Kampf gegen Blutkrebs Stammzellspende: Immer mehr Sachsen-Anhalter wollen Leben retten

Die Anzahl der Menschen, die sich in Sachsen-Anhalt als Stammzellspender typisieren lassen, wächst. Die meisten Spender sind in Magdeburg, Halle und dem Harz registriert. MDR SACHSEN-ANHALT zeigt die Entwicklung und beantwortet die wichtigsten Fragen und Antworten zur Stammzellspende.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Grafische Darstellung von Stammzellen
Stammzellen besitzen die Fähigkeit, sich selbst zu erneuern. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Science Photo Library

Die Anzahl der registrierten Stammzellspender in Sachsen-Anhalt hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Das teilte die DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit.

Demnach gab es vor fünf Jahren insgesamt 34.842 registrierte Spender in Sachsen-Anhalt. Aktuell sind es mehr als 85.000. Allein 2018 haben sich knapp 11.000 Sachsen-Anhalter typisieren lassen.

Im vergangenen Jahr wurden in Sachsen-Anhalt 63 Spenden gezählt. 2019 gab es bereits 79 Spenden (Stand: 13. Juli 2019).

Die meisten registrierten Spender stammen aus Magdeburg, Halle und dem Harz:

Auch die meisten Spenden gab es bislang in Magdeburg, dem Harz und Halle – gefolgt vom Burgendlandkreis und der Börde:

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Stammzellspende:

Was ist eine Stammzellspende?

Im Knochenmark befinden sich Blutstammzellen. Aus ihnen werden verschiedene Blutzellen gebildet. Bei einer Stammzellentransplantation werden diese Blutstammzellen von einem Spender auf einen Empfänger übertragen. Dabei kann es sich bei Spender und Empfänger um dieselbe Person handeln oder um zwei verschiedene.

Warum werden Stammzellen gespendet?

Blutkrebs ist der Oberbegriff für bösartige Erkrankungen des Knochenmarks beziehungsweise des Blut bildenden Systems. Wegen dieser Krebszellen kann das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben nicht mehr ausführen – beispielsweise Infektionen bekämpfen, Sauerstoff transportieren oder Blutungen stoppen. Blutkrebspatienten können die Krankheit häufig nur mithilfe einer Stammzellspende eines passenden Spenders besiegen. Bei Leukämie und malignen Lymphonen ist die Übertragung gesunder Stammzellen sogar die einzige Aussicht auf Heilung.

Wer darf Spender werden?

Grundsätzlich kann jeder im Alter zwischen 17 und 55 Jahren als potenzieller Stammzellspender registiert werden. Registrierte 17-Jährige werden allerdings erst ab ihrem 18. Geburtstag als mögliche Spender berücksichtigt. Wer an chronischen oder anderen schweren Erkrankungen leidet oder gelitten hat, sollte Rücksprache mit der Spender-Organisation halten, ob er als Spender infrage kommt.

Wie funktioniert die Registrierung?

Mit einem Wattestäbchen nehmen potenzielle Spender Abstriche von der Wangenschleimhaut und schicken diese samt ausgefüllter Einverständniserklärung an Spenderoganisationen wie die DKMS.

Nach der Registrierung werden die Untersuchungsergebnisse gespeichert und anonym für den weltweiten Patientensuchlauf zur Verfügung gestellt. Bei der Stammzelltransplantation kommt es nicht auf die Übereinstimmung der Blutgruppen an, sondern auf die möglichst genaue Übereinstimmung der Gewebemerkmale zwischen Spender und Patient.

Laut DKMS kommt es höchstens bei fünf von 100 potenziellen Stammzellspendern innerhalb der nächsten zehn Jahre zu einer Stammzellspende. Passen die Gewebemerkmale tatsächlich, erhalten die Spender zunächst einen ausführlichen Gesundheitsfragebogen. Anschließend erfolgt eine Bestätigungstypisierung anhand einer weiteren Blutprobe. Außerdem wird das Blut auf bestimmte Infektionserreger wie zum Beispiel HIV oder Hepatitisviren geprüft.

Welche Entnahmearten gibt es?

