogar relativ flott vorbei. Bildrechte: Bennet Rietdorf

Am Abend legte dann die Fähre nach Patras in Griechenland ab. Nach 16 Stunden Fahrt, die ziemlich flott vergingen, ist Patras meine erste Station auf dem Weg nach Athen gewesen. Mit im Bus fuhr Chika, eine Interrailerin aus den Niederlanden, die den gleichen Weg wie ich hatte (nach Kiato). Wir entschieden nach einem kurzen Blick im Internet, dort zu bleiben – und fanden eine sehr preiswerte Unterkunft direkt am Meer. Von hier schreibe ich gerade diesen Bericht und tanke etwas Energie für die nächsten Tage.

Gespannt war ich auf Athen. Dort kommt man mit einem Schüler- oder Studentenausweis kostenlos in alle antiken Sehenswürdigkeiten. Bei Sonnenaufgang auf der Akropolis zu stehen – mit Blick auf ganz Athen – ist sehr beeindruckend und mit etwas Glück kann man kurz vor Besucherschluss noch ein Foto vom Pantheon ganz ohne Touristen machen.

Impressionen vom Interrail von Bennet Rietdorf
Diesen tollen Ausblick auf Athen hat Bennet Rietdorf mit der Kamera eingefangen. Bildrechte: Bennet Rietdorf

 Wie die eigene Denkweise sich verändert

Es fällt mir nicht ganz leicht, die vielen Ereignisse und Begegnungen in meinem Kopf zu ordnen und zu beschreiben, was ich auf dieser Reise empfinde. Aber ich merke, dass ich viel dazu lerne über die Länder, die Städte, wie sich meine Denkweise verändert und meine Herangehensweise an Probleme und Hürden auf der Reise.

Es scheint so irreal, in welch kurzer Zeit man so viele verschiedene Eindrücke gewinnt und man jeden Tag Hunderte Kilometer zurücklegt. Jeden Tag spreche ich mit Menschen, lerne andere Interrailer kennen, höre die Geschichten, was diese Menschen heute ausmacht und sammele auf diesem Abenteuer so viele Inspirationen und Ideen für alles, was kommt. Ich freue mich auf die kommenden beiden Wochen.

Ein junger Mann sitzt mit einem Rucksack auf dem Rücken vor einem Gebäude, im Hintergrund sind Bäume.
Bildrechte: Bennet Rietdorf

Über den Autor Bennet Rietdorf ist 18 Jahre alt und kommt aus Zerbst. Dieses Jahr hat er sein Abitur gemacht, nun reist er vier Wochen lang durch Europa. Von der Reise berichtet er auch auf seinem Instagram-Account @xbhainx und immer am Wochenende bei MDR SACHSEN-ANHALT. In seiner Freizeit fotografiert Bennet Rietdorf viel. Nach seiner Reise wird er für drei Monate in Russland an einem Freiwilligenprogramm teilnehmen. Im Anschluss will Rietdorf Internationale Beziehungen studieren.

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Bildrechte: Bennet Rietdorf

Quelle: MDR/ld

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