Corona-Lockerungen in Sicht? Bildungsminister Tullner rechnet mit baldiger Öffnung der Schulen

Vor vier Wochen wurden alle Schulen in Sachsen-Anhalt geschlossen. Nun steht eine baldige Öffnung bevor, glaubt Bildungsminister Tullner. Doch auch dann wird zunächst wohl nur ein Teil der Schüler im Klassenzimmer unterrichtet werden.

Stühle stehen in einem leeren Klassenzimmer
Sachsen-Anhalts Kinder könnten bald in die Schulen zurückkehren. Bildrechte: dpa

Vier Wochen, nachdem zur Eindämmung des Coronavirus alle Schulen in Sachsen-Anhalt geschlossen wurden, steht eine baldige Rückkehr der Schülerinnen und Schüler ins Klassenzimmer bevor. Das glaubt zumindest Bildungsminister Marco Tullner. Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT sagte er: "Wir sind vorbereitet und haben verschiedene Szenarien entwickelt. Ich gehe davon aus, dass wir ab 20. April damit anfangen, die Schulen wieder zu öffnen."

Abhängig sei dies jedoch vom Ergebnis eines Gesprächs zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch.

Unterricht zunächst für ältere Schüler

Zunächst sollen aus Sicht Tullners ausschließlich ältere Jahrgänge unterrichtet werden. Der Minister sagte, nur so könne es ein normales Abitur geben. An den Abschlussprüfungen solle festgehalten werden. Zuletzt hatte es in Sachsen-Anhalt heftige Diskussionen gegeben, weil Schülerinnen und Schüler trotz Schulschließungen zu Vorprüfungen einbestellt worden waren.

Die Schulöffnung für ältere Schülerinnen und Schüler sei verbunden mit der Tatsache, "dass man da auf Abstände achten kann und die Schüler auch rational erreicht, was gesundheitliche Auflagen angeht", so Tullner. Bundesweit gibt es derzeit Diskussionen, wie Mindestabstände eingehalten werden könnten. Im Gespräch ist etwa die Möglichkeit, Klassen in zwei Gruppen zu teilen und diese nacheinander vormittags und nachmittags zu unterrichten.

Tullner: "Bei kleineren Kindern fehlt mir die Fantasie"

Eine Öffnung der Schulen für alle Kinder und Jugendlichen sei aber unwahrscheinlich. Tullner gab zu, dass ihm die Fantasie bei der Frage fehle, wie mit Kleinkindern die Abstandsregeln eingehalten werden sollen. Klar ist aber, dass auch für die unteren Klassen eine Lösung gefunden werden muss. Denn die gegenwärtige Situation ist für Kinder und Eltern schwierig, räumt Tullner ein:

Man muss immer bedenken, dass es jetzt eine große sozialpolitische Debatte gibt, über Kinder in bildungsfernen Schichten, die jetzt von Bildungsangeboten abgeschnitten werden und die damit verbundenen Probleme. Das heißt, wir werden uns auch relativ schnell mit der Frage beschäftigen müssen, wie wir die kleinen Kinder in Kitas und Schulen beschulen können.

Bei MDR SACHSEN-ANHALT forderte Tullner deshalb, dass die Gesundheitsbehörden klare Vorgaben machen sollen, wie eine Lockerung in der Schule umgesetzt werden könne. Das gelte auch für den Schutz der Lehrer.

Quelle: dpa,MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. April 2020 | 10:00 Uhr

30 Kommentare

ElBuffo vor 16 Wochen

Da ist natürlich schon in den vergangenen Jahren so Einiges an Vertrauen verspielt worden. Vielleicht ist das auch das Problem. Da waren im vergangenen Jahrzehnt zwei große Baustellen, die noch nicht so recht fertiggestellt sind. Ich erinnere mich daran, dass jahrelang kein Geld für simpelste Reparaturmaßnahmen oder mal neues Mobiliar da war. Und plötzlich öffneten sich über Nacht die Schleusen und es waren Milliarden ganz selbstverständlich vorhanden. Und da soll man jetzt Vertrauen haben. Ich nenne es eher Hoffnung.

ElBuffo vor 16 Wochen

Das fiese dabei ist nur, dass so ziemlich jeder Schüler Eltern hat. Das ist die Generation, die die den allergrößten Anteil der Beitragslasten für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung wuppen muss. Das eine geht also nicht ohne das andere.
Ich befürchte, dass sich diese Erkenntnis in der nichtwertschöpfenden Bevölkerung erst noch Bahn brechen muss. Noch hoffe ich, dass dies nicht erst eintritt, wenn kein Geld mehr aus dem Automaten kommt.

Meine Meinung vor 16 Wochen

Nachtrag ;-)....Das Defizit an Bildung haben nicht nur die Abschlussklassen, sondern genau so die Grundschüler weil hier das Basiswissen vermittelt wird und somit die kleineren Kinder eine größere Lobby bräuchten. Dann stellt man eben eine Putzfrau extra ein die die Sanitäranlagen nach jeden Toilettengang der Knirpse putzt. Die Kleinen halten sich eher an Regeln als die Pubertierenden. Man muss es aber versuchen da....Was nützen offene Restaurants und Einkauftempel wenn die Familien ruiniert sind weil sie keine Möglichkeit haben zu arbeiten wegen fehlender Kinderbetreuung. Es ist immer wieder erstaunlich das die Kinder nicht im Fokus der Gesellschaft stehen. Jede Verkäuferin oder Servicekraft, Krankenschwester usw. kann erst arbeiten wenn die Kinder untergebracht sind. Denkt einer an die Alleinerziehenden oder Familien wo zwingend beide arbeiten müssen? Sachsen-Anhalt ist Niedriglohnland. Auch ein Lehrer kann nur arbeiten wenn sein Kind untergebracht ist.

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