In den meisten Fällen werden Stammzellen dem Blut entnommen. Das wird als periphere Stammzellentnahme bezeichnet und dauert normalerweise bis zu vier Stunden. Um ausreichend Stammzellen für eine Transplantation aus dem Blut gewinnen zu können, wird Spendern über mehrere Tage ein körpereigener Botenstoff gespritzt. Dieser aktiviert die Stammzellvermehrung.

In manchen Fällen müssen die Stammzellen aus dem Beckenkamm entnommen werden. Das dauert dann nur eine Stunde, allerdings ist eine Operation unter Vollnarkose notwendig. Das Knochenmark wird dabei aus dem Beckenkamm entnommen, denn dort liegen die Blutstammzellen in großer Zahl vor.

Wann kommt es zur Knochenmarkentnahme?

Je jünger der Patient und je weniger bösartig die Erkrankung ist, desto eher will man mit Knochenmark transplantieren. Denn Knochenmark verursacht weniger Abstoßungsreaktionen, damit aber auch weniger erwünschte Immunreaktionen gegen die Leukämie. Außerdem ist die Zeit der fehlenden Immunabwehr nach der Spende länger. Die Knochenmarksentnahme wurde heutzutage weitestgehend von der peripheren Blutstammzellspende abgelöst.

Wann kommt es zur peripheren Stammzellentnahme?

In etwa 80 Prozent der Fälle kommt es mittlerweile zur peripheren Stammzellentnahme. Ältere Patienten mit zum Beispiel wiederkehrender Leukämie sollten in der Regel diese Blutstammzellen erhalten. Denn die Zellzahl, die bei der peripheren Stammzellenentnahme gewonnen werden kann, ist in der Regel größer. Das ist vor allem dann wichtig, wenn der Empfänger ein im Vergleich zum Spender höheres Körpergewicht hat.

Welche Risiken gibt es?

Die periphere Stammzellentnahme ist mit einer Blutspende vergleichbar und führt nicht zu einem dauerhaften Verlust der Stammzellen. Der Körper bildet Stammzellen innerhalb von zwei Wochen nach.

Bei der Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkamm bestehen die üblichen Risiken bei operativen Eingriffen unter Vollnarkose. Bei gesunden Spendern ist die Gefahr ernster Komplikationen allerdings sehr gering. An der Entnahmestelle können sich Blutergüsse bilden und noch einige Tage Schmerzen auftreten. Das Knochenmark selbst regeneriert sich in kurzer Zeit, so dass keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind.

Ein Versicherungsschutz besteht kraft Gesetzes, ohne dass es dazu einer gesonderten Versicherung bedarf und umfasst unter anderem Blutspender und Spender körpereigener Gewebe. 

Wer bezahlt die Stammzellspende?

Der erste Schritt, die Typisierung, wird nicht von den Krankenkassen übernommen. Diese Kosten von 35 Euro pro Registrierung tragen die Spenderdateien, die deshalb auch auf Geldspenden angewiesen sind. Die Krankenkasse des betroffenen Patienten bezahlt alle notwendigen Untersuchungen und Behandlungen im Vorfeld der Spende sowie den eventuellen Krankenhausaufenthalt. Außerdem übernimmt sie die Kosten eines möglichen Verdienstausfalls und Reisekosten.

Die Spender-Organisationen organisieren die An- und Abreise für die Spender und übernehmen auch alle anfallenden Kosten inklusive des Verdienstausfalls. Auf den Spender kommen keine Kosten zu.

Wann dürfen Spender und Empfänger Kontakt haben?

Frühestens drei Monate nach der Stammzellspende gibt es Informationen über den Gesundheitszustand des Empfängers. Die deutschen Richtlinien sehen vor, dass sich Spender und Patient erst zwei Jahre nach der Spende persönlich kennenlernen dürfen. In der Zwischenzeit können Spender bereits anonym Kontakt zum Patienten aufnehmen.

Bei Spenden ins oder aus dem Ausland gelten häufig andere Regelungen hinsichtlich Kontaktmöglichkeiten von Spender und Patient. Manche Länder haben ähnliche Regelungen wie Deutschland, andere lassen gar keinen Kontakt zu. 

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. Juli 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2019, 10:41 Uhr

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