Ein Auto auf einer Straße mit einem Schild
2.000 Kilometer der Landesstraßen in Sachsen-Anhalt müssen schon jetzt dringend saniert werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Straßenausbau-Pläne für Sachsen-Anhalt 2.000 Kilometer Landesstraße dringend sanierungsbedürftig

Schlaglöcher, Risse und tiefe Spurrillen: Das soll es auf Sachsen-Anhalts Landesstraßen künftig nicht mehr geben. Verkehrsminister Thomas Webel will bis 2030 sämtliche Strecken auf Vordermann bringen. Am Montag hat er seine Strategie dazu vorgestellt. Mancherorts sorgen Baustellen bereits jetzt für Probleme.

Ein Auto auf einer Straße mit einem Schild
2.000 Kilometer der Landesstraßen in Sachsen-Anhalt müssen schon jetzt dringend saniert werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) hat am Montag das Strategiepapier zum Landesstraßenbau bis 2030 öffentlich vorgestellt. Daraus geht hervor, dass lieber bestehende Straßen saniert als neue gebaut werden sollen. Auch Brücken und Radwege müssen erneuert und saniert werden. Wo zuerst gebaut wird, steht Webel zufolge aber noch nicht fest.

Die fünf Leitsätze der Strategie – Erhalt hat Vorrang vor Neubau.
– Im begrenzten Rahmen wird das Landesstraßennetz durch Neubau erweitert.
– Die vorhandene Infrastruktur soll durch innovatives Verkehrsmanagement optimal genutzt werden.
– Die Verkehrssicherheit soll erhöht werden.
– Umweltbeeinträchtigungen sollen reduziert werden.

Ein Mann vor einer Karte
Thomas Webel hält an seiner Strategie für den Bau der Landesstraßen fest. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit dem Dokument hält der Verkehrsminister nach der Kritik von den mitregierenden Grünen an seiner Strategie zur Verbesserung des Straßennetzes unverändert fest. Grünen-Fraktionschefin Cornelia Lüddemann hatte die Strategie als rückwärtsgewandt bezeichnet: "Statt die dringend notwendige Mobilitätswende einzuleiten, reagiert das Ministerium nur auf kaputten Asphalt." Nach Lüddemanns Ansicht braucht es ein modernes Mobilitätskonzept, das alle Verkehrsmittel miteinander vernetzt.

110 marode Brücken

Webel will bis 2030 alle Landesstraßen in Sachsen-Anhalt sanieren. Sein Argument: Ohne ein intaktes Straßennetz könnten auch E-Autos, Busse und Räder nicht fahren. Webel sagte MDR SACHSEN-ANHALT, von 4.000 Kilometer Landesstraße sei knapp die Hälfte dringend sanierungsbedürftig. Weitere 800 Kilometer kämen in absehbarer Zeit hinzu.

Wir wollen bis 2030 die Landesstraßen in den Zustand versetzt haben, dass die Menschen gefahrlos auf ihnen fahren können und wir unserer Verkehrssicherungspflicht nachkommen.

Ein Schild an einem Stand
Ein Imbiss in Ziegelroda musste schon schließen. Wegen der Umleitung bleiben die Kunden aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Besonderes Augenmerk will Webel auch auf 110 marode Brücken im Land richten. Eine dieser Brücken stand auch zwischen Ziegelroda und Querfurt. Sie wird nun durch eine Neue ersetzt. Bis dahin müssen Autofahrer allerdings ein Jahr lang einen etwa 30 Minuten langen Umweg fahren. Das ist nicht nur für Anwohner und Pendler ein Problem, sondern auch für die Geschäfte in Ziegelroda. Ein Imbiss musste wegen der fehlenden Kunden schon schließen.

Staubiger Umweg in Ziegelroda

Ein Mann steht auf einer Straße vor Baustellenschildern.
Horst Bernhardt wünscht sich eine andere Lösung für Ziegelroda. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ortsbürgermeister Horst Bernhardt hatte für eine andere Lösung gekämpft. Seiner Meinung nach sollte die Brücke – die über derzeit nicht genutzte Bahnschienen führt – abgerissen und das entstehende Loch aufgefüllt werden. Doch die Deutsche Bahn, der die Brücke gehört, war dagegen. Sie argumentierte, die Strecke könnte eines Tages wieder befahren werden. Nun nutzen einige Anwohner in Ziegelroda einen staubigen Feldweg als Ausweichroute. Spätestens im Winter wird das aber kaum mehr möglich sein.

