Kundgebung in Magdeburg Lehrer streiken wieder: "Wir wollen, was uns zusteht"

Sie wollen sechs Prozent mehr Lohn – und dass ihre Arbeit finanziell genauso gewertschätzt wird wie die der verbeamteten Kollegen. Im Norden von Sachsen-Anhalt sind am Mittwoch Hunderte Lehrer auf die Straße gegangen, um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Die Folge: An vielen Schulen fiel Unterricht aus.

Leeres Klassenzimmer in Schule in Aschersleben
Heute kein Unterricht: Vom Lehrerstreik ist auch die Schule Pfeilergraben in Aschersleben betroffen. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

In Magdeburg haben am Mittwochvormittag Tausende Angestellte des Landes, darunter viele Lehrer, mehr Gehalt gefordert. Bei einer Kundgebung vor dem Finanzministerium sprachen sie sich für sechs Prozent mehr Lohn aus. Zu dem ganztägigen Streik hatten die Gewerkschaften Verdi und GEW aufgerufen.

Ziel sei, den Druck auf die Arbeitgeber vor der dritten Verhandlungsrunde im Tarifstreit zu erhöhen. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich an der Kundgebung vor dem Ministerium rund 2.000 Menschen.

Die Leiterin der Grundschule Johannes Gutenberg in Wolmirstedt, Doreen Haensch, äußerte im Vorfeld der Kundgebung Verständnis für den Streik. MDR SACHSEN-ANHALT sagte sie, es könne nicht sein, dass Lehrkräfte unterschiedlich bezahlt würden.

Eine streikende Frau hält ein Schild hoch
Streik statt Unterricht: In Magdeburg haben am Mittwoch Hunderte Lehrer für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Unter den 13 Lehrern in Wolmirstedt gebe es junge Pädagogen, die gerade ihr Referendariat abgeschlossen hätten – und dann gebe es Kollegen, die seit mehr als 30 Jahren im Schuldienst seien. "Jeder von ihnen ist engagiert und bringt jeden Tag vollen Einsatz", erklärte Haensch. Man sei eine Gemeinschaft – und in dieser Gemeinschaft solle bitteschön auch jeder die gleiche Bezahlung bekommen, sagte die Schulleiterin.

Lehrerinnen bei der Kundgebung in Magdeburg sagten MDR SACHSEN-ANHALT, ihnen stehe eine bessere Bezahlung zu. Angestellte Lehrer müssten genau so viel Geld verdienen wie verbeamtete Lehrkräfte, forderten sie.

Von dem Streik betroffen sind insgesamt rund 380 öffentliche Schulen in Magdeburg, dem Landkreisen Stendal, Börde, Jerichower Land und dem Salzlandkreis sowie dem Altmarkkreis Salzwedel. Gestreikt wird an allen Schulformen – von der Grundschule, über Sekundar- und Gesamtschulen bis hin zum Gymnasium und berufsbildenden Schulen. Auch Angestellte der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg und der Hochschule Magdeburg-Stendal legten ihre Arbeit nieder.

Lehrer stehen bei einer Kundgebung in roten Warnwesten auf dem Platz vor dem Finanzministerium in Magdeburg.
Dem Streikaufruf der Gewerkschaften waren am Mittwoch Hunderte Lehrer gefolgt. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Spielen statt lernen

Heute ist ein wichtiger Tag für die Lehrer. Sie haben, glaube ich, Probleme mit dem Geld und sind jetzt in Magdeburg, um für ein bisschen mehr Geld zu streiken.

Grundschüler Nils aus Wolmirstedt

An vielen bestreikten Schulen war Unterrichtsausfall die logische Folge. Das Landesschulamt hatte allerdings schon vor Beginn des Streiks mitgeteilt, dass die Betreuung der Kinder "in jedem Fall" gewährleistet sei – auch an der Grundschule Albert Einstein in Burg. Leiterin Andrea Golz sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Kinder könnten toben und spielen – bei dem schönen Wetter natürlich auch draußen. "Wir haben ein schönes Freigelände mit Mini-Fußballfeld", sagte Golz weiter.

Verständnis für den Streik kam auch von Eltern in Burg. Eine Mutter sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der Streik sei nicht so schlimm. Sie unterstütze die Lehrer bei ihrem Kampf für mehr Personal an den Schulen.

Bei der wenigen Anzahl an Lehrern im Lande fällt so viel Unterricht aus, da kommt es auf diesen einen Tag nun auch nicht mehr an.

Vater eines Grundschülers in Burg

Am Dienstag hatten in Halberstadt und weiteren Teilen des Landkreises Harz bereits Lehrer und Hochschulangestellte die Arbeit niedergelegt. Allein dieser Warnstreik hat nach Angaben des Bildungsministeriums mehr als 1.000 Ausfallstunden verursacht – und zwar an 43 der 94 staatlichen Schulen im Landkreis Harz. Vorige Woche waren bereits Lehrer und Hochschulmitarbeiter im Süden und Osten Sachsen-Anhalts in den Streik getreten. Auch dort war Unterrichtsausfall die Folge.

Dritte Verhandlungsrunde ab Donnerstag

Die Gewerkschaft Verdi fordert für die 2,3 Millionen Beschäftigen der Bundesländer ein Lohnplus von sechs Prozent, mindestens aber 200 Euro mehr. Azubis sollen mindestens 100 Euro im Monat mehr bekommen. Die dritte Verhandlungsrunde mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) ist für den 28. Februar angesetzt.

Wer außerdem streikt Die Gewerkschaft Verdi hat einem Sprecher zufolge auch Mitarbeiter des Landesverwaltungsamtes in Magdeburg, des Amts für Bau- und Liegenschaftsmanagement sowie des Landesamt für Vermessung und Geoinformation zum Streik für mehr Gehalt aufgerufen.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. Februar 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juli 2019, 14:32 Uhr

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4 Kommentare

27.02.2019 19:47 Ureinwohner 4

Leiterin Andrea Golz sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Kinder könnten toben und spielen – bei dem schönen Wetter natürlich auch draußen. Was lernen sie dabei ? Na klar Lebensfreude!!

27.02.2019 17:13 Altlehrer 3

Der TVL hinkt mittlerweile bis zu ca 550 € hinter dem TVöD bei gleicher Einstufung hinterher: dank GEW und Verdi! Herr Bsirske schickt die Lehrer regelmäßig seit Jahren in einen "Tarifkampf", um anschließend bei den Tarifabschlüssen Ergebnisse im Bereich des Inflationsausgleiches als Erfolg zu verkaufen, während sich Kommunal- und Bundesangestellte über echte Zuwächse freuen können.

27.02.2019 16:32 Werner 2

Nicht so bescheiden. Bei Anderen gehts doch auch. Man geht nicht nur mit 6% mehr Lohn in eine Verhandlung, wenn sich die Abgeordneten regelmäßig 20% für die Diäten gönnen, und sich selber ratzfatz genehmigen. Bis auf 2 nicht genannte Querulantenparteien, als medial bekannte Störenfriede in der Runde der Selbstbedienungsladenbesitzer. Man muss mit 40% mehr Lohnforderung reingehen, um mit ca. 20% die Verhandlungen beenden. Da kommt bei 40% erst eine Art Schockstarre, und dann sind die froh, wenn es keine 30% werden. Man muss das Gefühl von "schnappab grade nochmal Glück gehabt" vermitteln. Mit bescheidenen 6% werden das maximal um 1,8 -2,3%. Das ist bei Null-Zinsen oder Strafzinsen und 1,9% Inflation... Miete, Gebühren garnix - ein Witz. Kleiner Scherz.

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