Ein Arzttermin
Das Terminservice- und Versorgungsgesetz des Bundes soll dafür sorgen, dass Patienten schneller an Arzttermine kommen. Die Kassenärztliche Vereinigung hat ihre Zweifel, ob das klappt. (Symbolbild) Bildrechte: colourbox

Kritik an Terminservicegesetz Schneller Arzttermine bekommen: Kassenärzte zweifeln an neuem Gesetz

Wer einen Termin beim Arzt bekommen will, braucht oft Geduld: Die Sprechstunden sind ausgelastet, die Wartezimmer voll. Ein neues Gesetz des Bundes soll das ändern. Die Kassenärztliche Vereinigung hat aber Zweifel daran, ob das am Ende auch gelingt.

Ein Arzttermin
Das Terminservice- und Versorgungsgesetz des Bundes soll dafür sorgen, dass Patienten schneller an Arzttermine kommen. Die Kassenärztliche Vereinigung hat ihre Zweifel, ob das klappt. (Symbolbild) Bildrechte: colourbox

Das Ziel klingt wie eines, von dem alle etwas haben: mehr Sprechstunden beim Arzt, schnellere Termine für Patienten. Genau das ist es, was mit einem im Mai in Kraft getretenen Gesetz des Bundes erreicht werden soll. Nur: Nach Ansicht der Kassenärztlichen Vereinigung in Sachsen-Anhalt (KVSA) ist dieses Ziel hierzulande kaum zu schaffen.

Ein Grund ist nach Angaben der KVSA, dass fast alle Arztpraxen in Sachsen-Anhalt bereits 25 Sprechstunden oder mehr anbieten. "Diese Praxen verfügen also nicht, wie offenbar vom Gesetzgeber angenommen, über hohe ungenutzte Kapazitäten", meldet die KVSA.

Wartezimmer-Schild
Volle Wartezimmer – das kennen viele Sachsen-Anhalter. (Archivfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Kern sieht das am 11. Mai in Kraft getretene Gesetz vor, dass die sogenannten Terminservicestellen ausgebaut werden und künftig rund um die Uhr erreichbar sind. Die Servicestellen gibt es seit 2016, auch in Sachsen-Anhalt. Bislang ihre Aufgabe: Patienten an Fachärzte und zur psychotherapeutischen Behandlung zu vermitteln. Nun sollen die Terminservicestellen allerdings auch Termine zu Haus- und Kinderärzten vermitteln und bei der Suche nach festen Haus- und Kinderärzten helfen. Das gehörte bislang nicht zu ihren Aufgaben.

Laut Gesetz sollen Vertragsärzte außerdem mindestens 25 Sprechstunden pro Woche anbieten – und im Gegenzug besser für Zusatzangebote vergütet werden. Wer schneller Termine an Patienten vergibt, soll dafür finanziell belohnt werden – das ist das Credo von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Haben Sie die Terminservicestelle bereits genutzt, um einen Termin beim Arzt zu vereinbaren?

16% 13 Stimmen   Ja.
71% 58 Stimmen   Nein, bislang nicht.
13% 11 Stimmen   Ich musste glücklicherweise schon länger nicht mehr zum Arzt.

Stand: 17.06.2019 18:36:13 Uhr 82 Stimmen Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

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Vereinigung kritisiert Umweg über Servicestelle

Großer Befürworter der Terminvermittlung ist die Kassenärztliche Vereinigung im Übrigen nicht – und das nicht erst, seit es das neue Gesetz gibt. Der Weg über die Servicestelle sei deutlich ineffizienter als der über Praxen selbst, kritisiert die KVSA schon seit längerem.

Konkret befürchtet sie, dass Patienten mit dringenden Anliegen wegen der Vermittlungsstelle keine Termine bekommen. "Für die zu meldenden Termine müssen Zeiträume geblockt werden, die dann anderen Patienten nicht angeboten können", heißt es in einer Stellungnahme. "Bleiben diese Termine ungenutzt oder erscheint der vermittelte Patient nicht, geht konkret Versorgungszeit verloren." Diese Ausfälle würden den Arztpraxen nicht erstattet.

