Sonntagsfrage CDU und AfD verlieren, alle anderen gewinnen

Knapp zweieinhalb Jahre sind seit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vergangen, fast ebenso lang ist inzwischen die Koalition von CDU, SPD und Grünen im Amt. Eine neue Umfrage zur Halbzeit der Legislaturperiode zeigt jetzt, dass die schwarz-rot-grüne Koalition nur knapp im Amt bestätigt würde, wenn kommenden Sonntag Landtagswahl wäre. Zugleich wächst die Zahl der Sachsen-Anhalter, die unzufrieden mit der Arbeit der Regierung sind.

Sonntagsfrage Sachsen-Anhalt-Trend August 2018
Bildrechte: MDR/infratest dimap

Wenn am kommenden Sonntag Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wäre, würde die Kenia-Koalition von CDU, SPD und Grünen knapp im Amt bestätigt werden. Parallel wächst bei den Menschen im Land die Unzufriedenheit mit der Arbeit der Landesregierung. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von Infratest dimap hervor, die der MDR in Auftrag gegeben hat.

Die Sonntagsfrage – Welche Partei würden Sie wählen?

Wenn am Sonntag ein neuer Landtag gewählt würde, würden 28 Prozent der Befragten ihr Kreuz bei der CDU machen – für die Partei der schlechteste Wert seit 1998. Damals war die CDU auf 22 Prozent gekommen. Verglichen mit einer Umfrage im Sommer 2017 verliert die Partei sogar um 12 Prozentpunkte. Anders die SPD: Sie legt verglichen mit der Landtagswahl 2016 um knapp vier Prozentpunkte zu und käme nun auf 14 Prozent. Auch die Grünen verbessern sich leicht, sie kämen nun auf 6 Prozent. Bei der Wahl vor knapp zweieinhalb Jahren war die Partei auf 5,2 Prozent der Wählerstimmen gekommen.

Die AfD bliebe der Umfrage zufolge zweitstärkste Kraft in Sachsen-Anhalt: Allerdings verliert sie im Vergleich zur Landtagswahl gut drei Prozentpunkte und käme nun auf 21 Prozent. Die zweite Oppositionspartei im Magdeburger Landtag, die Linke, legt dagegen um 2,7 Prozentpunkte dazu und käme jetzt auf 19 Prozent. Große Gewinnerin der politischen Stimmung im Land ist aber die FDP: Die Liberalen säßen wieder im Parlament, wenn die Sachsen-Anhalter am Sonntag wählen würden. Auf die FDP würden 8 Prozent der Wählerstimmen entfallen. Bei der Landtagswahl 2016 war die Partei mit 4,9 Prozent noch knapp am Einzug ins Parlament gescheitert.

Wenn am Sonntag gewählt würde, käme neben einer Kenia-Koalition somit auch ein Bündnis von CDU, SPD und FDP infrage. Das Bündnis hätte sogar mehr Stimmenanteile als die aktuelle Regierung. Für eine rot-rot-grünes Koalition von SPD, Linken und Grünen gäbe es dagegen keine Mehrheit.

Wahlneigungen und kein tatsächliches Wahlverhalten Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Viele Wählerinnen und Wähler legen sich kurzfristig vor einer Wahl fest. Eine große Bedeutung hat zudem der Wahlkampf mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern.

Kenia-Koalition in Sachsen-Anhalt
CDU, Grüne und SPD regieren in Sachsen-Anhalt in einer sogenannten Kenia-Koalition. Bildrechte: dpa

Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der Landesregierung?

Wie aus der Umfrage ebenfalls hervorgeht, sind Anhänger von Grünen und AfD besonders unzufrieden mit der Arbeit der Landesregierung. Und auch insgesamt wächst die Kritik der Menschen im Land: So sagen mehr als die Hälfte aller Befragten – 55 Prozent –, dass sie "weniger zufrieden" oder "gar nicht zufrieden" mit der Arbeit der Landesregierung sind. Bei einer Umfrage im Juni vergangenen Jahres hatte dieser Wert noch bei 50 Prozent gelegen. "Zufrieden" mit der Arbeit von CDU, SPD und Grünen sind der aktuellen Umfrage zufolge 40 Prozent der Befragten, 1 Prozent "sehr zufrieden".

Im bundesweiten Vergleich zählt das Magdeburger Kabinett damit zu den eher schlecht bewerteten Landesregierungen.

Zufriedenheit mit der Arbeit der Regierung – Sachsen-Anhalt-Trend August 2018
Infratest-dimap-Umfrage im Auftrag des MDR vom August 2018 Bildrechte: MDR/infratest dimap

Über die Befragung Für den Sachsen-Anhalt-Trend hat Infratest dimap insgesamt 1.000 repräsentativ ausgewählte Menschen aus Sachsen-Anhalt befragt. Sie wurden zwischen dem 21. August und 25. August 2018 telefonisch interviewt. Die Schwankungsbreite liegt zwischen 1,4 und 3,1 Prozentpunkten.

Wem trauen Sie am ehesten zu, die Probleme in Sachsen-Anhalt lösen?