Auf dem Landesstraßennetz hat sich laut Verkehrsminister Webel ein Sanierungsstau von insgesamt 460 Millionen Euro aufgebaut. In den vergangenen drei Jahren sei der Verkehrsetat finanziell aber vergleichsweise gut ausgestattet gewesen. Der Zustand der Straßen habe sich insgesamt sichtbar verbessert.

Kosten: 85 Millionen Euro im Jahr

Rund um Magdeburg und Wittenberg sei man deswegen schon gut vorangekommen. Schlecht sei die Situation dagegen bei Halle und im Burgenlandkreis. Für die Sanierungsarbeiten bis 2030 veranschlagt Webel 85 Millionen Euro im Jahr.

Die hohe Summe begründet der Verkehrsminister mit insgesamt steigenden Kosten. Außerdem müsse man sich gleichzeitig noch um die Pflege der restlichen Straßen kümmern. Laut Webel würde eine Instandsetzung aller sanierungsbedürftigen Straßen und Brücken 500 Millionen Euro kosten. Da diese große Summe nur etappenweise aufzubringen sei, habe man das Investitionsprogramm für den Landesstraßenbau bis 2030 strecken müssen.

Auch Sanierungsstau bei kommunalen Straßen

Eigentlich will Webel auch den Sanierungsstau bei den kommunalen Straßen im Land abbauen. Nach seiner Vorstellung sollen die Landkreise ab kommendem Jahr 32 Millionen Euro für den Straßenbau bekommen. Noch einmal so viel soll es für die kreisangehörigen Städte und Gemeinden geben – sowie 16 Millionen Euro für die kreisfreien Städte Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau.

Bisher gibt es dafür aber vom Finanzministerium kein grünes Licht, weil der Haushaltsentwurf trotz seines Rekordvolumens durch die vielen Wünsche der Ministerien überquillt. Die Finanzierung müsse bis Jahresende neu geregelt werden, so Webel. Die derzeitige Lösung über Bundeshilfen laufe zum Jahresende aus.

Quelle: dpa,MDR/aso,kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2019, 08:20 Uhr

3 Kommentare

MaP vor 14 Wochen

Das Problem ist überall das gleiche, jahrelang nur allernotwendigste Flickschusterei und jetzt ist guter Rat teuer (im wahrsten Sinn). Sachsen hat den Kommunen erst kürzlich mitgeteilt, dass es 2020 gar kein Geld für Straßenbau gibt. Da sieht's in Sa.AH zumindest besser aus.
Aber die Aussage der Grünen-Chefin zeugt wieder einmal von überbordendem Fachwissen und Intellekt! Können Grüne außer Platitüden noch etwas von sich geben?
Zitat:
"Statt die dringend notwendige Mobilitätswende einzuleiten, reagiert das Ministerium nur auf kaputten Asphalt." 
Was soll das Geschwafel von "Mobilitätswende" und "modernes Mobilitätskonzept, das alle Verkehrsmittel miteinander vernetzt"?
Braucht man dann keine befahrbaren Straßen oder Brücken mehr? Muss man nicht erst einmal die Voraussetzungen schaffen?
Aber das ist die Eigenheit der Grünen, immer den 2. oder 3. Schritt vor dem 1. tun. Wie bei der Energiewende. Erst Kraftwerke schließen, Kohleabbau stoppen. Na und dann schaun wir mal....in die Röhre!

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 14 Wochen

"Eigentlich will Webel auch den Sanierungsstau bei den kommunalen Straßen im Land abbauen. Nach seiner Vorstellung sollen die Landkreise ab kommendem Jahr 32 Millionen Euro für den Straßenbau bekommen. Noch einmal so viel soll es für die kreisangehörigen Städte und Gemeinden geben – sowie 16 Millionen Euro für die kreisfreien Städte Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau. "

nicht mal eine Mrd und die lassen die Infrastruktur kaputt gehen, der Motor der Wirtschaft und des Tourismus.

Pfui Teufel an RRG

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 14 Wochen

"Auf dem Landesstraßennetz hat sich laut Verkehrsminister Webel ein Sanierungsstau von insgesamt 460 Millionen Euro aufgebaut. "

was ist das für ein lächerlicher Betrag, wenn ich sehe wie Mrd. an anderer Stelle ausgegeben wird.

Und da fragt niemand wo das Geld herkommt!

Deutschland macht sich selbst kaputt mit dieser Regierung

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