Patienten im Wartezimmer
Volle Wartezimmer, genervte Patienten: Ein neues Gesetz des Bundes soll Abhilfe schaffen. (Symbolbild) Bildrechte: colourbox

Die Terminservicestelle in Sachsen-Anhalt Die Terminservicestelle in Sachsen-Anhalt gibt es seit 2016. Pro Woche gehen dort laut einer Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung (KVSA) 120 bis 180 Anrufe ein. Die Zahl der Anrufer ist demnach seit Inkrafttreten des Gesetzes gestiegen, in der letzten Woche im Mai aber wieder gesunken. Schwankungen seien aber schon vorher üblich gewesen, so die KVSA. Etwas mehr als fünf Prozent der Anrufe bezögen sich auf Anfragen zu Haus- und Kinderarztterminen. Im Gegenzug hätten 683 Hausärzte und 75 Kinderärzte freie Termine in ihren Praxen gemeldet.

Nach Meinung der KSVA müssen also Zweifel erlaubt sein, ob Patienten mit dem neuen Gesetz auch wirklich schneller einen Termin beim Arzt bekommen. "Dem steht ein immenser Verwaltungsaufwand gegenüber, der von der Ärzteschaft gestemmt werden muss." Grundproblem sei weiter, dass es nicht ausreichend Ärzte gibt.

Quelle: MDR, dpa/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. Juni 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juni 2019, 15:49 Uhr

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9 Kommentare

18.06.2019 06:40 Ossi 65 9

Mit einem Entsprechenden Hinweis auf der Überweisung, hat man eigentlich schon immer schneller einen Facharzt Termin bekommen. Ich warte im Schnitt 2-3 Monate, und das ist wenn nicht grade Lebensbedrohlich in Ordnung. Es sollte seitens der Politik mal vielmehr das Gespräch mit dem Ärzten gesucht werden, um diese langen Wartezeiten in einer Arztpraxis trotz Termin abzubauen. Das ist nämlich Unerträglich, wenn man um 9 Uhr bestellt ist, aber um 11 Uhr erst dran ist. Ich bin deswegen schon mal Krank geworden, denn ich bin ohne heftiger Erkältung zum Arzt gegangen, das Wartezimmer war voller Grippe und Erkältungspatienten, und nach dem ich dann 2 Stunden auf meine Behandlung gewartet habe, in einem Wartezimmer voller Viren war ich dann dank dessen ein paar Tage später selber richtig Krank. Das muss endlich mal anders werden.

17.06.2019 23:27 part 8

Über was hier diskutiert wird, das sind die Folgen einer gesellschaftspolitischen Fehlentwicklung die so heraufbeschworen wurde um das Gesundheitswesen immer mehr privatwirtschaftlichen Profitinteressen unterzuordnen und den Staat aus seiner Pflichtaufgabe der Daseinsvorsoge schrittweise herauszunehmen. Weniger Ausbildungsplätze für Ärzte, mehr Klinikkonzerne oder Privatkliniken, mehr Bürokratie, weniger Leistungsübernahmen durch KK verbunden mit mehr Eigenteilübernahme durch den Kranken, Krankheit als Gewinnmodell das durch Genesung zerstört werden würde, Privatärzte mit Arbeitsstunden im Traumbereich oder angestellte Ärtzte in Kliniken mit Schichten mit über 36 h, Einflußnahme von Pharmakonzernen auf die Ärzteschaft. All dies belegt das, das Gesundheitssystem in eine marktwirtschaftliche Sackgasse geraten ist und mehr gesamtgesellschaftliche Kosten verursacht als vorher. Neue Polykliniken oder Ärtztegemeinschaften, sind dagegen ein Trend, die Fachärztekompetenz nicht ersetzen kann.

17.06.2019 19:07 Carolus Nappus 7

Herrlich, da haben die Gesetzausarbeiter wohl einfach von sich auf andere geschlossen. Besser kann man nicht illustrieren, wie weit weg die von der Realität sind.
Auf sowas Banales wie eine Erhebung der Sprech- oder gar der Arbeitszeiten der vorhandenen niedergelassenen Ärzte kommen die wahrscheinlich gar nicht.