Nach Demo in Köthen Stahlknecht: "AfD macht sich mit Extremisten gemein"

Der Tod eines 22-Jährigen und die anschließenden Demonstrationen beschäftigen weiter viele Menschen in Sachsen-Anhalt. Nach zwei Demonstrationen am Sonntag wirft Innenminister Holger Stahlknecht jetzt der AfD vor, sich mit "extremistischen Krawalltouristen" gemein zu machen. Vertreter der AfD weisen das empört von sich. Die Polizei will die Ereignisse mit zwei Ermittlungsgruppen aufarbeiten.

Holger Stahlknecht
Kritisiert die AfD scharf: Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht von der CDU Bildrechte: dpa

AfD weist Vorwürfe von Stahlknecht empört zurück

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht hat der AfD vorgeworfen, sich bei der Demonstration in Köthen am Sonntag mit Rechtsextremisten gemein gemacht zu haben. Das sagte der CDU-Politiker am Montag bei einer Pressekonferenz in Magdeburg. Die AfD habe sich nicht eindeutig von den 300 bis 400 Rechtsextremisten in Köthen distanziert, kritisierte der Innenminister. Am Ende sei nicht erkennbar gewesen, dass vor Ort unterschiedliche Gruppen demonstriert hätten. Stahlknecht weiter: "Durch ihr Agieren und Bewerben solcher Veranstaltungen bereitet die AfD Extremisten den Boden und macht sie salonfähig."

Der Fraktionschef der AfD im Landtag, Oliver Kirchner, wies die Vorwürfe bei MDR SACHSEN-ANHALT als "hanebüchenen Unsinn" zurück. Er selbst sei am Sonntag als Privatmann in Köthen gewesen. Es sei ein ruhiger Trauerzug gewesen. Die Durchmischung des Publikums könne er aber schlecht beurteilen, sagte Kirchner und betonte, er kenne die Leute nicht. "Ich habe mich keiner Gruppierung angeschlossen, die rechtsextremistisch ist. Ich habe mich einer Demo angeschlossen, die von 'Zukunft Heimat' angemeldet wurde." Die Teilnehmer seien immer wieder aufgefordert worden, Extremisten auszuschließen. "Für mich", so Kirchner weiter, "ist jeder Rechtsextremist auf einer Demo einer zu viel."

Stahlknecht sagte bei der Pressekonferenz am Montag auch, dass sich am Sonntag rund 100 gewaltbereite Linksextremisten unter die Gegendemonstranten gemischt hätten. "Auch dort muss man deutlich sagen, dass man mit denen nichts zu tun haben will", erklärte der Innenminister.

Kerzen stehen am Karlsplatz in Köthen, wo ein 22-Jähriger in der Nacht zum 9. September 2018 ums Leben gekommen ist.
Bildrechte: MDR/Martin Paul

Polizei bildet zwei Ermittlungsgruppen

Unterdessen will die Polizei die Ereignisse in Köthen mit zwei Ermittlungsgruppen aufarbeiten. Auch das wurde am Montag bei der Pressekonferenz bekannt. Wie der Leiter der Polizeidirektion Ost in Dessau-Roßlau, Matthias Cichosz, sagte, beschäftigen sich in der Ermittlungsgruppe "Köthen" fünf Beamte mit dem Tod des 22-jährigen Markus B.

Ein vierköpfiges Team mit dem Namen "Mikro" befasse sich darüber hinaus mit den Straftaten am Rande der rechtsgerichteten Demos und des Gegenprotests am Sonntag.

Demonstranten randalieren am Bahnhof in Magdeburg

Wie am Montag ebenfalls bekannt wurde, haben nach der Demonstration und dem Gegenprotest in Köthen mehrere Menschen am Magdeburger Hauptbahnhof randaliert. Das hat die Bundespolizei mitgeteilt. Die rund 20-köpfige Gruppe war demnach gegen 22:30 Uhr in Magdeburg angekommen und von Polizisten auf dem Weg aus dem Bahnhof begleitet worden. Dabei sei ein "Polenböller" zur Explosion gebracht worden. Außerdem habe die Gruppe rechte Parolen skandiert.

Als ein Polizist die Identität eines Mannes feststellen wollte, habe dieser den Beamten angegriffen, zu Boden gestoßen und geschlagen. Erst als Verstärkung kam, sei die Gruppe geflüchtet. Sieben Männer wurden den Angaben zufolge aber später in der Nähe des Bahnhofs gestellt. Gegen sie wird nun unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 17. September 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2018, 20:22 Uhr

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47 Kommentare

19.09.2018 18:17 Normalo 47

@ 41 Wissen Sie, es gibt da schon einen Unterschied. Die Antifa besteht aus Randalierern die kopflos gegen den Kapitalismus, wahlweise Faschismus losziehen. Gaben keineswegs meine Sympathie, sitzen aber in keinem Parlament. Sieht man mal vom linken Flügel der Linken ab. Die Rechtsextremen wurden gewählt weil sie mit Stammtischparolen clever die Fehler der anderen Parteien bepöbeln und die Demokratie ernsthaft bedrohen. Das hat die Antifa, glücklicherweise nie geschafft. Hoffen wir, die Mehrheit, dass es die Rechten auch nie schaffen.

19.09.2018 18:09 Normalo 46

Verstehe nicht was Stahlknecht da neues verkündet haben soll. Ist die AfD in Chemnitz Seit an Seit mit Nazis marschiert? Na klar! Verwendet Bernd Höcke Nazivokabular? Na aber sicher. Das genießen AfD Anhänger doch klammheimlich. Und die gespielte Empörung ist zum Kichern durchsichtig :)

19.09.2018 17:03 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 45

@ 42. Sr.Raul:
Ich sage mal: mit den recht ungenauen Angaben kann ich diesen unter den anderen Fällen nicht so genau identifizieren... dazu passiert in MD offenbar zu viel.

Und wie sollen sich dann 'nicht wirklich trauernde Trauergäste' konkrett dazu verabreden können?

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