Nach Ansicht der Wähler in Sachsen-Anhalt hat die CDU die größte Wirtschaftskompetenz. 44 Prozent der Befragten trauen den Christdemokraten am ehesten zu, die Wirtschaft im Land voranzutreiben. Die SPD dagegen punktet bei sozialer Gerechtigkeit. 25 Prozent der Befragten sehen am ehesten die Sozialdemokraten in der Lage, soziale Gerechtigkeit zu schaffen. Auffällig: Trotz der guten Umfragewerte für die AfD trauen nur sehr wenige Sachsen-Anhalter der Partei zu, drängende Probleme zu lösen. Lediglich 11 Prozent der Befragten sehen am ehesten die AfD in der Lage, Kriminalität und Verbrechen zu bekämpfen. 33 Prozent sehen dazu am ehesten die CDU in der Lage.

Außerdem ist in Sachsen-Anhalt der Anteil der Bürger erkennbar gewachsen, die keiner Partei die Lösung zentraler Aufgaben zutraut. Der Wert ist höher als in den Nachbarländern Sachsen und Thüringen. Vor allem bei der Versorgung des ländlichen Raums (39 Prozent) und der inneren Sicherheit (34 Prozent) setzen derzeit viele in Sachsen-Anhalt auf keine der politischen Parteien.

Über Infratest dimap Infratest dimap ist nach eigenen Angaben ein auf politische Meinungs- und Wahlforschung spezialisiertes Umfrageinstitut mit Sitz in Berlin. Das Institut erhebt für Dutzende Medienhäuser regelmäßig die politische Stimmung, darunter für ARD-Anstalten wie den MDR oder Zeitungen und Zeitschriften. Seit 1997 ermittelt Infratest dimap mit der Sonntagsfrage zwischen Wahlen die politische Stimmung in Deutschland. Das Institut ist außerdem regelmäßig damit beauftragt, für die ARD den Deutschlandtrend zu erheben – zuletzt zu den Auswirkungen des Rücktritts von Fußballer Mesut Özil als Nationalspieler.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28.08.2018 | 05:00 Uhr
MDR um 11 | 28.08.2018 | 11:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28.08.2018 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 28. August 2018, 05:00 Uhr

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24 Kommentare

30.08.2018 12:05 böse-zunge 24

#22) Die Gründe 'ja warum denn nicht' sind sowohl rational wie auch irrational - ein Blick zurück
Herr Höppner deutete eine Minderheitsregierung an ... "Elefantenrunde" im TV - Kanzler Kohl sprühte Gift und Galle 'man würde sehen was das bedeuten würde' ... haben wir, am ausgestreckten Arm usw.
oder: der folgende Wahlslogan der fdp 'Höppner geht,, die Arbeit kommt' ... übrigens bekommt die fdp Parteispenden die in ihrer Höhe nur von der cdu übertroffen werden - warum wohl? Kaum gewählt, kleine Aufmerksamkeiten an's Übernachtungsgewerbe...
Die Sündenfälle der grünen fanden/ finden im Norden/Süden der Republik statt, zumindest exemplarisch.
Klima-, Umwelt- und Naturschutz sind da hochgradig bestreitbar. Ja, und der Schutz bürgerlicher Rechte wurde mal mit "Bündnis90" dargestellt - zumindest im Ansatz.
Und hätte die Linke wirklich ihre Geschichte verstanden, wüßte sie um die verheerende Wirkung von Spaltungen...

30.08.2018 08:43 Ichich 23

Erstens wird am nächsten Sonntag nicht in Sachsen-Anhalt gewählt. Zweitens wären 21% für die AfD in meinen Augen ein überraschend hohes Ergebnis; die 24% waren doch wohl eher auf den landes-typischen Wechselwähler und dessen Begeisterung für "Neues" (1998 DVU, 2002 FDP) zurückzuführen. Drittens scheinen die Ergebnis von 20+% für die Linkspartei in O-Deutschland (mit Ausnahme von Thüringen) gezählt zu sein. Viertens ist die ostdeutsche SPD südlich von Brandenburg "fertig".

30.08.2018 01:12 Enrico Pelocke 22

Die Linken und die Grünen sind die besten Parteien. Die Linken setzen sich am besten gegen Korruption ein, nehmen z.B. keine Spenden von Firmen an und würden keine Gesetze der Industrie und anderer Lobbyisten unverändert übernehmen. Sie hat den Kapitalismus am besten vertanden und erklärt ihn deutlich. Beide kämpfen für soziale Gerechtigeit und Schutz unserer Lebensgrundlagen (Natur, Umwelt, Klima). Ich verstehe nur nicht, warum beide Parteien keine Mehrheit bekommen. Wenn es den Leuten schlecht geht, warum wählen die dann keine Parteien, die es besser machen? Warum wählen 21 % eine Partei, die mit dummen Sprüchen die Schuld auf die falschen schiebt, Haß und Unsinn predigt und selbst keine bzw. keine guten Konzepte hat?
@10: Wenn 2 % mehr FDP wählen als Grüne, ist das keine Aussage, welche Koalition der Mehrheit lieber ist.
@18: Anders ist nicht immer besser. Oft ist es auch schlechter.
@1-4: Ich stimme 5 zu.