Neue Technologie Schwimmende Solarzellen made in Sachsen-Anhalt

MDR-Redakteur Roland Jäger
Bildrechte: Philipp Bauer

Auf einem Tagebausee in Amsdorf bei Halle soll eine neuartige Technologie erprobt werden. Auf dem Wasser sollen Solarpanele installiert werden. Firmen und Forschungsinstitute aus Sachsen-Anhalt arbeiten dafür mit Forschern aus Singapur zusammen.

Teil des schwimmenden Testfeldes in Singapur
In Singapur schwimmen bereits Solarzellen auf dem Wasser. Nun soll diese Technologie auch in Sachsen-Anhalt erprobt werden. Bildrechte: Solar Energy Research Institute of Singapore (SERIS)

Noch läuft im Tagebau Amsdorf westlich von Halle die Braunkohle-Förderung, noch graben sich Bagger durch die Kohle. Doch die Zeichen in den Kohleregionen Deutschlands stehen auf Veränderung. Ein weiterer, ehemaliger Tagebau bei Amsdorf ist bereits geflutet – und dort soll 2020 ein neuartiges, schwimmendes Solarfeld aufgebaut werden.

Die Technologie für den schwimmenden Solarpark wird bereits getestet – und zwar rund 10.000 Kilometer von Amsdorf entfernt, im südostasiatischen Stadtstaat Singapur. Dort schwimmen bereits heute zehn verschiedene Prototypen der neuen Solarpanele auf dem weltweit größten Testfeld.

Sachsen-Anhalt profitiert von Erfahrungen aus Singapur

Das Solar Energy Research Institute of Singapur (SERIS) betreibt das Erprobungsfeld in Südostasien. Dr. Thomas Reindl von SERIS hält die Technologie für zukunftsweisend, denn Solarzellen arbeiten bei geringeren Temperaturen effektiver: "Man kann die schnell aufs Wasser bringen, sie müssen dann noch verankert werden, aber die reine Umsetzung ist einfach. Es gibt einen sehr starken Kühlungseffekt von der Wasserumgebung und dem stärkeren Wind auf dem Wasser. Das heißt, die Anlagen geben mehr Leistung ab." Denkbar ist, die schwimmenden Panele auf Stauseen anzubringen und so noch mehr Strom zu erzeugen. 

Ein enger Partner des Forschungsinstituts in Singapur ist die Hochschule Anhalt. Beide kooperieren bereits in einem anderen Projekt, in dem die Effizienz von Solarpanelen in verschiedenen Klimazonen erforscht wird. SERIS und die Hochschule Anhalt betreiben dafür Solaranlagen in Alice Springs in Australien, Xinjiang in China, Singapur und Bernburg. 

Hier sollen Solarzellen Schwimmen lernen

Im Tagebausee Amsdorf (Luftbild) bei Halle soll in Sachsen-Anhalt 2020 ein weiteres Testfeld entstehen.
Von Singapur nach Sachsen-Anhalt: Im Tagebausee Amsdorf (Luftbild) bei Halle soll im kommenden Jahr ein weiteres Testfeld für schwimmende Solarzellen entstehen. Bildrechte: MDR/Karsten Kiesant
Im Tagebausee Amsdorf (Luftbild) bei Halle soll in Sachsen-Anhalt 2020 ein weiteres Testfeld entstehen.
Von Singapur nach Sachsen-Anhalt: Im Tagebausee Amsdorf (Luftbild) bei Halle soll im kommenden Jahr ein weiteres Testfeld für schwimmende Solarzellen entstehen. Bildrechte: MDR/Karsten Kiesant
Noch ist von dem Projekt vor Ort nichts zu sehen – aber die Planungen sind bereits sehr konkret.
Noch ist von dem Projekt in Amsdorf nichts zu sehen – aber die Planungen sind bereits sehr konkret. Bildrechte: MDR/Karsten Kiesant
Bisher baut das Unternehmen ROMONTA hier Braunkohle ab.
Bisher wird in der Region noch Braunkohle abgebaut. Bildrechte: MDR/Karsten Kiesant
Andere noch aktive Tagebaue, wie dieser, werden in einigen nach dem Ausstieg aus dem Braunkohle-Abbau geflutet werden – und Platz für schwimmende Solarfelder bieten.
Andere noch aktive Tagebaue, wie dieser, werden nach dem Ausstieg aus dem Braunkohle-Abbau geflutet werden – und so Platz für schwimmende Solarfelder bieten.

Quelle: MDR/mh
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Chancen für Sachsen-Anhalt

Die Hochschule Anhalt ist auch am Solarprojekt in Amsdorf beteiligt. Rektor Jörg Bagdahn sieht in der Idee vom schwimmenden Solarpark große Chancen für Sachsen-Anhalt: Durch die Tagebaurestlöcher und bestehende Kraftwerkinfrastruktur könnten die Solaranlagen optimal eingesetzt werden. Sachsen-Anhalt könne Speichertechnologien testen – und zu einem großen Erzeuger erneuerbarer Energien werden.

Zunächst soll ein vergleichsweise kleines schwimmendes Testfeld mit einer Fläche von 500 Quadratmetern im Tagebausee Amsdorf gebaut werden. Neben der Hochschule Anhalt steuert auch das Fraunhofer-Institut in Halle Fachwissen bei. Die Schwimmkörper für die Solarpanele sollen von der Firma Gedack aus Coswig entwickelt und gebaut werden. Der Tagebau-Betreiber Romonta will die Anlage gemeinsam mit dem Magdeburger Energieunternehmen Getec green energy betreiben. 

Schwimmende Solaranlage als Exportprodukt

Der Geschäftsführer des Energieunternehmens Getec, Chris Döhring, ist an der Planung des schwimmenden Solarparks beteiligt.
Getec-Geschäftsführer Chris Döhring ist an der Planung des schwimmenden Solarparks beteiligt. Bildrechte: MDR/Karsten Kiesant

Getec-Geschäftsführer Chris Döhring hofft darauf, die schwimmenden Solarfelder nicht nur auf Tagebauseen in Sachsen-Anhalt etablieren zu können, sondern zu einem Exportprodukt zu machen. Döhring sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Solarpanele wirkten auch als Verdunstungsschutz von Wasserreservoirs – ein Aspekt, der für viele Regionen in der Welt interessant sei. 

Die Landesinvestitionsbank prüft derzeit eine Förderung des Projekts. Wenn die Förderung bewilligt wird, sollen die schwimmenden Solarpanele im Sommer 2020 installiert werden und ans Netz gehen.

MDR-Redakteur Roland Jäger
Bildrechte: Philipp Bauer

Über den Autor Roland Jäger arbeitet seit 2015 für den Mitteldeutschen Rundfunk – zunächst als Volontär und seit 2017 als Freier Mitarbeiter im Landesfunkhaus Magdeburg. Meist bearbeitet er politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen – häufig für die TV-Redaktionen MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE und Exakt - Die Story, auch für den Hörfunk und die Online-Redaktion. Vor seiner Zeit bei MDR SACHSEN-ANHALT hat Roland Jäger bei den Radiosendern Rockland und radioSAW erste journalistische Erfahrungen gesammelt und Europäische Geschichte und Germanistik mit Schwerpunkt Medienlinguistik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg studiert.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26. November 2019 | 11:00 Uhr

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