Andre Poggenburg (AfD) gestikuliert mit den Armen.
Landeschef Poggenburg will mit der Entscheidung einen "Reset-Knopf drücken". Bildrechte: IMAGO

Parteiinterner Streit AfD-Kreisverband Börde vorerst nicht aufgelöst

Im AfD-Kreisverband Börde gibt es viele Kritiker von Landesparteichef Poggenburg. Nun hat der Landesvorstand beschlossen, den Kreisverband aufzulösen. Der Börde-Verband wandte sich daraufhin an das Landesschiedsgericht, um gegen den Beschluss vorzugehen – mit Erfolg. Der Kreisverband wird vorerst nicht aufgelöst.

Andre Poggenburg (AfD) gestikuliert mit den Armen.
Landeschef Poggenburg will mit der Entscheidung einen "Reset-Knopf drücken". Bildrechte: IMAGO

Der AfD-Kreisverband Börde wird vorerst nicht aufgelöst. Das geht aus einer Mitteilung des Landesschiedsgerichts der Partei hervor, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt. Demnach seien die Richter zu der vorläufigen Überzeugung gelangt, dass die vorgelegte Begründung nicht ausreicht. Am Freitag war bekannt geworden, dass der Landesvorstand der AfD seinen regionalen Verband im Bördekreis auflösen will. Daraufhin wehrte sich der Keisverband gegen den Beschluss. Er stellte nach Angaben von Kreischef Schroeder einen Eilantrag beim Landesschiedsgericht der AfD – zur Feststellung der "Nichtigkeit des Beschlusses".

AfD-Landeschef André Poggenburg bestätigte MDR SACHSEN-ANHALT den Beschluss des Parteivorstandes. Er sagte, in dem Kreisverband gebe es viele Streitereien und juristische Auseinandersetzungen. Das sei ein Zustand, in dem der Verband nicht handlungsfähig sei. So hätten seit Monaten keine Mitglieder aufgenommen werden können.

Diskussion zwischen Kreis- und Landeschef

Hintergrund ist unter anderem ein Streit um den Posten von Kreischef Schroeder. Landeschef André Poggenburg wirft ihm vor, sich seine Kandidatur erschlichen zu haben. Schroeder habe nie im Landkreis Börde gelebt, er habe sich aber im dortigen Einwohnermeldeamt eintragen lassen, um für eine Kandidatur in Frage zu kommen. Schroeder selbst weist diesen Vorwurf zurück.

Von Schroeder selbst kommt scharfe Kritik am Beschluss des Landesvorstands. Er sei "völlige Parteischädigung". Poggenburg gehe es darum, einen Kreisverband unter Kontrolle zu bringen, "wie es demokratisch nicht möglich gewesen ist". Poggenburg gehe gegen Kritiker vor, die sich das Recht genommen hätten, sich eine eigene Meinung zu bilden. Poggenburg selbst sagte dazu, es habe keinen anderen Lösungsweg gegeben. Die Auflösung sei ein "konstruktiver Schritt", ein "Reset-Knopf" werde gedrückt. "Es ist eine Maßnahme, die dafür sorgt, dass in einem bisher nicht mehr arbeitsfähigen Kreisverband wieder gearbeitet werden kann", so Poggenburg.

Börde-Verband ist gespalten

Steffen Schroeder war erst im September zum Kreischef gewählt worden. Er ist außerdem einer der Vorsitzenden der "Alternativen Mitte" – einer Gruppe, die innerhalb der AfD nach eigener Darstellung für bürgerlich-konservative Werte einsteht. Im AfD-Kreisverband Börde gibt es neben Poggenburg-Kritikern auch Unterstützer des Landeschefs: etwa Martin Reichardt, der als AfD-Spitzenkandidat in den Bundestag gewählt worden ist. Oder Jan Wenzel-Schmidt, Vorsitzender der AfD-Jugendorganisation im Land. Nach der Auflösung des bisherigen AfD-Kreisverbandes Börde könnten sie einen neuen Verband gründen.

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Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. Dezember 2017 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Dezember 2017, 10:45 Uhr

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27 Kommentare

24.12.2017 13:50 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 27

@ 23:
Sagte nicht auch Gauland: "Diese Etablierten müssen weg!"

Wenn die AfD nun selbst etabliert sei, müssen die dann auch weg?

24.12.2017 09:53 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 26

@ 23:
Hmmm... dann sind ja die Leute von der AfD gar nicht besser als die, die sie immer als 'Etablierte' beschimpfen, sondern verhalten sich genauso:
am Sessel kleben, Diäten für nichts einkassieren...

Und - oh Schreck! - dann muß man ihre Wahlkampfstrategie genauso beurteilen: die haben ihre Wähler gleich von Anfang an belogen und wollten gar nichts für den 'deutschen Mann' verbessern, sondern nur ein paar 'besser bezahlte Sitzplätze, um überdacht über den Winter zu kommen'.

'Reset-Knöpfe' sind etwas für Video-Spieler, die mit ein paar Extra-Leben ihr Spiel nochmal von vorn anfangen können, wenn sie etwas versaut haben.

Im realen Leben geht das eben nicht: da löscht man das 'Versaute' nicht durch einen 'Reset'.

23.12.2017 22:23 Udo K 25

@ Ex - Thüringerin 18
Unvollständig!
Sie vergaßen Beispiele aus den Reihen der Etablierten.