Ermittlungen zum Feuertod Jalloh-Sonderberater sieht erheblichen Aufklärungsbedarf

13 Jahre nach dem Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh sind die Umstände weiter ungeklärt. Während die Akten nahezu ruhen, setzt der Landtag zwei Juristen als Sonderberater ein. Sie sollen klären, ob ordentlich ermittelt wurde.

Der Sonderberater des Landtages, Jerzy Montag, sieht im Fall Oury Jalloh erheblichen Aufklärungsbedarf. Montag sagte am Dienstag, es sterbe ein Mensch in staatlichem Gewahrsam. So etwas sei immer aufklärungsbedürftig. "Der Fall Jalloh regt mich menschlich auf", so Montag. Er verstehe die Arbeit aber als objektiven, keiner Hypothese zugeneigten Auftrag.

Ermittlungsarbeit unter der Lupe

Der Rechtsanwalt wird gemeinsam mit dem früheren Generalstaatsanwalt Manfred Nötzel den Landtag dabei unterstützen, im Fall Jalloh die Akten zu sichten und zu bewerten, ob ordentlich ermittelt wurde. So geht es etwa darum, ob es noch offene Ermittlungsansätze gibt oder ob die Ermittlungsbehörden bei ihrer Aufklärung unzulässig beeinflusst wurden. Auch sollen die Fragen geklärt werden, ob der Landtag immer wahrheitsgemäß informiert wurde und ob es rechtlich nachvollziehbar ist, dass die Staatsanwaltschaft Halle 2017 das Verfahren zu den Akten gelegt hat.

Ich glaub, ich kann das. Ich traue mir zu, zu beurteilen, ob dieses Verfahren ordentlich geführt worden ist oder nicht.

Jurist Manfred Nötzel im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT
Oury Jalloh
Die Juristen sollen aufklären - nach Aktenlage. Bildrechte: IMAGO

Nötzel und Montag gelten als erfahrene Juristen. Der 68-jährige Nötzel wurde mit Verfahren gegen den früheren Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen oder den ehemaligen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone bekannt. Montag ist Strafverteidiger, saß für die Grünen im Bundestag und war schon Sonderermittler im Fall NSU.

Wie die sachsen-anhaltischen Koalitionsfraktionen mitteilten, sollen die Berater mit ihrer Arbeit erst beginnen, wenn die Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft beendet sind. Derzeit prüft die Behörde noch eine Beschwerde gegen die Verfahrens-Einstellung von 2017.

Der Asylbewerber Oury Jalloh war im Januar 2005 in einer Dessauer Polizeizelle verbrannt. Die genauen Umstände seines Todes sind bis heute ungeklärt. Gutachter lieferten bisher widersprüchliche Einschätzungen aus Brandversuchen.

Quelle: epd,MDR/ap

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Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 12. Juni 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2018, 21:32 Uhr

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21 Kommentare

14.06.2018 13:59 egon @ christine 21

Der gesunde Menschenverstand sagt einem auch, daß es unmöglich ist, sich mit einer Pumpgun durch den Mund das Hirn weg zu schießen und anschließend diese Waffe nachzuladen. Und es außerdem zu schaffen, ohne Handschuhe zu tragen, keinen einzigen Fingerabdruck an der Waffe zu hinterlassen. Und genau wie Herr Jalloh soll dieser Kerl (Uwe Mundlos) Feuer gelegt haben, bevor sein Tod eintrat, obwohl keine erhöhten CO-Werte im Herzblut und keine Rußspuren in der Lunge gefunden wurden. Also entweder die Herren Jalloh und Mundlos konnten besser zaubern als David Copperfield, oder in beiden Fällen wurden Selbsttötungen inszeniert, um zu vertuschen, daß andere Personen deren Ableben herbei geführt haben.

13.06.2018 23:13 MICHA 20

"Montag ist Strafverteidiger, saß für die Grünen im Bundestag und war schon Sonderermittler im Fall NSU." Zitat Ende. Wollen wir wetten dass der was findet? Für mich ist dieser ..... einfach nur ein Gewaltverbrecher der sich selbst angebrannt hat um der Strafverfolgung aus dem Weg zu gehen.

mattotauba 16 sie sollten noch mal im Geschichtsbuch nachschauen bevor Sie solche dümmlichen Sprüche raus hauen,das wäre ein "Fliegenschiss"gewesen... Hexenverbrennung hat nichts mit Deutschland zu tun sondern wurde im Namen der römisch-katholischen Kirche fabriziert!!!

13.06.2018 20:03 Christine 19

Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass da was nicht stimmen kann. Wie kann ein Mensch im Gewahrsam von unserer Polizei ums Leben kommen, genau wie übrigens schon zwei Andere vorher auf derselben Polizeiwache.Das erfordert Aufklärung, auch wenn es viele Jahre dauert!.Auch die anderen Fälle sollten nochmals gecheckt werden, denn es geht hier schließlich um Mord, versuchten Mord, Körperverletzung mit Todesfolge o.ä.passiert in polizeilichen Gewahrsam. Das kann man nicht als nichtig abtun, nicht für die Angehörigen der Opfer und nicht für uns und unsere Angehörigen. Ich jedenfalls möchte im Moment nichts mit der Dessauer Polizei zu tun haben!!