Skepsis zu Vorstoß aus Bayern Sachsen-Anhalt gegen anlasslose Corona-Tests

Sachsen-Anhalt zeigt sich unbeeindruckt von Bayerns Plänen, wo es Corona-Tests künftig für jedermann – ohne Verdacht auf eine Erkrankung – geben soll. Das Land will bei der eigenen erweiterten Teststrategie bleiben und sich auf Schwerpunktbereiche wie Altenpflegeheime und Kindereinrichtungen konzentrieren.

Proben für Corona-Tests werden im Diagnosticum-Labor in Plauen für die weitere Untersuchung vorbereitet.
Die Teststrategien zwischen den Bundesländern nehmen jetzt Unterschiede an. Bayern will auf massenhafte, anlasslose Tests setzen, Sachsen-Anhalt will bei Schwerpunkt-Testungen bleiben. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt plant – anders als Bayern – bislang nicht, ohne konkreten Hinweis flächendeckend auf mögliche Erkrankungen mit dem neuartigen Coronavirus zu testen. Die eigene Strategie, stattdessen lieber stichprobenartig in ausgewählten neuralgischen Bereichen Corona-Tests vorzunehmen, soll trotz des Vorstoßes aus Bayern für das Land Sachsen-Anhalt weiter zentral bleiben. Das Gesundheitsministerium unter Ministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hält diesen Weg, wie es heißt, für zielführender.

Dabei setzt Sachsen-Anhalt bisher auf größere, anlasslose Testungen nur in Schwerpunktbereichen. Darüber sollen Infektionsketten aufgespürt und verfolgt werden. Stichproben im Rahmen dieser im Juni gestarteten Teststrategie hatte das Land für Alten- und Pflegeheime, aber auch für Kitas und Schulen in Aussicht gestellt. Gerade bei Kindern könnten sogenannte U-Untersuchungen für freiwillige Tests bei den Schuleingangsjahrgängen genutzt werden.

Grund sind die vergleichsweise niedrigen Infektionszahlen im Land. Bis dato gibt es nach den Zahlen des Sozialministeriums insgesamt 1.873 bestätigte Infektionen mit dem Sars-CoV-2-Virus, 1.718 Personen gelten Schätzungen zufolge als genesen (Stand: 29. Juni). Demnach gibt es im Land etwa 155 aktive Fälle.

Vorsorglichen, freiwilligen Massentest gab es bei Tönnies im Burgenlandkreis

Größere vorsorgliche Tests gab es bislang schon auf Landkreisebene. Der Burgenlandkreis etwa hatte in Weißenfels beim Schlachtbetrieb von Tönnies einen Massentest auf den neuartigen Coronavirus gemeinsam mit dem Unternehmen organisiert. Das war im Mai vor dem Hintergrund der entdeckten Fälle in anderen Bundesländern. Am nordrhein-westfälischen Tönnies-Standort Rheda-Wiedenbrück gab es zuletzt mehr als 1.500 positive Fälle unter den Mitarbeitern.

Darüber hinaus wird in Sachsen-Anhalt nach bisher üblicher Regel immer dann getestet, wenn es Grund zur Annahme gibt, dass eine Infektion vorliegen könnte. Etwa bei Symptomen und der Rückkehr aus einem Risikogebiet oder nach Kontakt mit einem nachweislich infizierten Menschen. Ministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sagte der Volksstimme dazu: "Wir entscheiden nach Gefahrenlage." Massentest-Angebote soll es demnach nur in Gemeinden mit großen Ausbrüchen geben, wie etwa zuletzt in Magdeburg.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hatte am Sonntag angekündigt, dass sich im Freistaat bald jeder, auch ohne Symptome, auf das neuartige Coronavirus werde testen lassen können. Also jeder, egal, ob er oder sie Symptome hat, zu einer Risikogruppe gehört oder ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt. In den Fällen, in denen die Kassen nicht einspringen, will der Freistaat die Kosten übernehmen.

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Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 29. Juni 2020 | 07:00 Uhr

4 Kommentare

nasowasaberauch vor 16 Wochen

Anlassloses Testen ist wahrscheinlich unnötig. Bayern wählt den Weg der Durchtestung, der auch Sinn mach, aber teuer ist. Knackpunkt ist nach wie vor die Frage der Kosten und die Politik kündigte vollmundig den Test für Jedermann an, aber wer die Kosten letztendlich dafür trägt wurde ausgespart. Die Krankenkassen sollen zahlen, die wehren sich dagegen und so bleibt es am Patienten hängen. Alles wie immer.

wolter108 vor 16 Wochen

Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) Beispiel: Jemand lässt sich testen, obwohl er sich gesund fühlt. Er bekommt am Montag die gute Nachricht, dass der Test negativ ausgefallen ist und fühlt sich sicher. Am Dienstag aber steckt er sich an. „Jeder müsste sich streng genommen jeden zweiten Tag testen lassen, um sicher zu gehen“, sagte die Ministerin. „Durch flächendeckende Massentest bekämen wir immer nur ein Lagebild für einen Tag.“

Und warum diskriminieren wir die Leute aus dem Kreis Gütersloh dann????

C.T. vor 15 Wochen

Wer sich testen lässt, der muss auch bezahlen. Wer nicht - der nicht. So funktioniert Gerechtigkeit.

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